Joachim Kuhs

 

Halloween – die Geister kommen zurück

Schon seit einigen Tagen zieren ausgehöhlte Kürbisse viele Häuser. Plakate mit Geistergesichtern laden ein zur Halloween-Party. Mittlerweile kennt schon jedes Kindergarten-Kind dieses erst vor wenigen Jahren aus Amerika importierte Fest. So ziehen schon die Kleinsten von Haus zu Haus mit der Forderung „trick or tread“ („Süßes oder Schabernack“).

Während der Name „Halloween“ sich ableitet von „All Hallows Eve“ (der Abend vor Allerheiligen), geht der Inhalt dieses heidnischen Festes auf keltisches Brauchtum zurück, nach dem man zur Abschreckung der bösen Geister, die in der dunklen Jahreszeit zurückkehren, sich selbst verkleidete.

Im Hintergrund steht hierbei die irische Legende von Jack-O´Lantern: Der heillose Trinker Jack konnte den Teufel überlisten, daß er ihn nicht in die Hölle schickt. Da aber Jack wegen seiner Trunksucht auch nicht in den Himmel eingelassen wurde, muß er seither auf Erden umherwandern. Ein Stück glühender Kohle in einer ausgehöhlten Rübe oder einem Kürbis dient ihm dabei als Wegleuchte.

Aus den christlichen Festen werden heidnische

Wieso konnte ein solches Fest sich bei uns etablieren? Und warum gerade jetzt? Als erstes muß sicherlich der Kommerz als Grund genannt werden. Weil zwischen Ostern und Weihnachten ein solch langer Abstand ist und weil auch der Fasching schon so lang zurückliegt, braucht man unbedingt noch ein Verkleidungsfest im Herbst.

Aber es gibt noch einen tieferen Grund. Die Christianisierung Europas erfolgte, indem man heidnische Feste „taufte“, das heißt, sie durch christliche Feste ersetzte. Die Entchristlichung erfolgt in umgekehrter Richtung: Aus den christlichen Festen werden heidnische. An Weihnachten kommt der alte Mann mit der roten Zipfelmütze und an Ostern feiert man ein Frühlingsfest mit hoppelnden Hasen und bunten Eiern. Wie Umfragen belegen, ist großen Teilen der jüngeren Generationen selbst der Inhalt dieser größten christlichen Feste nicht mehr bewußt.

Konsum- und Spaßgesellschaft verdrängen das Christentum

Noch schwieriger wird es dann an Allerheiligen und Allerseelen oder am evangelischen Totensonntag. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Tod findet in der Spaßgesellschaft nicht statt. Noch weniger traut man sich, vom Himmel, von der Hölle oder vom Fegefeuer zu sprechen. Also bleibt nur noch die Möglichkeit, diese Thematik in der Form des Klamauks aufzugreifen.

Dadurch wird aber auch offensichtlich: Die Konsum- und Spaßgesellschaft, die heute dabei ist, das Christentum zu verdrängen, hat auf die entscheidenden Fragen des menschlichen Lebens keine Antworten parat; sie kann nur davon ablenken, sich diesen Fragen zu stellen.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles