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Identität? Ja, bitte!

Im Entwurf eines Briefes an Carl Schmitt vom 25. November 1979 notierte Ernst Jünger, bezugnehmend auf Schmitts Aussage, daß seinerzeit „nach Identität [geschrien]“ werde: „Nur der sucht sie, dem sie verloren ging und der sich im Spiegelbild nicht wiedererkennt. Es ist merkwürdig, daß bei dem ungeheuren Anfluten von Erlebnissen kaum je eine lesbare Biographie zustande kommt. Der Mensch formt nicht mehr die Tatsachen, sondern er wird durch sie deformiert“ (zitiert nach: Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund, Marbach am Neckar 2010).

Der Schwelbrand unseres Dilemmas

Daß sich daran bis heute nichts, aber auch gar nichts, geändert hat, läßt sich unschwer erkennen. Natürlich bedarf es zur Konsolidierung eines nationalen Bewußtseins des Wissens um eine konkrete Identität, die die Grundlage eines grundlagenorientierten Handelns darzustellen vermag. Daß sich eine spezifische deutsche Identität für den sprichwörtlichen „Otto Normalverbraucher“ gewöhnlich in der Frage erschöpft, was genau denn nun eigentlich „deutsch“ sei, darüber legen Bücher wie Roberto Bolaños „Das Dritte Reich“ und insbesondere Iris Hanikas „Das Eigentliche“ – wohlgemerkt in prosaischer Form – mehr als beredt Zeugnis ab.

Das Konvolut über „Die deutsche Seele“ stellt den jüngsten Versuch dar, dem außerhalb karikierender Darstellungen verfemten Gedanken, irgendetwas könne überhaupt „typisch deutsch“ sein, etwas wie ein Eigenleben einzuhauchen. Ähnliches, wenngleich auch in artgerecht sarkastischer Form, versucht man derzeit im Blog „Achse des Guten“.

Ein Funken reiner Energie

Doch auch außerhalb der schriftstellerisch-feuilletonistischen Zunft bemühen sich gerade junge Menschen darum, diese zwar meist unbewußte, aber um so bohrendere Frage zu beantworten oder zumindest dem Wanderer durch’s Nebelmeer einen Schubs in die „richtige“ Richtung zu geben. Nicht nur in Zirkeln wie dem Institut für Staatspolitik wird dergleichen rege diskutiert: Eines der beständigsten deutschsprachigen Internet-Netzwerke „identitärer“ Ausrichtung ist Der Funke aus Österreich. Hier werden nicht nur Grundlagenartikel zum schwierigen und unwahrscheinlich komplexen Thema der nationalen Identität (die notwendigerweise zumeist lediglich Annährungscharakter haben) veröffentlicht.

Vor allem sticht die Seite durch ihre Anlehnung an die subversive „Pop-Art“ der italienischen Vorreiterbewegung „Casa Pound“ hervor; neben ansehnlichen Hintergrundbildern für den heimischen Rechner wird dort als „Infomaterial“ eine erkleckliche Anzahl zitatbasierter Aufkleber angeboten, die sich bei Klassikern wie Mohler, Heidegger, Spengler und Schmitt bedienen, aber auch ausgefallenere Quellen wie Goethe, Solschenizyn oder Rosegger bemühen, um zum Nachdenken anzuregen.

Eine Flamme lohender Sehnsucht

Besonders aufregend vor diesem Hintergrund der kulturell-metapolitischen Melange sind die auf dem Videoportal YouTube hinterlegten „Funkenfilme“, die eine große Bandbreite an Material, von Vorträgen über selbsterstellte Musikvideos bis hin zu in Vergessenheit geratenen, US-amerikanischen Propagandafilmen zur „Reeducation“ umfassen.

Auch, wenn die hierzulande noch weitgehend unbekannte identitäre Bewegung auf den ersten Blick stellenweise noch etwas unbeholfen erscheinen mag: In Ländern wie Italien, Frankreich und den skandinavischen Staaten entfaltet sie bereits eine nicht zu verachtende Öffentlichkeitswirkung. In Deutschland lohnt es sich allemal, sie im Auge zu behalten – auch und gerade vor dem Hintergrund des völlig unverhältnismäßigen, drakonischen staatlichen Vorgehens gegen die anverwandte, nationalistische Gruppe der „Unsterblichen“. Immerhin wird hier und dort Grundlagenarbeit geleistet, die auch dem persönlichen Nachdenken über die eigene Identität (sofern man sich denn dazu aufraffen kann) neue Anstöße gibt. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen ja sogar, den das Zitat Oswald Spenglers von einem „Funken“-Aufkleber zu widerlegen: „Früher war es nicht erlaubt frei zu denken, heute schon, aber niemand ist mehr dazu in der Lage.“ In diesem Sinne – stehst Du in Flammen?

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