Bist du ein Rechter?

Wer die Darstellung einer Kreuzigungsszene betrachtet, sieht hierbei in der Regel die Version des Evangelisten Lukas. Während bei Matthäus beide Schächer, die mit Jesus gekreuzigt werden, diesen verspotten, zeigt im Lukas-Evangelium einer der beiden Reue und Umkehr. In seinen letzten Lebensminuten wendet er sich Jesus zu und erhält von diesem die Zusage: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)

Dieser reuige Schächer, der also von Jesus selbst heilig gesprochen wurde und dem die Tradition den Namen Dismas verliehen hat, ist immer vom Betrachter aus links, also von Jesus aus auf der rechten Seite abgebildet.

Ähnliches läßt sich bei Darstellungen des Jüngsten Gerichts beobachten. Vom Betrachter aus rechts, das heißt zur Linken des wiederkommenden Christus, stürzen die reuelosen Sünder zur Hölle hinab, während zur Rechten des Herrn die Erlösten ins Reich Gottes eingehen.

In der Bibel ist „rechts“ immer positiv besetzt

Dies hat seinen Grund in den Worten Jesu selbst. Bei der Ankündigung des Weltgerichts (Mt 25, 31-46) gebraucht er das Bild der Scheidung von Schafen und Böcken. Denen auf der linken Seite sagt der Weltenrichter: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.“ Jenen auf der rechten Seite hingegen gilt die Verheißung: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“

Im Sprachgebrauch der Bibel ist „rechts“, das sich etymologisch von „richtig“ ableitet, immer positiv besetzt. Die christliche Malerei hat diese Zuordnung übernommen, wovon man sich auf zahlreichen Meisterwerken überzeugen kann. Erst die allerjüngste Geschichte hat das Wort „rechts“ in Verruf gebracht.

Am Ende des Kirchenjahres hören wir auch im Gottesdienst vermehrt jene Texte, die vom Weltende und vom Gericht sprechen. Entscheidend ist es, auf welcher Seite wir dann stehen werden. Jesus fragt uns also: Bist du ein Rechter? Hast du den rechten Glauben? Zeigt dieser sich in einem rechten Leben, also einem Leben nach Gottes Geboten?

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