Annalena Baerbock stellt Buch vor
Grünen-Chefin Annalena Baerbock bei der Vorstellung ihres Buchs Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Neue Schlagzeilen zu Baerbock
 

Ausgleichende Gerechtigkeit für die grüne Moralpolizei

Kaum aufgestiegen, fällt er auch schon wieder herab, der neue grüne Stern am Polit-Himmel, die Kanzlerkandidatin der Journalistenherzen: Annalena Baerbock. Nachdem nach und nach herauskam, daß die Hobby-Völkerrechtlerin aus Hannover ihren Lebenslauf krasser aufgemotzt hat, als es der „übelste Boomer“ auf irgendeiner Tuning-Messe mit seinem „Klimakiller-Verbrenner“ wagen würde, wird ihr jetzt auch noch vorgeworfen, sie habe beim Verfassen ihres Buchs „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ abgeschrieben.

Scherzbolde hatten schon beim Erscheinen des Baerbock-Werks gewitzelt, wer dieses denn wohl geschrieben habe. Nun behauptet der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber die grüne Kanzlerkandidatin habe Copy & Paste betrieben. Die Tatsache, daß die Vorwürfe überhaupt so einschlagen, hat sehr viel damit zu tun, daß sich die 40jährige mit ihrem Aufgeschneide, was die eigene Biografie angeht, selbst so erhöht hat, daß ihr möglicher Fall sehr tief wäre.

Über den schnellen Absturz der einstigen Umfragen-Kronprinzessin für das Kanzleramt ärgern sich neben ihrem Wahlkampfteam vor allem ihre größten Fans: die deutschen Journalisten. Diese sind, auch das ist an Komik und Ironie kaum zu überbieten, alles andere als begeistert von der möglichen Einflußnahme eines österreichischen Medienfachmanns in die die deutsche Innenpolitik und haben eine mediale Gegenoffensive gestartet.

Journalisten als Verteidiger

Man stelle sich vor, wie heftig diese erst ausgefallen wäre, hätte der Österreicher die Grünen-Parteichefin über Stunden mit reichlich Alkohol abgefüllt, um sie zu „entlarven“; sagen wir mal, zum Beispiel irgendwo auf Ibiza. Aber schon jetzt haben die Angriffe die Grünen und ihre Journalisten so fest zusammengeschweißt, daß die Partei sogar mit „journalistischen“ Tweets zur Verteidigung ihrer Kanzlerkandidatin in ihren Rundmails an die eigenen Anhänger wirbt.

So geschehen im Fall von ZDF-Rechtsexperten Felix Zimmerman, der übrigens einst ausgerechnet in der Kanzlei von Medien-Anwalt Christian Schertz arbeitete, also bei jenem Verteidiger, der Baerbock aktuell medienrechtlich vertritt.

Plagiatsjäger Weber tut etwas, was man in linksgrünen Kreisen überhaupt nicht mag. Er legt an eine der ihren die gleichen strengen Maßstäbe an, die sie sonst gegenüber allen anderen anwenden. Der Blogger brachte Anfang des Jahres mit seinen Plagiatsvorwürfen bereits die österreichische Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) zu Fall. Auch sie bestritt jedes Fehlverhalten. Auch gegen zahlreiche weiter deutsche und österreichische Politiker erhob er in der Vergangenheit bereits Plagiatsvorwürfe.

Plötzlich böser „Kampagnenjournalismus“

Diese waren bei objektiver Betrachtung mal mehr, mal weniger schwerwiegend. Meist trafen sie allerdings Vertreter klassisch konservativer Parteien wie CDU oder ÖVP. Deshalb hielt sich der Gegenwind auch bei weniger begründeten Vorwürfen – wie gegen Ex-Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, dem der Medienwissenschaftler bei seiner Dissertation ein eindeutiges Plagiat attestierte, das nur den Entzug des Doktortitels nach sich ziehen könne, was sich bei genauerer Prüfung durch die Uni allerdings als übertrieben erwies – stets in Grenzen.

Jetzt aber kennt die Empörung über die Vorwürfe aus Österreich keine Grenzen mehr und nimmt mitunter geradezu bizarre Formen an. Der grüne Karlsruher Stadtrat Benjamin Bauer schreckt sogar nicht vor einem Hitler-Vergleich zurück, auch wenn er wenig später wieder zurückruderte und seinen Twitter-Account löschte.

 Insgesamt ist die Stimmung sehr angespannt. Sowohl innerhalb der Partei selbst als auch bei den weitgehend linksgrünen Journalisten im Land. Immer wieder fällt der Begriff „Kampagnenjournalismus“ – und das mit einer negativen Betonung, wie man sie im hiesigen Medien- und Polit-Betrieb schon lange nicht mehr gehört hat. Natürlich haben eigentlich weder die Grünen noch die meisten deutschen Journalisten irgendein Problem mit „Kampagnenjournalismus“ solange dieser sich „Haltungsjournalismus“ nennt und zu ihren Gunsten ausfällt.

Daß ihnen diese laxe Einstellung gegenüber dem eigenen Berufsethos und der politischen und menschlichen Fairneß jetzt in Form einer Gewohnheitsblenderin wie Baerbock so gnadenlos um die Ohren fliegt, wirkt da geradezu wie ausgleichende Gerechtigkeit. Denn: Auch wenn die Vorwürfe tatsächlich übertrieben wären, sind sie doch zumindest so schwerwiegend, daß die linksgrüne Moralpolizei sie gegen jeden ihrer politischen Gegner gnadenlos ausschlachten würde.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock bei der Vorstellung ihres Buchs Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
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