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Opportunist zu Guttenberg

Vor einigen Wochen schrieb ich an dieser Stelle, daß Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seine Arbeit besser als gut mache: Als Schutzherr seiner Truppe nehme er sogar heldenhaft negative Presse in Kauf, um den Soldaten im Einsatz die Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verschaffen, die sie verdienen. Denn das hatte er bis dahin ja auch gemacht: Zu Guttenberg erschien mir auch aufgrund seiner zahlreichen Truppenbesuche – zum Teil an vorderster Front – als vorbildlicher Verteidigungsminister. 

Die Hetze so mancher Medien wirkte auf mich wie eine Kampagne aus purem Neid. Vor allem für die übrigen, meist blassen Spitzenpolitiker wurde seine wachsende Popularität zur immer größeren Bedrohung. Typisch, daß ein erfolgreicher Konservativer so fertiggemacht wird, dachte ich. Von „aalglatt“ oder „mediengeil“, wie manche Zeitung ihn beschrieb, wollte ich nichts wissen. Für mich war Guttenberg eher zackig, ein Mann vom alten Schlag.

Der erste, der aus dem brennenden Schiff flüchtete

Bis zum „Gorch Fock“-Skandal. Nun, hat sich meine Meinung über ihn geändert. Von meiner einstigen Hochachtung ist eigentlich nur noch Verachtung für eine rückgratlose Hülle übriggeblieben, die zwar nach außen etwas repräsentiert, aber inhaltlich vollkommen leer ist. Denn als es für Guttenberg richtig heiß wurde, war er der erste, der das brennende Schiff verließ. Das hat nichts mit Führung oder den klassischen militärischen Werten wie Ehre und Treue zu tun. Nein, das ist lediglich opportunistisch.

Offenbar waren ihm seine Medienwirksamkeit und sein Image wichtiger, als seine Verantwortung als Verteidigungsminister. Diese hätte nämlich von ihm verlangt, sich vor den Kommandanten der „Gorch Fock“ zu stellen – zumindest so lange, wie diesem die zur Last gelegten Vergehen nicht eindeutig nachgewiesen sind.

Doch das tat er nicht. So viel Pflichtgefühl hätte ja karrieretechnisch schlecht ausgehen können: Im Zweifelsfall hätte zu Guttenberg nämlich einen Fehler eingestehen und vielleicht sogar zurücktreten müssen.

Der Einfluß der Presse auf die politische Entscheidungsfindung

Nein, wer ganz nach oben will, darf nicht zu sehr anecken, sondern muß stets ausreichend Rücksicht auf die veröffentlichte Meinung der Presse nehmen. Wer an der Macht bleiben möchte, muß sich der Macht der vierten Gewalt beugen. Und genau das tut zu Guttenberg: Als der Druck auf die Bundeswehr immer größer wurde, handelte er, wie die Boulevardpresse es von ihm verlangte: der allgemeinen (künstlichen) Empörung nachzugeben. Den Skandal zuerst intern zu klären und die eigenen Leute zu schützen erschien dem Verteidigungsminister anscheinend als zu unbequem.

Ein krasseres Beispiel für den Einfluß der Presse auf die politische Entscheidungsfindung habe ich selten erlebt: Zu Guttenberg nahm laut der FAZ in seinem Dienstwagen einen Reporter der Bild am Sonntag mit, um mit diesem in Ruhe über die Geschehnisse zu plaudern. Während sie dann mit „knapp 200 Kilometern pro Stunde durch die Freitagnacht“ schießen, „platzt Guttenberg der Kragen“: So soll der Verteidigungsminister den Kommandanten der „Gorch Fock“, Norbert Schatz, noch während dieser Autofahrt abberufen haben.

Der wahre Skandal sind daher gar nicht die Geschehnisse an Bord des Segelschulschiffs, sondern der Opportunismus des Bundesverteidigungsministers sowie der Einfluß der Medien auf dessen Entscheidungen.

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