Weltwirtschaftliche Umbrüche

Wenn die Medienberichte zutreffen, wird China in kürze die nächste Etappe im „Weltkrieg der Währungen“ (Daniel Eckert) in Angriff nehmen. Auf ihrer Homepage hat die chinesische Zentralbank laut Welt unter anderem angekündigt, chinesischen Exporteuren und Importeuren soll erlaubt werden, Geschäfte mit ausländischen Partnern in Yuan abzuwickeln.

Außerdem verlautete die Zentralbank, aktiv mit Ländern kooperieren zu wollen, die den Yuan künftig als Reservewährung nutzen wollen. Welt-Autor Frank Stocker schlußfolgert mit knappen Worten, was diese Mitteilungen bedeuten: Sollten diese Ankündigungen Realität werden, dürfte die Welt der Währungen „kräftig durcheinandergewirbelt“ werden und der Dollar „als Handels- und Reservewährung“ seine Vormachtstellung einbüßen. Der dominierende Einfluß der US-Notenbank „Fed“ auf die globale Weltpolitik wäre dann Geschichte.

Angriff auf US-High-Tech-Dominanz

Doch nicht nur diese Ankündigung muß in Washington Alarm auslösen: Weiter ist durchgesickert, daß China im Rahmen des kommenden Fünf-Jahres-Plans die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von derzeit 1,5 Prozent auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern will (bei einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von rund acht Prozent). Was mit einer derartigen Steigerung bezweckt werden soll, ist unschwer zu erkennen: Die High-Tech-Dominanz der USA soll zugunsten Chinas relativiert werden.

Laxe Geldpolitik der „Fed“

Sollte der chinesische Volkskongreß diese Zielvorgaben in den kommenden Tagen absegnen, woran kein Zweifel bestehen kann, dann ist der Angriff auf den Dollar als Weltleitwährung eröffnet. China hat für diesen Angriff einen günstigen Zeitpunkt gewählt, hat doch der Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen in den letzten Jahren an Wert verloren. Wurden noch 2001 90 Prozent der Währungsgeschäfte in Dollar abgerechnet, waren es 2010 nur noch 85 Prozent, wie das Düsseldorfer Handelsblatt berichtete.

Die Gründe für den Niedergang des Dollars sieht das Handelsblatt in seltener Deutlichkeit vor allem in den USA selbst, insbesondere aber in der Politik des „billigen Geldes“ der US-Notenbank begründet. Diese „laxe Geldpolitik“, die unter „Fed“-Chef Greenspan maßgeblich zur Dotcom- und Immobilienblase geführt und unter seinem Nachfolger Bernanke als Politik der „Quantitativen Lockerung“ weitergeführt wird, hat unter anderem zum Ergebnis, daß die im Umlauf befindlichen Dollarnoten mehr und mehr an Wert verlieren. 

Abhängigkeit der USA steigt weiter

China zieht nun aus der Entwicklung, daß der Dollar „wegen mangelnder Stabilität nicht länger als Weltreservewährung“ tauglich ist (so zum Beispiel der Wirtschafts- und Sozialbericht der Vereinten Nationen), seine Konsequenzen. Dessenungeachtet ist China offensichtlich daran interessiert, die Vereinigten Staaten vor einem Staatsbankrott zu bewahren, was sich auch daran ablesen läßt, daß China in einem gewissen Rahmen bereit ist, die Schulden der USA zu finanzieren. Die FAZ berichtete letzte Woche weiter, daß China in großem Maßstab US-Staatsanleihen auch außerhalb der USA kaufe.

China soll derzeit US-Staatsanleihen in Höhe von 1,16 Billionen Dollar halten. Die Abhängigkeit der USA von China, so betont die FAZ, wachse damit weiter, könnte China mit seinen Staatspapieren doch zum Beispiel Druck auf die einstige „einzige Supermacht“ ausüben, eine maßvolle Haushaltspolitik (sprich: Sparpolitik) zu betreiben. 

Nicht mehr Herr der Finanzen

Was das im Klartext heißt, liegt auf der Hand: Ein „globaler Hegemon“, der nicht mehr Herr seiner Finanzen ist, hat aufgehört zu existieren. Nichts spricht dafür, daß die USA das Steuerrad herumwerfen könnten. Lapidar stellt die FAZ in diesem Zusammenhang folgendes fest: Am 30. Juni 2010 standen die USA mit elf Prozent mehr im Ausland in der Kreide als im Jahr zuvor. Zu diesem Zeitpunkt aber „befand sich die Schuldenkrise in Europa auf einem Höhepunkt, und viele Investoren flüchteten sich in die als sicher wahrgenommenen amerikanischen Staatsanleihen“.

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