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Energiekrise, Plasberg und Cancel Culture: Kaisers royaler Wochenrückblick

Energiekrise, Plasberg und Cancel Culture: Kaisers royaler Wochenrückblick

Energiekrise, Plasberg und Cancel Culture: Kaisers royaler Wochenrückblick

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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Energiekrise, Plasberg und Cancel Culture
 

Kaisers royaler Wochenrückblick

Es stehen mal wieder neue Verbote vor der Tür. Urheber der staatlichen Regulierungen, die laut Medienberichten aus dieser Woche schon im September einsetzen sollen, ist: Robert Habeck. Ein Grüner will also neue Verbote einführen. Ich weiß, ich bin genauso geschockt wie Sie. Offizieller Grund für Habecks Einschränkungspläne ist die von der Bundesregierung in weiten Teilen selbstverschuldete Energiekrise.

Schon bald könnte es ziemlich kalt in Deutschland werden. Deshalb will der Wirtschaftsminister ab dem kommenden Monat unter anderem das dauerhafte Öffnen von Türen im deutschen Einzelhandel untersagen. In seinem Verordnungsentwurf „zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“ heißt es unter Paragraph 10: durch dauerhaft geöffnete Türen könne Heizwärme „unkontrolliert entweichen“.

Das ist zwar absolut richtig, aber eben nur eine Seite der Medaille. Denn die Einzelhändler lassen die Türen ihrer Geschäfte natürlich nicht aus Daffke offenstehen. Vielmehr sollen die offenen Zugänge möglichst viel Laufkundschaft einladen, einfach mal reinzuschneien. Im Zweifel auch nur um sich ein wenig aufzuwärmen und dabei das Angebot des Ladens in Augenschein zu nehmen. Die meisten Berufspolitiker werden es nicht nachvollziehen können, aber in der freien Wirtschaft ist man mitunter auf allerlei Taktiken und Tricksereien angewiesen, um das Geld anderer Leute in die eigene Kasse zu bekommen.

Anders als der gemeine Abgeordnete können private Kaufleute die Bürger nämlich nicht dazu zwingen, ihnen ihre sauer verdienten Moneten auszuhändigen. Sie bekommen noch nicht mal – halten Sie sich fest, Herr Habeck – eine automatische und krisenunabhängige Gehaltserhöhung, weil es mal wieder an der Zeit dafür ist.

Plasberg gibt Sendung ab

Unterdessen gibt Frank Plasberg nach 22 Jahren und fast 750 Sendungen die Moderation des ARD-Formats „Hart aber fair“ ab. „Wenn man so lange mit einer Sendung gereist ist, will man auch, daß sie sich weiterentwickelt. Und dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt“, begründete der 65jährige seinen im November anstehenden Abschied in dieser Woche. Tatsächlich hat sich die Polit-Talkshow auch schon unter Plasbergs Führung stetig weiterentwickelt. Machte sie zu Anfang und über viele Jahre hinweg ihrem Namen durchaus Ehre, entwickelte sie sich in der jüngeren Vergangenheit immer mehr zu einem typischen ARD-Format.

Von der einstigen Fairneß gegenüber allen eingeladenen Gästen und politischen Lagern ist nicht mehr viel übrig geblieben. Hart ins Gericht gegangen wird mit AfD-Politikern oder anderen Vertretern des rechtskonservativen Meinungsspektrums. Die Betonung liegt hier übrigens ganz klar auf oder. Daß zwei oder gar mehr Gäste zu Wort kommen, die sich mit ihrer Haltung rechts des politischen Mainstreams einordnen, ist bekanntlich äußerst selten.

In der Regel kann der sich nach einer echten Diskussion sehnende Zuschauer allenfalls darauf hoffen, daß sich der einzige Außenseiter in der Runde, der rot-grün-schattierten Übermacht zumindest ein paar gute Argumente entgegenzusetzen hat. Und auch genug Redezeit zugestanden bekommt, um diese vortragen zu können.

Plasbergs Nachfolger wird der n-tv-Moderator Louis Klamroth. Der ist eigentlich Schauspieler und hat unter anderem in „Das Wunder von Bern“ mitgespielt. Deshalb nun aber auf das Wunder der Auferstehung der Fairneß in der ARD-Politarena zu hoffen, wäre allerdings ein wenig naiv. Dafür bräuchte es wohl ein rechtes Sommermärchen – oder zumindest einen heißen Herbst.

