Maritimes Kauderwelsch

Diese Woche haben Binnenschiffer die EU-Kommission dazu aufgefordert, beim Ausbau der europäischen Wasserwege die Binnenschiffahrt stärker zu berücksichtigen. Mindestens 20 Prozent des Budgets sollten für Maßnahmen zur Verbesserung der inländischen Wasserwege aufgewendet werden. Denn immerhin soll die Güterbeförderung per Schiff die umweltfreundlichste Art des Gütertransports sein, bis zu 200 Lastkraftwagen sollen von einem Binnenschiff ersetzt werden können.

Der Verkehr auf der Straße, insbesondere der Güterverkehr, erhöht sich; das Binnenschiff als Alternative zum Lastwagen könnte dadurch immer interessanter werden. Investitionen in Wasserwege seien im Vergleich zu anderen Transportwegen zudem relativ gering und würden sich schon bald wirtschaftlich lohnen.

Mit der Binnenschiffahrt ging es vergangenes Jahr wirtschaftlich bergab; waren es im Jahr 2008 noch 248 Millionen Tonnen Güter, wurden im vergangenen Jahr nur noch 205 Millionen Tonnen Güter transportiert. Zudem plagen die Binnenschiffer das Problem, Nachwuchs zu finden.

Bootsausflug zum Fachjargon-Abenteuer

Kaum ein Jugendlicher zieht in Erwägung, zunächst Leichtmatrose, danach Bootsmann und später selber Kapitän eines eigenen Schiffes zu werden. Das ist auch deswegen bemerkenswert, da der Wassersport dagegen immer mehr Freunde findet; 240.200 Wassersportbegeisterte aus mehr als 60 Ländern besuchten dieses Jahr die weltgrößte Yacht- und Wassersport-Messe „boot“ in Düsseldorf.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die maritime Fachsprache. Der Verfasser dieser Zeilen durfte in diese ihm fremde Sprache hineinschnuppern, als er den Bootsführerschein erwarb. So wird ein Bootsausflug zu einem Fachjargon-Abenteuer:

Der Skipper läßt sein Sportboot (mit Multiknickspant und V-Getriebe) vom Trailer in das Fahrwasser slippen. Dann geht die Fahrt los, nachdem ein Schiffsführer bestimmt wurde und die Rudergänger den Palstek von der Klampe und den Webeleinstek vom Pfahl gelöst haben.

Genug vom Seemannsgarn

In der Fahrrinne angekommen und die erste Buhne und eine Ankerkette mit gelbem Döpper ohne Schramme überstanden, überholen wir unter Vermeidung von Sog und Wellenschlag erst einen Schub- und dann einen Schleppverband. Bei der Bergfahrt bei unsichtigem Wetter achten wir besonders auf rote Stumpftonnen in Ufernähe. In der nächsten Schleuse stehen wir an Steuerbord und der Schleusenwärter sagt uns, daß wir auf die Drempelmarkierung achten sollen.

Wir fieren die Leinen vorsichtig, haben die Fender draußen, die Leinen klar und halten die Bootshaken bereit. Da Cumulonimbus am Himmel sind und ein Böenkragen sich nähert fahren wir mit unserem Halbgleiter an einer Boje vorbei in eine Nebenwasserstraße und der Wind bläst und von der Luvseite ins Gesicht. Doch nun genug von diesem Seemannsgarn, denn immerhin bin ich eine Landratte. 

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