Linksnationale Arroganz

Da sag noch mal einer unsere Politiker würden sich nicht für das nationale Selbstbewußtsein Deutschlands einsetzen! Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), obwohl auch zum linken Flügel der CDU gehörend, hat es in der vergangenen Woche an Selbigem beileibe nicht missen lassen. Allerdings aus anderen Gründen, als sich das die meisten Patrioten wünschen würden.

Die „Gefahr“ einer „rechtspopulistischen“ Partei sieht er in der vergangenen Woche im Interview mit der Zeit in Deutschland als „nicht so groß“ an, denn: „Die Niederlande wie Großbritannien und Frankreich sind doch immer noch von ihrer kolonialistischen Vergangenheit geprägt. Das führt dazu, daß eine bestimmte Form von überkommenen Ober- und Unterordnungsverhältnis in der Gesellschaft verankert ist. Das hat es bei uns so nie gegeben. Und wir hatten die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Deswegen glaube ich, daß wir schon manche Lektionen gelernt haben.“

All die Sprüche wie „Wehret den Anfängen“ oder „Gerade wir als Deutsche“ also selbst aus politisch korrekter Sicht unsinnig und nirgendwo unpassender als in Deutschland, da doch „gerade wir als Deutsche“ gegen „Rechtspopulismus“ geimpft sind? Die Zeit reagiert verwundert: „Wir hätten nie gedacht, jemals einem deutschen Minister gegenüberzusitzen, der uns sagt, Deutschland sei wegen seiner Geschichte besser als andere gegen rechtspopulistische Ausfälle gefeit.“

Typisch deutsche Oberlehrer-Manier

In der Tat erscheinen die Äußerungen von de Maizière als Paradoxon, doch nur auf den ersten Blick. Die deutsche Fixierung auf Rechtsextremismus und auf den Nationalsozialismus und Auschwitz war nämlich von Anfang an nur ein umgekehrter Schuldstolz, der nicht selten in nationaler Arroganz, ja bis hin zu nationalem Chauvinismus mit umgekehrtem Vorzeichen entartete. Dieser Schuldstolz will die Welt in typisch deutscher Oberlehrer-Manier über seine Wertvorstellungen als die einzig richtigen belehren, nur daß diese diesmal links und antifaschistisch sind. Genau dies macht Lothar de Maizière hier.

Es ist doch erstaunlich: Da rüffelt ein deutscher Minister mal ganz nebenbei andere Völker wegen ihrer nach Ansicht von de Maizière verrotteter und unzivilisierter Werte („überkommenes Ober- und Unterordnungsverhältnis“), die er historisch begründet sieht. Die benannten Völker haben sich also offenbar immer noch das barbarische Kolonialismus-Gen erhalten. Sonst wurde immer behauptet, in den Deutschen stecke der Nazi immer noch drin!

Plötzlich aber darf sich auch über andere Länder ähnlich geäußert werden, wenn deren Parteienlandschaft deutschen Oberlehrer-Gutmenschen nicht paßt. Obendrein hat es die Prägung durch kolonialistische Vergangenheit „bei uns so nie gegeben“, weshalb er Deutschland heute als Saubermann Europas ansieht. Und vor Allem: selbst der Nationalsozialismus ändert nichts daran. Ganz im Gegenteil, dieser erhöht sogar noch die schier unerreichbare deutsche Kompetenz im „Kampf gegen Rechts“ und verweist andere Länder auf diesem Feld ins Mittelmaß.

Am deutschen „Kampf gegen Rechts“ soll wohl die Welt genesen

Übertrieben? De Maizière ist jedenfalls kein Einzelfall. Besonders wenn andere Länder nicht so abstimmen, wie von linken deutschen Volkspädagogen gewollt, reißen so manche Gutmenschen ihre Maske herunter. Etwa nach dem Einzug des Islamkritikers Geert Wilders ins niederländische Parlament oder nach dem Schweizer Volksentscheid für ein Minarett-Verbot hagelte es von deutschen Journalisten Holländer- und Schweizerbeschimpfungen, bei denen der Begriff „Ausländerfeindlichkeit” tatsächlich einmal angebracht war. Am deutschen „Kampf gegen Rechts“ soll wohl die Welt genesen.

Abschließend wieder ein Walter-Kempowski-Zitat vor 20 Jahren:

„Nartum / Mitwoch, 19.Setember 1990
Der Bürgerbeweger Matthias Büchner, der in der DDR kein Abitur machen durfte und sogar eine Lehrer als Baufacharbeiter abbrechen mußte (Berufsverbot!), sagt, daß die Stasi Dossiers auch über Millionen von Bundesbürgern angelegt hat. Die Daten wurden zusammengetragen von Kundschaftern, aus abgehörten Telefonaten, verwanzten Hotels. Mit diesem Wissen sind dann westliche Wirtschaftsführer und Politiker konfrontiert worden und  zur Zusammenarbeit genötigt…“

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