Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck
Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Kanzlerfrage bei den Grünen
 

Wer wird ihr Herzblatt?

Die Demokratie ist die gerechteste aller Staatsformen, weil in ihr zumindest die Mehrheit immer genau das bekommt, was sie verdient und selbst gewählt hat. Eine Mehrheit der Deutschen – so zeigen es alle Umfragen – könnte sich bei der nächsten Bundestagswahl für eine Regierung bestehend aus der SPD, der Linkspartei und den Grünen entscheiden.

Kommt es tatsächlich zu einer solchen R2G-Koalition, ist es nicht unwahrscheinlich, daß diese von einem grünen Kanzler beziehungsweise einer grünen Kanzlerin angeführt wird. Weil dem so ist, will die Öko- und Verbotspartei nun erstmals in ihrer Geschichte mit eigener Kanzlerkandidatur in den Wahlkampf. Das ganze Szenario zeigt, wie sehr sich die Zeiten in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert haben.

Die Vorstellung, daß ein Grüner tatsächlich einmal als Bundeskanzler dieses Land regieren könnte, hätte einst zu nicht viel mehr getaugt als zu einem Eröffnungsgag im Stand-Up der Late-Night-Show von Harald Schmidt. Noch dazu zu einem der eher mittellustigen Sorte, wäre die Pointe doch ein bißchen sehr weit hergeholt gewesen.

Schlimmer geht immer

Die heutige Stärke der Grünen ist der beste Beweis für den Triumphzug der Ideologie über die Vernunft in diesem Land. Warum die einst so verlachte Partei heute so beliebt ist, ist rational kaum zu erklären. Es hat wohl in jedem Fall etwas damit zu tun, daß sie für das neuzeitliche politische Zauber- und Powerwort „Nachhaltigkeit“ steht. Wobei vermutlich die wenigsten ihrer Wähler wirklich erklären könnten, was genau es damit auf sich hat.

Das Nachhaltigste an der Politik der Grünen ist ihre toxische Wirkung auf die Wirtschaftskraft und den Wohlstand der künftigen Generationen. Umso grotesker ist es, daß sie gerade der Jugend ihren Erfolg in den Umfragen und auch den Wahlen zu verdanken hat.

Wobei nach 16 Jahren Merkel natürlich die Frage durchaus berechtigt ist, ob es denn überhaupt noch schlimmer kommen kann. Die Antwort ist angesichts der möglichen Nachfolger in den grünen Startlöchern ein ganz klares: vielleicht. In den meisten wichtigen Themenfeldern hat die CDU-Frau ohnehin seit vielen Jahren eine ziemlich grüne Politik betrieben. Die Entscheidung darüber, wer diese nun in Zukunft weiterführt und auf die Spitze treibt, ist wohl allenfalls eine des persönlichen Geschmacks.

Die Kandidaten sind der Basis zu weiß

So dürfte die Kanzlerkandidatenkür, die die Klimasozialisten für den 19. April vorgesehen haben, eher wie ein gefühlsgesteuertes Polit-Herzblatt werden. Hinter der ideologischen Wand warten auf uns und die Zukunft unseres Landes: Annalena Baerbock, deren größter – um nicht zu sagen einziger – Pluspunkt war in ihrer bisherigen politischen Karriere immer, daß sie eine Frau ist. Außerdem im Rennen ist Robert Habeck, das herb-männliche Instagram-Model mit der kernigen Ausstrahlung eines hippen Biolandwirts, der ebenso gut einer Folge der RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“ entsprungen sein könnte oder einer Werbeanzeige für Naturjoghurt.

Beide sind sehr zum Ärger eines nicht geringen Teils der Basis ziemlich weiß und biodeutsch. Das könnte am Ende der KandidatIn in die Hände spielen. Nach dem Motto: „Wenn schon eine Kartoffel, dann doch lieber eine Linda oder Sieglinde anstelle des Bamberger oder in diesem Fall Lübecker Hörnchens“.

Oder macht die Partei doch noch einen Rückzieher und geht auch bei der Frage der Kanzlerkandidatur den politisch korrekten Weg der ewigen Doppelspitze? Wie das dann im Falle eines Wahlsieges realpolitisch funktionieren soll, müßte man natürlich erst einmal irgendwie sehen. Aber auch das hat bei den Grünen ja durchaus Tradition.

Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
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