Denglisch wird EU-Amtssprache

Denglisch soll die Einheitssprache der Europäischen Union werden. Das fordert allen Ernstes Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. Dezember 2012 legte Schäuble seine gruseligen Vorstellungen eines europäischen Leviathans dar: „Ein europäischer Präsident würde direkt vom Volk gewählt, so wie in Frankreich und Amerika“. Als verbindende Staatssprache empfiehlt Schäuble „schlecht gesprochenes Englisch“. Dieses sei schließlich „eine der am meisten gesprochenen Sprachen der Welt.“ In EU-Kommissar Günther Oettinger hat er da gewiß einen treuen Verbündeten.

Schäuble selbst geht wie Oettinger mit seinem Beispiel voran und ist auch noch stolz auf sein miserables Englisch: „Mir tut jeder leid, der mein Englisch ertragen muß.“ So stammelte er einmal bei einer Pressekonferenz ins Mikrophon: „I think … there will no … it will not happen, that there will be a Staatsbankrott in Greece.“. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu berichten wußte, klagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker schon mehrmals im kleinen Kreis über den radebrechenden Schäuble: „Ich versteh den Wolfgang nicht.“ Doch obwohl Juncker Schäuble in den Sitzungen inzwischen bewußt auf deutsch anspricht, antwortet dieser beharrlich auf englisch – oder zumindest in einer Sprache, die Schäuble für Englisch hält.

Bundesregierung setzt Englisch durch

Im Widerspruch zu Schäubles (D)englischpolitik steht das europapolitische Positionspapier der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, das die CSU auf ihrer Klausur vom 7. bis 9. Januar 2013 in Wildbad Kreuth beraten wird. Darin heißt es: „Glaubhaft sind die Bemühungen um die deutsche Sprache allerdings nur dann, wenn diese von der Bundesregierung und den Landesregierungen in europäischen Angelegenheiten auch selbst gepflegt wird.“ Deutsche Regierungsvertreter sollten deshalb bei internationalen Auftritten „wo immer möglich Deutsch sprechen“.

Schäuble hingegen schlug sogar dem damaligen französischen Innenminister Nicolas Sarkozy einst vor, „in den Ratssitzungen in Brüssel die Dolmetscher wegzulassen.“ Dieser entgegnete, daß die Engländer dann einen großen Vorteil hätten. Schäuble entblödete sich nicht, darauf zu antworten, daß dies für die Engländer doch ein Nachteil sei, „weil wir ihre Sprache zerstören“. Der Bundesfinanzminister will also, daß sich der künftige EU-Machthaber in schlechtem Englisch an eine Bevölkerung wendet, die selbst mehr schlecht als recht Englisch versteht. Die meisten jüngeren Menschen in Europa verständen Englisch, behauptet Schäuble, und er setzt hinzu: „In global agierenden Unternehmen wird auch nur noch Englisch gesprochen. Also, das schaffen wir schon.“

Brüssel baut die deutsche Sprache ab

Keineswegs handelt es sich um Phantastereien eines verwirrten alten Mannes. Vor diesem Hintergrund ist es nämlich gewiß kein Zufall, daß die EU-Kommission 22 Übersetzerstellen für Deutsch streicht und im Gegenzug 14 Stellen für Englisch schafft. Es hat keine Folgen, wenn sich die CSU dagegen ausspricht, wenn der Vorsitzende des Europaausschusses, Gunther Krichbaum, dies „unverschämt“ nennt, wenn Bundestagspräsident Norbert Lammert Kanzlerin Angela Merkel bittet, etwas dagegen zu tun, denn: Daß Englisch das Deutsche als EU-Sprache verdrängt, hat die deutsche Bundesregierung offenbar schon längst beschlossen. Die Versuchung ist einfach zu groß: Was das Volk nicht versteht, kann es auch nicht abwehren.

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