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WDR: Ungeniert manipulieren

WDR: Ungeniert manipulieren

WDR: Ungeniert manipulieren

WDR-Studio in Köln: Der Sender ist Vorreiter in Sachen politisch gefärbter Journalismus
WDR-Studio in Köln: Der Sender ist Vorreiter in Sachen politisch gefärbter Journalismus
WDR-Studio in Köln: Der Sender ist Vorreiter in Sachen politisch gefärbter Journalismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt/
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Ungeniert manipulieren

Wir leben in einer Zeit, in der das grundlegend Verkehrte und erkennbar Unanständige mitunter zur Normalität geworden ist. Wenn einen heute überhaupt noch etwas verwundert, dann meist allenfalls, wie wenig Kuriositäten einen noch verblüffen. Längst hat man sich Vieles gewöhnt, das eigentlich tabu sein sollte.

Eine Sache, die wohl sehr eindeutig in diese Kategorie einzuordnen ist, ist der verloren gegangene Ethos im Journalismus. Als Nachrichten getarnte Meinungsmache, die nicht als Kommentar gekennzeichnet ist, gehört längst zum medialen Alltag. Immer häufiger mißbrauchen Journalisten gar ihre Vertrauensstellung, die sie für viele Medienkonsumenten, zumindest bis zu einem gewissen Grad immer noch haben, um knallharten parteipolitischen Wahlkampf zu machen.

Besonders ärgerlich ist es, wenn dies in Informationsformaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) geschieht, schließlich müssen alle Bürger dafür zahlen. Die Verantwortlichen der Sender rechtfertigen diese Zwangsfinanzierung auch mit einem besonderen Bildungsauftrag und damit besonders hohe Standards in Sachen Wahrheitsfindung.

WDR ist Vorreiter in Sachen Meinungsmache

Daß zwischen diesem Anspruch und der Realität meist Welten liegen, ist inzwischen sicherlich bekannt und vermag wohl kaum noch zu überraschen und empören, wie dies es eigentlich sollte. Manchmal schaffen es die öffentlich-rechtlichen Medienmacher aber doch noch, einem zumindest ein heftiges Kopfschütteln zu entlocken, ob der Dreistigkeit, mit der sie versuchen, einen als Gebührenzahler an der kummergewohnten Nase herumzuführen.

Gelungen ist ein solches Kunststück in diesen Tagen mal wieder dem WDR. Der Westdeutsche Rundfunk war schon vor Jahrzehnten da, wo viele andere staatliche Rundfunkanstalten erst in den vergangenen Jahren so richtig angekommen sind und kann sich mit Fug und Recht als einer der Vorreiter in Sachen politisch gefärbter Journalismus bezeichnen. Inzwischen scheint man in den nordrhein-westfälischen Redaktionen des ÖRR endgültig nach dem Motto zu arbeiten: Ist der Ruf erst ruiniert, manipuliert es sich gänzlich ungeniert.

WDR präsentiert SPD-Funktionärin als neutrale Expertin

Diese besonders fatale Art des Journalismus stellte jüngst die Radio-Sendung „WDR 5 Morgenecho“ unter Beweis. Dort ließen die Macher des Formats mitten im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf die Göttinger Politikwissenschaftlerin Julia Schwanholz die „Mallorca-Affäre“ in der CDU analysieren. Zudem befragten sie sie zu den Chancen auf einen Regierungswechsel in dem unionsgeführten Bundesland. Dabei ließ die Redaktion gänzlich unter den Tisch fallen, daß es sich bei der vermeintlich neutralen Expertin um eine Funktionärin der SPD handelt.

Die CDU warf dem WDR daraufhin „gebührenfinanzierten SPD-Wahlkampf“ vor. Bis auf etwas Raunen und Poltern aus Abgeordnetenkreisen ließ die Partei noch echte Milde walten. Ob aus christlicher Überzeugung, demokratischer Fairness oder schlicht Angst vor dem großen roten Funkhaus, gegen das man im Falle eines Falles sowieso nicht viel ausrichten kann, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Das Problem sah man in der CDU gemäß der öffentlichen Verlautbarungen übrigens nicht in der Parteizugehörigkeit der Politikwissenschaftlerin, sondern lediglich in der Nicht-Erwähnung dieser. „Jeder kann zu Wort kommen – aber bitte transparent. Transparenz sollte gerade in der heißesten Briefwahlphase selbstverständlich sein – das gilt erst recht für das Parteibuch von zum Wahlkampf interviewten Experten“, sagte zum Beispiel der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer gegenüber der Bild-Zeitung.

Sender entschuldigt sich – und tut es wieder

Am Montag nachmittag entschuldigten sich die Verantwortlichen auf Twitter öffentlich für den aufgeflogenen Manipulationsversuch. Zu viel Aufmerksamkeit wollte der Sender seinem vermeintlichen Versehen aber dann wohl doch nicht zukommen lassen. Wenig später war der Tweet nicht mehr öffentlich abrufbar. Aktuell ist das Twitter-Konto von WDR5 auf privat gestellt. Die Tweets können somit nur von Nutzern gelesen werden, die die Betreiber des Profils als Follower akzeptiert haben.

Wo der Sender politisch steht, wurde indes nicht zum ersten Mal deutlich. Bereits vergangene Woche hatte es auf Instagram klare Sympathien-Bekundungen für den SPD-Kandidaten Thomas Kutschaty seitens WDR5 gegeben. Das Konto hatte ein Zitat des Politikers gepostet und anschließend positive Kommentare mit zustimmenden Emojis belohnt. Negatives Feedback wurde dagegen ausgeblendet.

Auch in diesem Fall entschuldigte sich der Sender kurz darauf für die mangelnde journalistische Distanz. Gehalten hat die vermeintliche Einsicht nicht lange, wie man nun gesehen hat. Das dürfte auch nach dem neusten journalistischen Distanzschwächeanfall nicht anders sein. Bis zur NRW-Landtagswahl, am 15. Mai, wird der WDR wohl noch einige solch wenig überraschende Überraschungen aus dem Hut zaubern.

WDR-Studio in Köln: Der Sender ist Vorreiter in Sachen politisch gefärbter Journalismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt/
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