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Schröder, Putin und die Woken: Kaisers royaler Wochenrückblick

Schröder, Putin und die Woken: Kaisers royaler Wochenrückblick

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Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Schröder, Putin und die Woken
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Der ehemalige SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Donnerstag in Moskau offenbar ein erstes Gespräch mit Rußlands Präsidenten Wladimir Putin geführt. Dagegen dürfte eigentlich niemand etwas einzuwenden haben, sollte man meinen. Angesichts der festgefahrenen Fronten, in dem sich längst zu einer Bedrohung für den Weltfrieden entwickelndem Konflikt zwischen Rußland und der Ukraine, sollte schließlich keine Möglichkeit ungenutzt bleiben, auch dem russischen Aggressor einen Weg wieder für Verhandlungen zu öffnen.

Allenfalls könnte man fragen, warum bisher niemand auf die Idee gekommen war, Schröder – der auf Grund seines freundschaftlichen Verhältnisses zu Putin, bei diesem wohl Gehör finden dürfte, wie kaum ein zweiter Politiker in Europa – in diesen Prozess mit einzubinden. Um so verwunderlicher ist es da, daß Schröder die Gespräche mit dem russischen Präsidenten, explizit nicht im Auftrag der Bundesregierung führte. Im Gegenteil hatten Sozialdemokraten bereits vor dem Versuch Schröder als Mittler einzusetzen sogar ein Ausschlußverfahren gegen ihn eingeleitet.

Viele können nicht, Schröder darf nicht

In der Ampelregierung ist man vielmehr ziemlich verschnupft, über die Initiative des Altkanzlers. Dieser „schadet dem Land, dem er dienen soll“, findet zum Beispiel die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages übte in einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung herbe Kritik an dem „sogenannten ‚Vermittlungs‘-Versuch“ von Putins „Freund“. „Wir“, so fährt die Liberale fort, müssten hier „konsequent sein“. „Wir müssen uns im Bundestag konkret darum bemühen, Gerhard Schröder die Ausstattung eines Altbundeskanzlers zu entziehen.“ Ihm die Chance einzuräumen, den Konflikt zu entspannen, kommt für sie einfach nicht in Frage.

Schröder war allerdings nicht der einzige Großkopf unseres Staates, der sich in den aktuellen Konflikt einschaltete. Auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Guck meldete sich dieser Tage zu dem Thema zu Wort. Er sprach sich in einer Weise aus, daß er nicht um seine Bezüge fürchten muß. Nun, wenngleich ihm das eigentlich nichts ausmachen dürfte, denn, so sagte der Theologe und spätberufene Widerstandskämpfer aus der DDR, in der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ am Mittwochabend: „Wir haben eine Menge von Möglichkeiten, Flagge zu zeigen. Wir können auch einmal ein paar Jahre lang ertragen, daß wir weniger Lebensglück und Lebensfreude haben. Wir können auch einmal frieren für die Freiheit.“

Gauck sprach damit vielen Deutschen aus der Seele – zumindest vielen öffentlichen Meinungsmachern. Quasisteuerlich subventionierte Besserverdiener, wie Georg Restle oder Jan Böhmermann, die für das Gejammer, der egoistischen Geringverdiener da draußen, über die gerade explodierenden Gas und Ölpreise, keinerlei Verständnis haben, schließlich gibt es ja Menschen

Wer muß hier eigentlich frieren?

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Auf Twitter wird diese dekadente Form des Widerstands gegen Putin übrigens mit reichlich Likes und Zuspruch belohnt. Vorwiegend von Menschen, die sich, entweder in einer ähnlichen Gehaltsklasse bewegen, wie die Marie Antoinettes des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, oder noch zuhause bei den Eltern wohnen, und sich über die Kosten für das Beheizen des kuscheligen Einfamilienhauses, bisher noch keinerlei Gedanken machen mußten.

Eine Frage stellt sich einem, angesichts dieser Aufrufe zu weniger Wehleidigkeit, allerdings schon: Sind all die, oft alten Menschen, die jetzt eine Lungenentzündung riskieren sollen, damit wir Putin zeigen können, daß wir sein Gas nicht brauchen, eigentlich dieselben, die wir die letzten zwei Jahre vor dem Corona-Tod gerettet haben? Prioritäten ändern sich. Vor allem, wenn sie einem vorgegeben werden.

Alle, die jetzt der Meinung sind, um „den Russen“ in die Schranken zu weisen, könne man zur Not im Winter auch ein paar mittellose Rentner ein bisschen frieren lassen, sollten allerdings wenigstens die roten Punkte aus ihrem Twitter-Profil nehmen. Sonst könnte diese Neuausrichtung in Sachen Solidarität auf Außenstehende doch schnell willkürlich wirken.

Woko Haram ist auch wieder unterwegs

Nun sollte man allerdings nicht glauben, daß die hiesige Woke-Bubble, angesichts des Krieges in der Ukraine, die Probleme, die wir hier in Deutschland haben, gänzlich vergessen hätte. Die Medienkolumnistin Ferda Ataman prangerte dieser Tage auf Twitter eine Sendung der TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind an. Zwar dürfte das Thema „Feminismus und Diversität in Deutschland“ durchaus nach dem Geschmack der woken Publizistin gewesen sein, die Gäste waren es aber so ganz und gar nicht. Die waren nämlich alle weiß.

Da hat die Autorin des Jammer-Klassikers „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“ natürlich erst mal rot gesehen. Mit ihrem anklagenden Tweet war Ataman voll in ihrem Element. Als Gründungsmitglied des Vereins „Neue deutsche Medienmacher*innen“ gehört sie quasi zu den Oberen, des stramm links-grün geführten medialen Meinungsaufsicht, die jeden zurechtweist, der nicht den diversen Ansprüchen von Woko Haram und seinen Jüngern entspricht.

WDR beginnt Listen anzulegen

Inzwischen ist ihr aber selbst aufgefallen, daß die Pseudoprobleme, mit denen die intellektuelle Nichtschwimmerin sich sonst journalistisch über Wasser hält, in der aktuellen Situation ein wenig Fahl am Platz sind – und daß ihr künstlich aufgeregter Problematisierungs-Tweet, zischen all dem aufgesetzten Mitgefühl, das sie derzeit sonst so in die Welt hinaustwittert, etwas deplatziert wirkt. Ihren Post über den zu weißen Feminismus-Talk bei Bauerfeind hat sie gelöscht.

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Beim WDR ist man, was den Umgang mit Andersdenkenden angeht übrigens schon einen Schritt weiter. Dort erstellt man inzwischen Listen mit Kritikern des eigenen Senders. So geschehen, diese Woche auf Twitter. Wer es wagte, an der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen TV-Kanals herum zu mosern, wurde vom Online-Team in dieser Woche gelistet. Warum und wozu, wurde dabei nicht so ganz klar. Ich befürchte aber, bald werden wir es wissen.

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