Buchmesse 2011, die Zweite

„Saturierte Großköpfe süffeln Latte macchiato, wahlweise Rotwein, und feiern sich selbst.“ Auch richtig, aber die anstehende Frankfurter Buchmesse kann auch noch mehr bieten.

Kulturelles Kuriositätenkabinett

Abseits der vielfach eher befremdlichen „Cosplayer“ und gelegentlichem sozialen Protest gibt es dort allerlei zu entdecken. Bei meinem ersten Besuch dort, im Jahre 2009 und gemeinsam mit einigen Kollegen der Blauen Narzisse, waren das vor allem die neckischen „Urchristen“, die mit ihren Forderungen nach gottgefälligem Vegetarismus und ebenso heilbringendem Kirchenaustritt für allerlei Schmunzeln bei den vorbeiflanierenden Bücherwürmern sorgten.

Auch der freundliche Empfang mit direkter Einladung zu einer kleinen Stärkung am Stand des Ares-Verlags trug zu einer familiären Atmosphäre bei. Ansonsten ist mir von damals besonders erinnerlich, wie angenehm persönlich der Kontakt zu den Händlern des – wenn man es so nennen will – „antiquarischen Flohmarkts“ vor dem Haupteingang des Messegeländes war. Diesen einen Punkt muß ich der Leipziger Buchmesse dann auch gegenüber ihrem Frankfurter Pendant zugutehalten: In Leipzig ist die antiquarische Abteilung, wo man im Gegensatz zum Rest auch etwas kaufen kann, immerhin in die Messe eingebunden. In Frankfurt hingegen stößt man auf so manchen Schatz direkt an der Straße, während Verschwörungstheoretiker mit ihren Handzetteln um einen herumstrolchen.

Dabeisein ist alles

Ein Jahr später und mit einem Presseausweis bewaffnet bot sich mir dann die Gelegenheit, noch deutlich mehr Entdeckungen zu machen. Mein persönlicher Höhepunkt war es zwar, einige Sätze mit Bret Easton Ellis wechseln und mir mein Exemplar von American Psycho signieren lassen zu können, doch auch „fachlich“ war die Frankfurter Buchmesse 2010 gut aufgestellt.

Abgesehen von zahlreichen amüsanten Erlebnissen während meines Dienstes am Stand der Jungen Freiheit – vom 15jährigen Mädchen, das ganz begeistert von den „herzigen“ JF-Tassen war, bis hin zum älteren Ehepaar, das sich interessehalber den Unterschied zwischen Junge Freiheit und junge Welt erklären lassen wollte – erinnere ich mich besonders gern an die herzliche Begegnung mit dem Fallschirmjäger Robert Eckhold, der dort sein wichtiges Buch vorstellte.

Verspannte Volksvertreter und filmendes Fußvolk

Sicher zeitigte die laut Lorenz Jäger angeblich ach so bequeme „schöne Zeit unter Rechten“ auch ihre eher seltsamen Auswüchse. Nicht nur stromerte Roger Willemsen, von einer vierköpfigen Entourage umgeben, an einem Tag gefühlte sechs Male am Stand vorbei, um seinen mißbilligenden Gesichtsausdruck zur Schau zu stellen. Auch wurde die JF-Verteilaktion, die wir jüngeren Leute zwischenzeitlich veranstalteten, teilweise nicht unbedingt positiv aufgenommen: Herr Schäfer-Gümbel, MdL, starrte uns auf dem Weg zur Rolltreppe verdrießlich an und murrte unverständliches in sich hinein.

Ein ganz besonders engagierter Zeitgenosse fuhr nach einem ersten wütenden Blick gar mit der Rolltreppe einmal nach unten und direkt wieder herauf, um uns rasch noch mit seinem Mobiltelefon zu filmen. Meine Frage „Jetzt haben Sie was, worauf Sie heute Abend beim Wein vor dem Fernseher richtig stolz sein können, hm?“ blieb zwar unbeantwortet, doch sorgte dieser Retter der FDGO bei uns allen für die nötige Heiterkeit, um einen ganzen Tag auf der Buchmesse durchhalten zu können.

Nicht immer schön, aber wenigstens teuer

Man darf es nicht beschönigen: Es ist laut, eng – und die Verköstigung ist zumeist unverschämt teuer. Dafür kann man aber auch mal einem Egon Bahr zuwinken, während er sich am Stand des Neuen Deutschlands interviewen läßt. Das hat mir zumindest mehr Spaß gemacht, als dem Geseier Roland Kochs über sein damals gerade erschienenes Buch „Konservativ“ zu lauschen. Kostprobe gefällig? „Nein, ich denke nicht, daß Konservative eine eigene Partei haben sollten. Die muß es nämlich in jeder Partei geben.“ Von diesen Worten noch einigermaßen grummelig, hieß es dann, einen Becher „tazpresso“ abzugreifen und den geordneten Rückzug zur Jungen Freiheit anzutreten.

Man darf gespannt sein, was die diesjährige Messe bereithalten wird. Notfalls muß man sich, bei allzugroßer Langeweile, sein Amüsement eben selbst schaffen. Anbieten würde sich beispielsweise die Nachfrage bei einer der beiden beteiligten Stellen, weswegen Duden neuerdings journalistischen Nachwuchs an die taz vermittelt. Ansonsten bieten einschlägige Aussteller wie Ares, Karolinger, Duncker & Humblot oder eben die JF gewiß wieder hochkarätiges; zumindest für letztere wurden Programm und Standort ja bereits abgedruckt. Und besonders Bibliophile bleiben eben beim „antiquarischen Flohmarkt“ – da muß man weder Eintritt bezahlen, noch die „literarische Schickeria“ ertragen.

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