Nicht nur eine Frage des Stils

Jugendliche verbringen heute laut Statistik  täglich mehr als zwei Stunden im Internet. Immer mehr junge Menschen sind sogar schon internetsüchtig. Tatsächlich hat das Internet mehr noch als das Fernsehen unsere Lebensgewohnheiten verändert.

In seiner treffenden Analyse „Wir amüsieren uns zu Tode“ (1985) schrieb der amerikanische Kulturkritiker Neil Postman: „Kultur ist zwar ein Produkt der Sprache; aber von jedem Kommunikationsmedium wird sie neu geschaffen.“ Postman fürchtete eine Überflutung durch Informationen, die den Menschen in Passivität und Selbstbespiegelung flüchten läßt. Was Postman in den achtziger Jahren wissenschaftlich dargelegt hat und schon weit vor ihm Aldous Huxley in „Schöne neue Welt“ (1932) in Romanform beschrieben hat, ist längst Wirklichkeit geworden und hat im Zeitalter des Internet eine neue Stufe erreicht.

Kulturgut des Briefeschreibens

Natürlich darf dieses Medium nicht verteufelt werden und – wie man sieht – benutze ich es ja selbst. Die Möglichkeiten, sich Informationen zu verschaffen und Kontakte zu pflegen, haben durch dieses neue Medium deutlich zugenommen. Aber ich würde es sehr bedauern, wenn andere Formen der Kommunikation verlorengingen.

Mein erstes Argument hierfür ist rein sprachlicher Art: Es hat sich im Internet, beim Schreiben von e-Mails oder SMS ein eigener Sprachstil entwickelt, den man nur als Verstümmelung der einstmaligen „Sprache der Dichter und Denker“ bezeichnen kann. Ist das Kulturgut des Briefeschreibens für künftige Generationen völlig verloren gegangen?

Gerade der Briefstil war auch für den christlichen Glauben sehr prägend. Von den 27 Büchern des Neuen Testaments sind 21 Briefe. Was wäre passiert, wenn Paulus oder die anderen Apostel nur Kontakte per e-Mail gepflegt hätten? Für triviale und vergängliche Nachrichten ist dies eben ein adäquates Mittel; was aber bleibenden Wert hat, braucht auch eine bleibende Form und einen ansprechenden Ausdruck. „Das Medium ist die Metapher“ – wie es Neil Postman ausdrückte. Das ist mein zweites Argument, das eben auch ein religiöses ist.

Faszination der Technik

Steht nicht die entpersönlichte Form der Kommunikation auch in krassem Gegensatz zum Glauben an jenen Gott, der Mensch geworden ist, der uns von Angesicht zu Angesicht gegenübergetreten ist? Erst zu Jahresbeginn hat das Debakel um die nicht funktionierenden Bankkarten bei der Sparkasse die Öffentlichkeit auf die Gefahren einer vollautomatisierten und daher entpersönlichten Kommunikation hingewiesen.

Die Kommunikationsmittel sind heute vielfältiger denn je, und gerade der junge Mensch erliegt leicht der Faszination der Technik und der Verlockung des vermeintlich leichteren und bequemeren Weges. Der Papst empfiehlt für jeden Monat zwei Gebetsanliegen. Ein Gebetsanliegen für den Januar 2010 lautet: „Wir beten für die jungen Menschen: Die heutigen Kommunikationsmittel mögen ihre persönliche Entwicklung und ihren Dienst an der Gesellschaft unterstützen.“

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