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Von Iraker vor den Zug gestoßen: Was wir unseren Kindern nach Lianas Tod schuldig sind

Von Iraker vor den Zug gestoßen: Was wir unseren Kindern nach Lianas Tod schuldig sind

Von Iraker vor den Zug gestoßen: Was wir unseren Kindern nach Lianas Tod schuldig sind

Hier wurde Liana mutmaßlich von einem Iraker vor einen Zug gestoßen. Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Hier wurde Liana mutmaßlich von einem Iraker vor einen Zug gestoßen. Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Hier wurde Liana mutmaßlich von einem Iraker vor einen Zug gestoßen. Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Von Iraker vor den Zug gestoßen
 

Was wir unseren Kindern nach Lianas Tod schuldig sind

Ob wir den Tod eines 16jährigen Mädchens als Anlaß nehmen werden, uns diesmal wirklich gegen den Irrsinn zu erheben? Wahrscheinlich nicht. Und wenn doch? Dann ist der erste Schritt dazu eine sehr banale Erkenntnis. Ein Kommentar von René Rabeder.
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16 Jahre lang hatte die Familie Zeit, ihre Liebe in drei Adjektive zu gießen. Liana war einfühlsam, zurückhaltend und zielstrebig. Jetzt ist sie nur noch tot. Ein Güterzug riß das ukrainische Mädchen aus dem Leben. Nicht, weil sie für einen Moment nicht aufgepaßt hat und unachtsam war. Sondern weil wir es sind.

Weil wir jeden Irrsinn, jeden linken Wahnsinn bisweilen besonders verschnörkelt, besonders genial entgegnen wollen. Weil wir zehn Jahre danach noch immer ernsthaft darüber diskutieren, wie wir es vielleicht doch schaffen könnten. Weil wir auf einer Nebenfront unter enormen Verlusten darum kämpfen, was wir sagen dürfen. Nur um es dann sowieso wieder nicht zu tun.

Wissen Sie, wer Yannis ist? Das war der zweijährige Junge, der mit seiner Kindergartengruppe durch einen Park spazierte und den wir niemals vergessen durften, nachdem ein Afghane ihn mit einem Messer auslöschte. Wir haben ihn vergessen. Weil sich unsere Welt weitergedreht hat. Weil es in unserer Welt abwechselnd darum geht, wieviel Bürgergeld man nicht integrierbaren, psychopathischen Analphabeten überweisen sollte. Und dann wieder darum, ob man nicht integrierbare psychopathische Analphabeten überhaupt so nennen darf.

Nach Liana? Rückzug auf die Metaebene

Immer dann, wenn eine kritische Linie durchbrochen scheint, immer dann, wenn genug Leute kurz davor sind, den unausgesprochenen Teil laut zu sagen, lassen wir uns von einer Gegenoffensive ablenken. Von noch einem Geschlecht. Von noch einer bunten Fahne. Noch einem Rassismus-Skandal. Von noch teurerem Gas und dem eigentlich unleistbaren Wochenendeinkauf zermürbt, formieren wir uns dann auf einer Metaebene neu.

Leonie. Yannis. Liana. Und wie sie alle einmal geheißen haben mögen, verschmelzen in unserem kollektiven Gedächtnis mit etwas Glück zu einem besonders gelungenen Meme gegen links.

Ob die Wahrheit um Lianas Tod jemals ans Licht gekommen wäre, hätte ihre Mutter nicht darum gekämpft? Wahrscheinlich nicht. Ob wir ihren sinnlosen Tod als Anlaß nehmen werden, uns wirklich gegen den Irrsinn zu erheben? Wahrscheinlich nicht.

Und wenn doch? Dann ist der erste Schritt dazu eine sehr banale Erkenntnis: Es gibt nichts zu schaffen. Es gibt niemanden zu integrieren. Es gibt in unserem Land keine Kultur, die auch nur neben der unseren existieren können muß. Es gibt nur uns, solange es uns noch gibt. Bis uns ein Güterzug überrollt und sie uns eines Tages auch vergessen werden.

Hier wurde Liana mutmaßlich von einem Iraker vor einen Zug gestoßen. Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
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