Ohne Hölle kein Paradies

Ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent ist natürlich nicht die Welt, aber es ist mehr als nichts. Und besser als Rezession allemal. Die deutsche Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Komisch: Die „größte Wirtschaftskrise seit den 20er Jahren“ hat sich als normaler Rückgang entpuppt. Ein bedauerlicher, aber nach all den Spekulationsblasen der letzten Jahre wohl notwendiger Einbruch. Es wird nicht der letzte Einbruch gewesen sein. Aber danach geht es wieder aufwärts.

Das Gerede vom Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems hat sich als zweckpessimistische Propaganda von Gegnern der Marktwirtschaft herausgestellt, die im Gefolge von massiven Fehlspekulationen einmal mehr die Herrschaft über die ihnen verhaßte Finanzwirtschaft herstellen wollten.

Langfristige Schäden nach der Krise

Die Krise ist so gut wie vorbei, aber ausgestanden ist das Ganze dadurch noch nicht. Jetzt kommen die langfristigen Schäden auf uns zu, die das falsche Handeln der Politiker verursacht hat und noch verursacht:

1. Die Abwrackprämie läuft in wenigen Tagen aus, weil der Topf leer ist. Zufälligerweise geschieht dies zeitgleich mit einer Bundestagswahl. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mein Autohändler sagte zu mir, er habe gute Geschäfte gemacht, aber jetzt fürchte er das nächste Jahr. Denn dann bleiben die Händler auf ihren Wagen sitzen. 2011, 2012, 2013 – wer weiß, wann sich der Markt wieder normal eingependelt hat und wie viele Händler bis dahin pleite gehen.

2. Im Einzelhandel gab es den schwächsten Umsatz seit sieben Jahren! Die Gründe liegen auf der Hand: Da sich jeder Euro nur einmal ausgeben läßt – ein Prinzip, das Politiker leider nicht verstehen wollen –, sparen die Bürger an anderer Stelle. Auch die Karstadt/Hertie-Pleite erfolgt zeitgleich mit dem Ende der Abwrackprämie – was für ein böser Zufall!

3. Neben der Kurzarbeit, bei der mächtig betrogen wird, wie es heißt, war die Rentengarantie der Wahlkampfschlager der Großen Koalition. Sie wird kommende Generationen noch für Jahre belasten und den Zusammenbruch des bestehenden Umlageverfahrens noch beschleunigen.

4. Am schlimmsten aber ist der psychologische Schaden, den Parlament und Regierung angerichtet haben, indem sie die Banker aus ihrer Pflicht zum sorgsamen Umgang mit ihren Firmen entließen. Der Rettungsschirm für die Banken wird bei gerissenen Unternehmern die Gewißheit verstärken: Bin ich einmal „too big to fail“, dann hauen mich Merkel und Steinbrück schon raus, wenn es schief geht. Das ist schlecht, denn die Pleite gehört zum Kapitalismus wie die Hölle zum Christentum. Richtig solide Unternehmer haften für ihr Handeln. Fragen Sie mal Adolf Merckle.

Hasardeure verdrängen solide Unternehmer

Moderne Hasardeure brauchen das nicht. Sie haben das Finanzmarktstabilisierungs-gesetz. Dadurch wird sich langfristig am Markt der Hasardeur durchsetzen und den soliden Unternehmer verdrängen, weil jener in guten Zeiten mehr verdient und in schlechten Zeiten die Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen kann.

Wir können also festhalten: Es gibt viele Möglichkeiten, wie der Staat in den Wirtschaftszyklus, der immer aus Auf und Ab besteht, eingreifen kann. In Deutschland hat der Staat so ziemlich alles getan, was in seiner Macht lag, um die Krise zu verlängern.

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