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WDR-Logo auf einem LKW des Westdeutschen Rundfunks Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
WDR-Skandal

Sich leerende Zuschauerränge

Die nachrichtenarme Zeit über die Weihnachtsfeiertage und das überwiegend friedliche Zusammentreffen der Generationen in den traditionellen Familienfeiern begünstigte, daß das unfreundliche „Oma ist eine Umweltsau“-Lied des WDR-Kinderchores die Emotionen besonders hochkochen ließ. Die eigentlich lächerliche Posse brachte ein Faß zum Überlaufen.

Der Unmut über die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten hat sich schon länger angestaut. Im Rahmen der eskalierenden Migrationskrise seit 2015 lasten viele Zuschauer den durch Zwangsgebühren finanzierten Sendern an, tendenziös und selektiv zu berichten. Gelegentlich gelobten Intendanten und Redaktionsleiter Besserung.

Existentiellen Krise des GEZ-Fernsehens

So hatte ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke schon im Herbst 2015 eingeräumt: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Richtig sei jedoch, daß „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“. Diese Erkenntnis blieb jedoch nahezu folgenlos.

Das herkömmliche, zwangsgebührenfinanzierte Fernsehen steckt in einer existentiellen Krise. Parallel zum Auflagenschwund der etablierten Tageszeitungen und Magazine kennen ARD, ZDF & Co. nur einen Trend: abwärts.

Bei einer im September vorgestellten Studie von ARD und ZDF wurde ermittelt, daß alleine die 14- bis 29jährigen erstmals mehr Bewegtbild über Streamingdienste oder Internet verfolgen als über das traditionelle Fernsehen. Überwiegend hat das wohl keine politischen Gründe. Aber es ist eben auch eine Kombination aus bevormundender Berichterstattung, die die Lebenswirklichkeit vieler Zuschauer ignoriert, und immer langweiligeren politisch korrekten Filmen, die die Zuschauer in hellen Scharen zu Netflix und Amazon prime flüchten läßt.

Forderungen nach immer mehr Geld

Entsprechend zu den „Filterblasen“, die in den sozialen Netzwerken entstanden sind, separieren sich hier Milieus in verschiedene subjektiv anders wahrgenommene „Öffentlichkeiten“. Die vielzitierte Parole von Alt-Kanzler Gerhard Schröder, zum Regieren brauche er nur „Bild, BamS und Glotze“, ist längst Geschichte.

Während privat finanzierte Zeitungen auf den Auflagenrückgang mit Sparrunden, Stellenabbau, Fusionen und Einstellungen reagieren müssen, weil sie sonst pleite sind, dampft der GEZ-Koloß mit fröhlich spielender Bordkapelle unbeirrt weiter, spult sein Programm stumpf vor sich leerenden Zuschauerrängen ab, als ob nichts gewesen wäre. Und fordert sogar dreist weitere Erhöhungen der Zwangsabgabe!

Zusätzlich wollen die Medienpolitiker über einen neuen Medienstaatsvertrag private Anbieter unter Kuratel des von Parteien kontrollierten Staatsfunks stellen. Daß sich dagegen Widerstand formiert, ist richtig und überfällig.

JF 3/20

WDR-Logo auf einem LKW des Westdeutschen Rundfunks Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

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