Sind wir „Nazis“?

„Sind wir Nazis?“ Diese Frage beschäftigt derzeit einige führende Sprachschützer. Anlaß ist ein Auftritt von Andrea Röpke am 11. August im MDR-Fernsehen. Die Moderatorin der Sendung „Hier ab vier“ hatte der als „Expertin auf dem Gebiet des Rechtsextremismus“ vorgestellten Frau Röpke die folgende Frage gestellt: „Es ist für Außenstehende ja schwierig zu erkennen, ob jemand rechtsextremistisch gesinnt ist oder nicht. Können Sie uns Ratschläge geben, worauf man achten sollte?“

Eindeutschungen als Zeichen rechtsextremer Gesinnung

Röpke antwortete: „Also, am äußerlichen Erscheinungsbild wird es immer schwieriger, sie zu erkennen … Man muß sich wirklich an Inhalten orientieren. … Wenn wirklich menschenverachtende Politik vorangetrieben wird, und vor allem so kleine Dinge wie Eindeutschungen, wenn das Internet auf einmal zum Weltnetz wird, Homepages Heimatseiten heißen, dann sind das Anzeichen dafür, daß man sich wirklich Hilfe holen sollte, denke ich.“

Kurz zuvor hatte Röpke auf die Frage, was man tun soll, wenn ein Lehrer „rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet“, gemeint: „Oder es werden Anglizismen vermieden, Kinder sollen alles eindeutschen, dann sollte man sich sofort Hilfe holen. Es gibt da genügend Stellen, auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt, eigentlich in allen Bundesländern.“

Muß jetzt ein Deutschlehrer, der im Unterricht über die Anglisierung der deutschen Sprache spricht, damit rechnen, als Rechtsextremist verleumdet zu werden? Röpke droht unverhohlen mit der geballten Macht von Hilfsorganisationen „gegen Rechts“.

Sollen Sprachschützer den Widerspruch wagen?

Die Aussagen Andrea Röpkes sind jedenfalls nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Einfluß der freien Journalistin ist groß. Erst am vergangenen Dienstag wurde eine Kindergärtnerin beurlaubt, die von Röpke in der taz des Rechtsextremismus beschuldigt worden war. So schrecken manche Sprachschützer davor zurück, Röpke zu widersprechen, um nicht selbst von ihr aufs Korn genommen zu werden.

Läßt man ihre Äußerungen jedoch im Raume stehen und sich weiter verbreiten, besteht zum einen die Gefahr, daß wankelmütige Zeitgenossen dazu ermuntert werden, möglichst viele Anglizismen zu benutzen, um nicht etwa als rechtsextrem zu gelten. Die jahrelangen Bemühungen der Sprachschützer um gutes Deutsch werden auf diese Weise auf unheilvolle Weise unterlaufen.

Zum anderen müssen Sprachschützer das Wagnis eingehen, selbst in die Schußlinie der Nazijäger zu geraten, gar ihre Existenz aufs Spiel zu setzen, nur weil sie sich für ein fremdwortarmes, verständliches Deutsch einsetzen. Denn ihnen fehlt die öffentliche Anerkennung einer Andrea Röpke.

Die „Expertin für Rechtsextremismus“ ist unangreifbar

Röpke steht nämlich unter einem Schutzschirm. Obwohl sie vom äußersten linken Rand kommt und zeitweise offenbar der linksextremen und verfassungsfeindlichen VVN-BdA angehörte, ist sie nun in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie findet nicht nur eine Plattform im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch in der „Bundeszentrale für politische Bildung“, im Nachrichtenmagazin Der Spiegel und in der Süddeutschen Zeitung.

Außerdem hat sich Röpke durch zahlreiche Auszeichnungen nahezu unangreifbar gemacht. Im vergangenen Jahr erhielt sie unter anderem den Preis „Für das unerschrockene Wort“, verliehen vom Bund der Lutherstädte und dotiert mit 10.000 Euro aus Steuergeldern. In der Begründung heißt es: „Andrea Röpke hat … die subtilen Methoden der Rechtsextremen zur Infiltration in breite gesellschaftliche Strukturen aufgedeckt.“ Zu diesen „subtilen Methoden“ zählt Röpke, wie wir gesehen haben, auch die Vermeidung von Anglizismen.

Gefälligkeit für das amerikanische Außenministerium?

Hat Röpkes Vorliebe für die Anglisierung unserer Sprache vielleicht etwas mit ihrer engen Beziehung zum Außenministerium der Vereinigten Staaten zu tun? Für ihre Endrundenteilnahme am „Secretary of State’s Award for International Women of Courage“ –  das ist „die einzige Auszeichnung innerhalb des US-Außenministeriums, die zu Ehren herausragender internationaler weiblicher Führungskräfte vergeben wird“ – erhielt Röpke eine Auszeichnung von der amerikanischen Botschaft in Deutschland.

Für die Sprachpolitik der Amerikaner ist es gewiß von Vorteil, wenn mit Hilfe der Anglisierung der deutschen Sprache schleichend auf die Etablierung von Englisch als Leitsprache in Deutschland hingewirkt wird. Zeigt sich Röpke etwa auf diese Weise für ihre Auszeichnung erkenntlich?

„Den Nazijägern gehen die Nazis aus.“ Dieser Befund von Michael Paulwitz läßt nichts Gutes für die Zukunft erwarten. Es könnte sein, daß die Antifa-Industrie bald neue „Nazis“ braucht. Derzeit ist also die Frage „Sind wir Nazis?“ so zu beantworten: Noch sind wir keine „Nazis“ im Sinne von Aussätzigen oder Sündenböcken, an denen sich vermeintlich mutige Journalisten abarbeiten können.

Wenn allerdings krampfhaft „Nazis“ aufgespürt werden müssen, um die Daseinsberechtigung der Gesinnungspolizisten zu untermauern, dann werden auf die Sprachschützer harte Zeiten zukommen. Röpke hat die Lunte bereits gelegt.

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