Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Diskriminierende Namen

Das Geschlecht und sogar das Aussehen eines Kindes haben bekanntermaßen Auswirkungen auf dessen Benotung in der Schule. Neu ist jedoch, daß auch der Name des Kindes die Schulkarriere und dadurch den späteren Lebensweg nicht unwesentlich beeinflussen soll. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie der Universität Oldenburg. Danach kommen Namen von Filmstars in der Regel eher schlechter an – genauso wie solche, die gewollt englischsprachig klingen.

Für die Studie wurden zweitausend Lehrer befragt, welche Vornahmen sie bevorzugen, welche sie eher ablehnen und was sie mit den jeweiligen Namen assoziieren. Das Ergebnis: Lehrer beurteilen ein Kind oft schon aufgrund seines bloßen  Namens. Sie glauben, daß Kinder mit bestimmten Namen eher der Unterschicht entstammen, verhaltensauffälliger und weniger leistungsstark sind.

„Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“

Der Studie nach trauen Grundschullehrer kleinen Angelinas, Chantals und Mandys weniger zu als einer Hannah, Sophie und Charlotte. Jungen mit  Namen wie Justin, Dennis oder Marvin seien ihrer Meinung nach schlechter in der Schule als solche, die Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob heißen. Doch der schlimmste von allen Namen soll Kevin sein. Eine befragte Lehrerin kommentierte sogar: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“

Andere Untersuchungen haben gezeigt, daß Lehrer häufiger Fehler in Diktaten von Schülern übersehen, die sie für leistungsstark halten. Wesentlich genauer wird dagegen bei Kindern hingeschaut, die als schwach eingeschätzt werden. Wird diese Erkenntnis nun mit den Ergebnissen der Vornamenstudie zusammengenommen, sieht es für die Kevins hierzulande eher düster aus.

Nicht weil sie so heißen, sondern weil sie wirklich schlechter sind

Nun mag das ja alles plausibel klingen. Allerdings ist die Schlußfolgerung der Studie falsch: Denn Kevins werden sicherlich nicht nur deshalb überdurchschnittlich häufig negativ beurteilt, weil sie so heißen, sondern weil sie höchst wahrscheinlich auch wirklich schlechter sind.

Obwohl die Studie beweisen will, daß es nun auch noch so etwas wie Namensdiskriminierung geben soll, liegen die wirklichen Gründe für das Schulversagen mancher Kinder natürlich nicht in der Namensgebung, sondern an den Werten, die im Elternhaus vermittelt werden – und an der tatsächlichen Intelligenz der Kinder.

Denn wer die biologischen Vorraussetzungen nicht hat und vom Elternhaus zudem nicht gefördert wird, aus dem wird auch nur selten ein Genie. Da helfen Ratschläge, wie die von den Herausgebern der Studie herzlich wenig: Sie empfehlen bei der Namensgebung darauf zu achten, wie die Kinder von Lehrern, Ärzten oder Pastoren heißen, damit die eigenen Kinder im Leben bessere Chancen hätten.

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