Bedingt unbeteiligt?

Just heute morgen konnte man vernehmen, sofern man den Konsum des hiesigen Radioprogramms dennoch über sich bringt, daß die USA befriedigt darüber seien, daß ihre heldenmütige „Drohung“ gegenüber Syrien zu einer Diskussion über die Abgabe der syrischen Chemiewaffen geführt habe. Das mag man mit einem Augenrollen oder sonstwie quittieren; hierzulande ist man ja noch einigermaßen beruhigt, da eine deutsche Teilnahme an einer noch immer im Raum stehenden „Erziehungsmaßnahme“ gegen Syrien unwahrscheinlich ist. Das ist es zumindest, womit die Blockflöten-Medien das Volk einzulullen versuchen.

Amüsanterweise hat nun Thomas Wiegold, ansonsten bekannt für sein sehr lesenswertes Bundeswehr-Blog „Augen geradeaus!“, knapp und lakonisch aufgezeigt, daß entgegen aller hiesigen Beteuerungen die Bundeswehr längst passiv in den Konflikt um Syrien und Assad involviert ist – eine Einbezogenheit, die gegebenenfalls auch ganz schnell „aktiviert“ werden kann.

Warum ausgerechnet die Zeit so etwas bringt, erklärt sich relativ leicht und nicht allein durch die schwierige Stellung der großen deutschen Blätter zur Bundeswehr: immerhin ist Wahlkampf. Das ist auch der Grund, weswegen wir seit Wochen allerorten davon hören und lesen, daß deutsche Soldaten sich an einem mal wieder von den USA durchgedrückten und erst nachträglich mandatierten Weltpolizei-Einsatz (Wiegold verweist nicht umsonst auf den Kosovokrieg, auch wenn man das schnell überlesen hat!) nicht beteiligen würden.

Unsere Soldaten stecken längst in der Malaise

Normalerweise geht die Tendenz bundesdeutscher Regierungen eher zum fröhlichen Galopplauf an der Seite des „großen Bruders“; leicht nach hinten versetzt allerdings, um nicht den Briten in die Hacken zu treten. Daß bei dem jetzigen, massenmedial aufgebauten „Konflikt“ alles ein wenig anders läuft und gehäuft die Parlamente ihren von messianischem Sendungsbewußtsein befallenen Staatsoberhäuptern die Gefolgschaft verweigern, mag Aussagekraft für viele europäische Nationen haben (solange die Kriegszüge noch nicht zentral von Brüssel aus gelenkt werden). Hierzulande ist derlei nicht nur unwahrscheinlich, sondern unmöglich, denn man stellt ja rein gar nichts zur Abstimmung.

Statt dessen stecken „wir“, und das sind hier unsere Soldaten, längst mittendrin in der Malaise – wartend auf den Gang der Weltpolitik. Und das für ein regionales Problem, das uns sowohl räumlich, als auch sinnhaft ferner nicht liegen könnte. Wir können froh sein, daß der mediale Trubel nicht erst nach der Wahl über die Welt hereingebrochen ist, sonst würde – selbstverständlich ungeachtet der Kabinettszusammensetzung – Damaskus gewiß schon auf den Radarbildschirmen deutscher Awacs aufscheinen. Immerhin wenigstens mal ein kleiner Grund, für Wahlen verhältnismäßig dankbar zu sein.

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