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Von der Leyen
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einem Truppenbesuch in Afghanistan Foto: flickr/Bundeswehr/Sebastian Wilke

Streiflicht
 

Mit Wellness zur Kuscheltruppe

Ursula von der Leyen will die Bundeswehr zu einem „hochmodernen, global agierenden Konzern“ (O-Ton Verteidigungsministerium) machen. Die Armee sei, so jubelt die Pressestelle der Ministerin, „ein Sicherheitsunternehmen, eine Reederei, eine Fluglinie, ein Logistikkonzern, ein militärischer Dienstleister – alles auf Top-Niveau“.

Um beim Wettbewerb um die „besten Köpfe“ in den nächsten Jahren „auf die Überholspur“ zu gehen, läßt es von der Leyen mit dem schmissigen Motto „Aktiv. Attraktiv. Anders“ jetzt richtig krachen. Aus meiner Bundeswehrzeit erinnert mich dies an ein anderes geflügeltes Wort für undurchdachte Befehle von oben: „Schnell. Stramm. Falsch.“

Stärkung des „Wohlfühlfaktors“

Die aktuell bekanntgegebenen Maßnahmen im Rahmen eines Fünfjahresplanes haben postwendend Hohn und Spott in und außerhalb der Bundeswehr ausgelöst. 100 Millionen Euro will der Bund in der kaputtgesparten Armee für Schönheitsreparaturen und läppischen Schnickschnack ausgegeben.

Unter dem Stichwort „Moderne Unterkunft“ werden 55.000 Einzelstuben  aufgepeppt: „Flat-Screen-TV“ mit Wandhalter, Stehlampe und Leseleuchte, Minikühlschrank und Garderobenspiegel stärken den „Wohlfühlfaktor“ der Truppe. Offiziere beklagen, daß die Bundeswehr so ein „Image von Weicheiern und Warmduschern“ verpaßt bekomme, Ex-Generalinspekteur Kujat wirft von der Leyen vor, diese habe „offensichtlich keine Ahnung vom Militär“.

Tatsächlich gibt es aufgrund jahrzehntelanger Sparrunden bei der Bundeswehr wie bei anderen öffentlichen Einrichtungen erheblichen Renovierungsbedarf. Viel wichtiger als Gleitzeitkonten, kostenloses WLAN oder Fortbildungen in Sachen „sozialer Kompetenzen“ (wie jetzt geplant) ist jedoch die immaterielle Stärkung der Moral und des Ansehens der Soldaten in der Öffentlichkeit.

Ein Staat ist nur souverän, wenn er sich verteidigen kann

Der am vergangenen Wochenende in Berlin auf Initiative ehemaliger Bundeswehrangehöriger rührend auf die Beine gestellte „Veteranentag“ wirft in seiner improvisierten Form Licht auf die Lieblosigkeit, mit der unser Staat den Dienst fürs Vaterland würdigt.

Der junge Offizier Larsen Kempf hatte bereits Anfang des Jahres in einem Artikel für die Internetseite des Focus beklagt, die Bundeswehr verspiele die Chance, an Ehrgefühl und Patriotismus zu appellieren. Trügen junge Freiwillige entsprechende Motive für den Dienst an der Waffe vor, werde dem von Vorgesetzten „immer häufiger mit Skepsis“ begegnet: es sei ein Fehler, bei der Nachwuchssuche das Soldatische zu betonen, heißt es dann.

Doch die Ukraine-Krise erinnert schlagartig daran, daß ein Staat nur souverän ist, wenn er sich verteidigen will und kann. Soll der Soldatenberuf wieder attraktiv sein, müssen wir seine Bedeutung – Einsatz des Lebens, Tapferkeit im Einsatz – demonstrativ deutlich machen.

JF 24/14

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einem Truppenbesuch in Afghanistan Foto: flickr/Bundeswehr/Sebastian Wilke
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