Kampf gegen Cancel Culture

Der von vielen gefürchtete Medienanwalt Ralf Höcker hat in dieser Woche der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ein äußerst lesenswertes Interview zum Thema Cancel Culture gegeben. Im Gespräch mit dem Schweizer Medium mahnt der konfrontationsfreudige Jurist diejenigen, die durch diese Kultur der Unfreiheit zum Schweigen gebracht werden sollen, zum Ruhebewahren und Standhalten. „Man darf auf keinen Fall in Panik geraten, sondern soll sitzen bleiben, die Angriffe aushalten und so lange warten, bis dem Gegner nichts Neues mehr einfällt. Irgendwann ist jede Geschichte zu Ende erzählt, wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben“, so der Ratschlag des Verteidigers, der schon so manchen Kampf gegen die „Krieger der Sozialen Gerechtigkeit“ vor Gericht ausgefochten hat.

Diesen bescheinigt Höcker einen „totalen Vernichtungswillen“. Er könnte mit seiner Einschätzung kaum richtiger liegen. Wir haben es bei den Vertretern der Cancel Culture mit Charakteren zu tun, deren Mentalität der eines Serienkillers entspricht. Ob sie sich nun „Antifaschisten“, „Fotojournalisten“, „Netzaktivisten“, „Exposer“ oder „Volksverpetzer“ nennen; es sind im Grunde Mitleid erregende Existenzen, die verzweifelt versuchen, ihr wenig beneidenswertes Dasein ein bißchen aufzuwerten, indem sie andere herabwürdigen und maximal beschädigen. Es bereitet ihnen eine geradezu perverse Freude, das Leben von Menschen zu zerstören, die glücklicher, beliebter oder erfolgreicher sind als sie selbst.

Das Ganze funktioniert im Zeitalter der „Wokeness“ und „Shitstorms“ auch ziemlich gut. Obgleich Höcker natürlich recht hat, wenn er für die Antreiber solcher Kampagnen „die Metapher mit dem Scheinriesen aus der Augsburger Puppenkiste“ verwendet, der immer kleiner wird, desto näher man ihm kommt, und sagt: „Und so ist es auch mit den Aktivisten. Aus ihnen kann man argumentativ schnell Zwerge machen. Sie machen einen Riesenlärm und bekleben Leute mit Etiketten, die auf -ismus enden. Sachargumente haben sie fast nie.“

Woke-Betrieb den Stecker ziehen

Letztendlich ist das nur ein schwacher Trost. Denn in Zeiten, in denen Gefühle weit mehr zählen als Fakten, Rationalität und die individuelle Redefreiheit, braucht es längst keine Sachargumente mehr, um einen unliebsamen „Querdenker“ um seinen Job, guten Ruf und sogar sein soziales Umfeld zu bringen. Es genügt allein ein besonders diskreditierendes Label und ein möglichst lautes Beleidigtsein irgendeiner auch noch so kleinen „Opfergruppe“.

Die Macht dieser Leute liegt in ihren mehr oder weniger freiwilligen Verbündeten außerhalb ihrer Blase. So beschreibt es auch Höcker: „Die Cancelei setzt immer beim Umfeld des Opfers an. Arbeitgeber, Kooperationspartner, Kunden werden unter Druck gesetzt, sich zu distanzieren. In einer Kettenreaktion soll einer nach dem anderen kippen. Das ist immer die Absicht der Aktivisten.“ So perfide diese Taktik ist, liegt hier auch die eine Chance dem ganzen Woke-Betrieb den Stecker zu ziehen. Nämlich indem man sich eben nicht mehr unter Druck setzen läßt.

Das Motto für eine angst- und cancelfreie Zukunft muss lauten: Tue, was du für richtig hältst. Sage und schreibe, was du für wichtig hältst. Lies, was dich interessiert. Schau und höre Dir an, was dir gefällt. Genieße, was dir gut tut. Mach dich lustig über die Mächtigen und die Obrigkeitshörigen. Leide mit denen, deren Leben die linksextremen Existenzkiller bereits zerstört haben. Lache mit denen, die über ihr Leid und das Elend der Welt nicht mehr weinen können. Mache Geschäfte mit den Besten, nicht mit den „Gutesten“. Verleugne nie deine wahren Freunde, um falsche Freunde zufriedenzustellen und deine Feinde zu befrieden. Solidarisiere dich mit den Unterdrückten. Bekämpfe die Unterdrücker. Laß dich niemals einschüchtern!

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
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