Wird Ramsauer „Sprachwahrer des Jahres“?

Alle reden vom Wetter, Peter Ramsauer spricht über entbehrliche Fremdwörter. Will der „Winterminister“ mit seinem populären Kampf gegen Denglisch tatsächlich bloß von den jahreszeitlich bedingten Problemen der Deutschen Bahn ablenken? Gewiß ist das nicht sein Antrieb, denn diesen Kampf für die deutsche Sprache führt Ramsauer bereits, seitdem er im Amt ist, beharrlich und mit Erfolg. Deswegen ist er auch für den „Sprachwahrer des Jahres“ vorgeschlagen.

Mit seinem Einsatz unterscheidet sich Ramsauer deutlich von seinem Amtskollegen Guido Westerwelle, der erst große Sprüche klopfte – „Es ist Deutschland hier!“ –, den Worten aber keine Taten folgen ließ. Hat denn etwa jemand noch etwas von der Werbeaktion „Deutsch – Sprache der Ideen“ gehört, die der Außenminister vor einem Jahr mit viel Tamtam ins Leben gerufen hat? Auch mit seinem Versuch, die deutsche Sprache im neuen EU-Außenministerium zu verankern, scheiterte Westerwelle. Unterdessen drängt sich immer stärker das Bild eines sprachpolitischen Leichtmatrosen auf.

Ramsauers Verdeutschungsliste wächst

Da tut es gut zu wissen, mit Ramsauer einen verläßlichen Anwalt der deutschen Sprache in der Bundesregierung zu haben. Auf über einhundert Wörter ist seine Verdeutschungsliste inzwischen gewachsen. An dieser Stelle sei eine kleine Auswahl wiedergegeben:

Advisory Board – Beirat

Beamer – Datenprojektor

Computer – Rechner

Deadline – Abgabetermin, Frist

European Electronic Toll Service (EETS) – Europäischer Elektronischer Mautdienst (EEMD)

Flipchart – Tafelschreibblock, Schreibblocktafel

Good Governance – verantwortungsbewußte Regierungsführung

Highway Hero – Held der Straße

Anfeindungen in der Presse – Zustimmung in der Bevölkerung

Während Ramsauer in der Bevölkerung nahezu auf ungeteilte Zustimmung stößt, schreiben einige Zeitungen gegen die ministerielle Sprachpflege an. Der Spiegel raunt das böse Wort vom „Populismus“. Die Süddeutsche bezeichnet das Klagen über Anglizismen als „wohlfeil“. – Warum gibt es dann unter den Bundesministern so wenige erklärte Deutschverfechter? Die Hamburger Morgenpost schlagzeilt „Ein Minister macht sich lächerlich“ und findet, Englisch sei keine Fremdsprache mehr, sondern „Teil des Alltags“. – Warum nennt sich die Zeitung dann eigentlich nicht „Morning Post“? Die Financial Times Deutschland sieht den Bundesverkehrsminister gar in der „Tradition der DDR“. – Geht’s noch bekloppter?

Ja, es geht noch bekloppter. Als Retter der Sprachvermischung spielt sich der Vorsitzende des Verkehrsauschusses des Deutschen Bundestags auf, Winfried Hermann von Bündnis 90 / Den Grünen. Daß diese Partei offenbar ein gestörtes Verhältnis zur deutschen Sprache hat, bewies einst schon der Parteivorsitzende Cem Özdemir. Dieser entblödete sich nicht, der englischsprachigen Welt in einer Filmbotschaft seine vermeintlich herausragenden Englischkenntnisse vorzuführen, nachdem Westerwelle eine Pressekonferenz nur in deutscher Sprache gegeben hatte. Hermann nun zeigt sich geradezu „entsetzt“ darüber, daß sich Ramsauer mit der Rückübersetzung von Anglizismen beschäftige.

Wie aus dem Hero ein Held wurde

Ramsauer wird es wenig jucken und mit der Beharrlichkeit weitermachen, mit der er zum Beispiel bereits die Mißgeburt „Highway Hero“ zur Strecke gebracht hat. Im Mai 2010 berichtete er der Zeitschrift Super-Illu von der Anfrage des Reifenherstellers Goodyear, ob er wie sein Vorgänger wieder als Schirmherr die Auszeichnung „Highway Hero“ verleihen möchte. Das ist ein Preis für selbstloses und mutiges Handeln im Straßenverkehr. Goodyear hatte die Aktion von den Vereinigten Staaten nach Deutschland gebracht, ohne den Namen zu übersetzen. Ramsauer antwortete: „Ich verleihe den Preis gerne an einen ‚Helden der Straße‘ – und wenn das den Organisatoren nicht paßt, werden sie wohl mit dem Staatssekretär vorliebnehmen müssen …“ Das wirkte. Heute heißt es auf der Netzseite des Veranstalters: „Goodyear ist der Überzeugung, daß mit der Umbenennung in ‚Held der Straße‘ die breite Öffentlichkeit besser erreicht werden kann.“ Ramsauer ist beglückt: „Es ist mir eine besondere Freude, daß aus dem ‚Highway-Hero‘ nun der ‚Held der Straße‘ geworden ist. So haben wir einen Anglizismus weniger im deutschen Straßenverkehr!

Wählen Sie die „Sprachwahrer des Jahres“!

„Denglisch-Heros“ haben wir allerdings noch immer mehr als genug – wie etwa die Autobahnpolizei Nordrhein-Westfalens, die am 1. Dezember eine landesweite Kampagne für mehr Verkehrssicherheit englischsprachiger Menschen begonnen hat. Dazu hängt die Polizei an Autobahnbrücken Plakate mit der Aufschrift „Check your distance“ auf und bezeichnet dieses schlechte Englisch auch noch als „klare und eindeutige Botschaft“. Kein Wunder, daß dies einen Proteststurm hervorrief. Ein wenig ruderte die Polizei nun zurück. Ein Behördensprecher teilte mit, daß man „die nächste Kampagne für ausländische Verkehrsteilnehmer auf den Autobahnen möglichst mit Hilfe von Piktogrammen gestalten“ wolle. Die deutsche Landessprache scheint weiterhin tabu zu sein, aber immerhin verficht die Polizei nicht mehr Englisch als Leitsprache Deutschlands.

Vielleicht hat ja das Vorbild des Bundesverkehrsministers bei der Entscheidung, nicht mehr auf englisch zu plakatieren, auch eine Rolle gespielt? Wenn Peter Ramsauer auch für Sie ein „Held der deutschen Sprache“ ist, dann können Sie das belohnen, indem Sie ihn zum „Sprachwahrer des Jahres“ wählen. Die Abstimmung endet am 31. Januar 2011. Sie können Ihre Stimme natürlich auch jedem anderen Kämpfer für die deutsche Sprache geben, Hauptsache, Sie machen mit bei der Rückeroberung des öffentlichen Sprachraums!

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