Joachim Kuhs
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Euro-Krise
 

Angst um unser Geld

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Euro-Logo: Wie lange hält Zahlmeister Deutschland den Druck aus? Foto: Pixelio/Gerd Altmann

Bislang haben Nachrichten über die Euro-Krise für die Bürger etwas völlig Abstraktes. Was soll man sich vorstellen, wenn die EU einen „Rettungsschirm“ über 750 Milliarden Euro „bereitstellt“? Haben wir im nächsten Monat weniger Geld in der Tasche, weil die Europäische Zentralbank griechische oder irische Staatsanleihen aufkauft? Spätestens hier verlieren wir doch den Überblick über die Folgen. Doch inzwischen kriecht auch dem Wirtschaftslaien die Ahnung über das kommende Desaster wie Kälte die Beine hoch. Plötzlich wird ernsthaft über die Rückkehr zur D-Mark und ungebundene Wechselkurse diskutiert.

Die Entscheidungen über die Sicherung von Währungen sollten von wirtschaftlicher Vernunft diktiert sein. Die Märkte respektieren nicht „gute Absichten“, sondern reagieren auf reale Daten. Sie spekulieren gegen die schwachen Euro-Länder, weil sie austesten wollen, wo die Schmerzgrenze der starken Euro-Länder zur Deckung der Schulden der Pleitestaaten ist. Und sie erleben, daß das wirtschaftliche Schwergewicht des Kontinents, Deutschland, als politischer Zwerg agiert und derzeit ständig nachgibt.

Durch „Einbindung“ nicht „zur Gefahr“ für andere werden

Warum ist das so? Hans-Olaf Henkel, der mit seinem aktuellen Buch „Rettet unser Geld“ in das Lager der Euro-Kritiker gewechselt ist, geißelt das „Duckmäusertum“ der deutschen Politik und führt dies auf die Niederlagen in zwei Weltkriegen zurück: Oft habe er das Gefühl, daß ausländische Partner „geradezu darauf spekulierten, daß wir uns grundsätzlich duckten, weil wir nun einmal daran gewöhnt waren oder weil wir ‘den Krieg verloren’ hatten.“

Günter Verheugen, langjähriger EU-Kommissar, bestätigte dies, indem er letzte Woche bei Maybrit Illner im ZDF freimütig erklärte, die EU und der Euro dienten vor allem der „Einbindung“ Deutschlands, damit dieses „nicht zur Gefahr“ für die anderen werde.

Hilflose Reaktion auf ein Mega-Versailles

Entsprechend hilflos reagiert Berlin derzeit auf die Spirale der Erpressung, der Deutschland im Zuge der Euro-Krise ausgesetzt ist und die in letzter Konsequenz auf eine eskalierende Ausplünderung unserer Nation über ungebremst steigende Transferzahlungen hinausläuft. Ein Mega-Versailles. Bislang haben wir Deutschen erstaunlich gutmütig diesem Treiben zugesehen. Das könnte sich wohl erst ändern, wenn die Spareinlagen, die Altersvorsorge meßbar in Gefahr geraten.

Die Spielräume der Haushaltspolitik werden schon jetzt immer enger, wenn die Zinsen auch für deutsche Staatsanleihen durch „Euro-Bonds“ in die Höhe schnellen.

Auch wenn wir uns gegen die Rückkehr des Politischen sträuben: Wir werden durch Realitäten dazu verdammt, in nationalen Kategorien zu handeln. Es sei denn, wir wollten uns aufgeben. Die Schimäre einer einheitlichen europäischen Währungspolitik kommt an ihr Ende.

(JF 51/10)

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