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Theorie des kommunikativen Handelns – Teil II

Gewalt in ihrer sozialen Funktion ist die Brechung des individuellen Willens durch einen äußeren Willen. Mit Gewalt wird der einzelne gefügig gemacht und als soziales Wesen geformt. Durch Gewalt wird eine Gesellschaft geordnet und auf Dauer gestellt. Sie mag barbarisch sein, doch ohne sie hätte es den Weg von der Barbarei zur Zivilisation nie gegeben. Und wo Kulturen noch barbarisch sind, da hat sie ihren legitimen Platz.

Gewalt ist in der Tat die ursprüngliche Grundlage von Gesellschaft. Sie durchtränkte alles und herrschte nahezu unangefochten. Nur durch ein einzigartiges Ereignis in der Menschheitsgeschichte wurde sie herausgefordert. Als Jesus Christus den Kreuzestod erlitt und wiederauferstand, hatte er den Menschen durch seine Opfertat eine neue soziale Fähigkeit erkämpft.

Zuvor war der Mensch nur als Teil der Gesellschaft ein soziales Wesen. Was dagegen in seinem individuellen Willen lebte, war eine Abirrung vom gesellschaftlichen Leben, ein Sturz, ein Abfall vom sittlich Guten. Durch die Gnade Christi aber wurde dem einzelnen die Möglichkeit geschenkt, sich auch in diesem bloß individuellen Willen als Abbild Gottes erleben zu dürfen: „Nicht ich, sondern Christus in mir.“

Die Christliche Ethik als Ausgangspunkt

Mit diesem neuen Empfinden – welches es ohne Christi Opfer nie gegeben hätte – konnte der einzelne nun dem Gemeinwesen gegenübertreten und Würde für sich nicht als Teil des Gemeinwesens, sondern für sich als einzelnen einfordern. Und unabhängig davon, welche soziale Stellung er einnahm, seine Würde durfte ihm nicht genommen werden. Dieser Kerngedanke der Christlichen Ethik hatte eine gewaltige Revolution zur Folge.

Denn zuvor war es möglich gewesen, den individuellen Willen ohne irgendwelche Rücksicht zu brechen. Es kam für die Funktion des Gemeinwesens auf diesen ganz einfach nicht an. Jetzt aber, wo dem einzelnen unabhängig von der Gesellschaft Würde zukommt, muß man mit dem individuellen Willen rechnen: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Die Gewalt als soziales Ordnungsprinzip oder gar als Mittel zur Durchsetzung des eigenen Willens ist damit aber diskreditiert worden. Wo sie noch angewendet wird, ist sie ein notwendiges Übel, welches abzusterben habe. Stattdessen fordert die Christliche Ethik eine gewaltfreie Verständigung, spezifische Formen des Umgangs, wie die Äußerungen des eigenen Willens mit denen der anderen in Wechselwirkung gebracht werden können.

Soziale Aufwertung des Gesprächs

Nicht länger die Furcht vor der Gewalt, sondern die Einsicht in das sittlich Gute, bedeutete eine ungeheure Aufwertung des Gesprächs. Denn wenn die Gewalt als Form der Verständigung ausfällt, wie sonst sollte Kommunikation möglich sein? Während draußen das Rittertum seine Schlachten ausfocht, debattierten Mönche in unzähligen Zusammenkünften über die Grundlagen ihres Glaubens.

Noch heute sind diese Wurzeln gut zu sehen. Wenn Habermas vom „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ spricht, so ist das nur die säkulare Umschreibung für das Urvertrauen des mittelalterlichen Scholastikers, daß Gott und die Wahrheit in eins zusammenfallen. Dieser Zusammenhang ließe sich noch an zahlreichen anderen Einzelheiten aufzeigen.

Es ist ein Irrtum zu glauben, erst mit der zeitungslesenden Bourgeoise und ihren Debattierclubs sei so etwas wie ein öffentlicher Diskurs entstanden. Dieser war nur die Frucht eines bereits lange währenden Prozesses. Die christliche Ethik, nicht die Aufklärung, hat das Gespräch erhöht. Deren spezifische Erfindung war wohl eher die Guillotine.

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