GroKo

„GroKo“: Das häßlichste Wort des Jahres hat gestern die Wahl zum „Wort des Jahres“ gewonnen. Das entschied die in Wiesbaden ansässige „Gesellschaft für deutsche Sprache“. Die entscheidenden Kriterien für ein „Wort des Jahres“ sind offenbar diese: Das Wort sollte häßlich („GroKo“, Platz 1), politisch korrekt („Armutseinwanderung“, Platz 3), englisch („Big Data“, Platz 5) oder unbekannt sein („Generation Sandsack“, Platz 7).

„GroKo“, was soll denn das heißen? Das fragten sich viele. Nicht nur solche, die im Ausland Deutsch lernen, waren ratlos, sondern auch viele Deutsche. Ähnlich wie bei „Rettungsroutine“, dem Gewinnerwort des vergangenen Jahres, hatten viele von dem Wort noch nie gehört.

Anbiederung an die Bundesregierung

Mutmaßungen wurden angestellt, wofür diese Abkürzung denn stehen solle. Darunter waren natürlich auch schelmische, etwa: GroßKotz, GroßKopferte, GroßeKopfschmerzen, GroßesKonto, GroberKompromiß, GroßeKonfusion, GroßeKollision? All diese Vorschläge der Entschlüsselung sind wesentlich geistreicher als die Abkürzung „GroKo“, die sich bequeme Leute ausdachten, um „Große Koalition“ nicht ausschreiben zu müssen.

Sollte die Auszeichnung von „GroKo“ ein Zeichen setzen, wie lebendig die deutsche Sprache ist, so ist dies gründlich danebengegangen. Doch vermutlich ging es darum auch gar nicht. Statt dessen liegt der Verdacht nahe, daß sich die „Gesellschaft für deutsche Sprache“, die wesentlich aus Steuergeldern finanziert wird, mit der Werbung für „GroKo“ bei der neuen Bundesregierung lediglich anbiedern wollte.

Wird der „crossmediale Begriff“ zum Unwort?

Dorothee Bär, familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, honorierte denn auch die Wahl. „GroKo“ habe sich „zu einem crossmedialen Begriff“ entwickelt, „der nun gleichsam auf der Schwelle der Lexikalisierung stehen könnte“, schwärmte sie. „Nun freuen wir uns darauf, dem linguistischen Phänomen die reale Entsprechung zu schaffen[,] und ich wünsche mir für die nächsten Jahre, dass die Menschen die Wortschöpfung ‚GroKo‘ dann verwenden, wenn Sie [!] über solide und erfolgreiche Regierungsarbeit sprechen möchten.“

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ (MZ) zwitscherte hingegen etwas anderes: „Unsere Bonitäts-Prognose: #GroKo wird innerhalb von vier Jahren herabgestuft vom Wort zum #Unwort des Jahres.“ Daß die Vorhersage der MZ näher an der Wirklichkeit liegt als diejenige Dorothee Bärs, ist freilich zu befürchten.

 

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