AfD
Die AfD im Bundestagswahlkampf vor dem Brandenburger Tor Foto: picture alliance/dpa

Streiflicht
 

Die Mühen der Ebene

Bei der Alternative für Deutschland (AfD) kracht es derzeit gewaltig. Wer sich darüber wundert, hat sich noch nicht mit der Geschichte von Kleinparteien, insbesondere im konservativen Spektrum beschäftigt. In vielen Landesverbänden fliegen die Fetzen, treten Vorstände zurück, werfen sich frischgebackene Funktionäre Verbalinjurien an den Kopf, die sie noch vor Wochen nicht einmal dem Hörensagen nach kannten. Ganz normales Parteileben also.

Daß es die AfD gibt, sie innerhalb von nicht einmal zehn Monaten seit ihrer Gründung über 16.000 Mitglieder aufweist und bei der Bundestagswahl 4,7 Prozent der Stimmen abräumte, ist immer noch sensationell. Jetzt quält sich die Parteispitze um Lucke, Adam und Petry mit den Mühen der Ebene. Mühsam ist sie für alle Mitglieder, auch weil einstweilen nur Arbeit und Ärger zu haben und Versorgungsposten in Parlamenten erst einmal in weitere Ferne gerückt sind.

Indessen hat sich im Bund eine Große Koalition gebildet, die mit Union und SPD über 80 Prozent der Sitze im Bundestag verfügt. Auf den Oppositionsbänken sitzen nur linke bis linksradikale Abgeordnete. Ein demokratisch unhaltbarer Zustand. Bald wird sich die Euro-Krise mit neuen Milliardenforderungen zurückmelden, durch Niedrigzinspolitik plündert die EZB schon jetzt die Sparguthaben der Bürger, um das Leben auf Pump der Pleitestaaten zu finanzieren. Es bedarf lebensnotwendig in Deutschland eines demokratischen Korrektivs. Wer, wenn nicht die AfD?

Die AfD als „Hallo-wach-Tablette“

Einer der schärfsten Euro-Kritiker der ersten Stunde, Peter Gauweiler, wurde lange von seiner Partei stiefmütterlich an den Rand gedrängt. Nun stieg er zum stellvertretenden CSU-Chef auf. Mindestens zum Teil verdankt er dies der AfD, die in der Union Ängste vor ernster Konkurrenz ausgelöst hat. Gauweiler betonte jüngst in einem Zeitungsgespräch, in der AfD arbeiteten „ehrenwerte Leute“ und: „Für uns in der Union war diese Partei eine politische Hallo-wach-Tablette.“

Die in der AfD handelnden Akteure müssen gewachsene persönliche Befindlichkeiten zurückstellen, Kleingeist bannen und sich auf ihre Aufgabe besinnen: Sie haben die patriotische Pflicht, Einigkeit und Geschlossenheit herzustellen und diese Partei auf dem Weg der Professionalisierung voranzubringen. Es gibt mächtige Kräfte in der etablierten Politik und den Medien, die ein Scheitern der AfD wünschen. Ihnen spielt die Selbstzerfleischung in die Hände.

Die Partei muß sich vorsichtig programmatisch verbreitern, ohne sich in Flügelkämpfen zu paralysieren. Vor wenigen Tagen beklagte Parteivize Alexander Gauland linke Familienpolitik, nannte „Gender Mainstreaming“ eine „Narretei“, forderte interessengeleitete Außenpolitik und nationale Geschichtspolitik, eine Abkehr von Multikulti. Die Themen liegen auf der Straße. Die AfD kann nur an sich selbst scheitern.

JF 50/13

Die AfD im Bundestagswahlkampf vor dem Brandenburger Tor Foto: picture alliance/dpa
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