Deutschlehrer gegen Deutsch

Die deutsche Sprache ist weniger durch Anglizismen als durch Deutschlehrer gefährdet. Diesen Eindruck hat der Präsident der am Sonnabend endenden Internationalen Deutschlehrertagung weiter vertieft. Professor Hans Barkowski hatte zu Beginn der Tagung, die erstmals seit 16 Jahren wieder in Deutschland stattfindet, und an der rund 3.000 Deutschlehrer aus aller Welt teilnehmen, ein Loblied auf die englische Sprache gesungen.

Englisch belebe die deutsche Sprache, so der Jenaer Sprachwissenschaftler: „Deutsch hat durch englische Wörter an Ausdrucksfähigkeit gewonnen.“ Dabei bevorzugt Barkowski das Fremdwort, deutsche Ausdrücke seien hingegen schädlich: „Überlegen sie sich doch einmal ein deutsches Wort für Computer. Das ist Unsinn. Das würde die Sprache nicht erweitern, sondern verhunzen.“ Der deutsche Wortschatz sei heute so groß wie noch nie. Es sei falsch, Ängste vor der Überfremdung des Deutschen zu schüren. Im übrigen meint Barkowski: „Nicht das Deutsche wird gedenglischt, sondern das Englische eingedeutscht.“

Das Sündenregister der Deutschlehrer

Wie sehr das Englische die deutsche Sprache „belebt“, kann man zum Beispiel an jenem jungen deutschen Pokerspieler namens Florian beobachten, der im Deutschen Sportfernsehen (DSF) den Zuschauern radebrechend seine Spielstrategie zu erklären versuchte: „Das war erst mal, glaub’ ich, die beste Hand, die ich überhaupt hatte in den, von allen Händen, und dann auch noch Hetzaps natürlich, eigentlich Nohbräjn oll in, aber ich hab’ sie rieräjst, sie hat vorher nur komplietid, sie hat vorher manchmal so Slohpläjs gemacht, daß sie sehr starke Hände nur komplietid, weil ich sehr aggressiv gespielt hab’, wenn ich das räjse, kann sie rieräjsen.“ Und so weiter. Das ganze Elend kann man in einem Film auf der Facebook-Seite der Deutschen Sprachwelt bestaunen.

Barkowski, der auch Vorsitzender des Sprachbeirats des Goethe-Instituts ist, gibt einen Hinweis darauf, warum die Sprachpflege an den Schulen vielerorts auf den Hund gekommen ist. Er trägt sich in ein langes Sündenregister ein, das mit unverantwortlichen Aussagen von Deutschlehrern über die deutsche Sprache angefüllt ist.

Überliefert ist etwa die Äußerung eines jungen Deutschlehrers aus Gießen, der sich dafür rechtfertigte, seine Schüler immer wieder als „Kids“ zu bezeichnen: „Ich glaube nicht, daß die deutsche Sprache etwas so Bedeutendes darstellt, daß man sie unbedingt erhalten müßte.“ Wir erinnern uns auch an die Worte eines Bremerhavener Konrektors, der auf die Frage, ob es ihm denn nichts ausmache, daß die deutsche Sprache immer weiter verdrängt würde, antwortete: „Das geht mir alles am Arsch vorbei.“

Sprachpflege als Aufgabe der Schule

Diese Haltung vieler – glücklicherweise nicht aller – Deutschlehrer ist nicht nur erstaunlich, sondern auch empörend, denn die Schule zählt zu den wichtigsten Sprachprägern. Daher ist es an dieser Stelle angebracht, auf eine Bekanntmachung des bayerischen Kultusministeriums aus dem Jahr 1988 aufmerksam zu machen. Auf diesen einschlägigen Text beruft sich die bayerische Staatsregierung bis heute. Im Dezember 2003 hat sie daraus die wichtigsten Forderungen zusammengefaßt:

1. Die Pflege der deutschen Sprache in der Schule beginnt beim mündlichen Sprachgebrauch im Schulalltag und besonders im Unterrichtsgespräch aller Fächer.

2. Die Schüler sollen zu klarer Aussprache, zu richtiger Wortwahl, zum Meiden modischen Jargons und unnötiger Fremdwörter angehalten werden. Die Lehrer müssen ihnen dabei Vorbild sein.

3. Bei schriftlichen Äußerungen (Hausaufgaben, Übungen, Leistungsnachweisen u.a.) sollen die Schüler dazu erzogen werden, in allen Fächern Sprachrichtigkeit und angemessenen Ausdruck genauso ernst zu nehmen wie im Fach Deutsch.

4. Der Förderung des Lesens kommt hinsichtlich der Pflege der deutschen Sprache in der Schule besondere Bedeutung zu. Die Lehrer sollen deshalb ihre Schüler immer wieder zu eigener Lektüre anregen und sie auf wertvolle Lesestoffe aufmerksam machen.

Wenn sich alle Lehrer an diese vier bayerischen Grundsätze hielten, brauchten wir uns keine Sorgen mehr zu machen.

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