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Annalena Baerbock: Die Kanzlerkandidatin uder Grünen gerät zunehmend in Erklärungsnot Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Nicht endende Plagiatsvorwürfe
 

Baerbock-Buch: Von der Wahlkampfmunition zum Rohrkrepierer

So wie die vergangene Woche für Annalena Baerbock endete, so startet auch die neue: irgendwo zwischen nicht gut und ziemlich schlecht. Die Plagiatsvorwürfe um das Buch der Grünen-Spitzenkandidatin wollen einfach nicht verstummen. Am Sonntag titelte die taz – Quasi das Hausblatt der Grünen – auf ihrer Internetseite: „Es ist vorbei, Baerbock!“

Autorin Silke Mertens ging darin hart mit der Grünen-Vorsitzenden ins Gericht: „Es läßt sich nicht mehr leugnen, daß Baerbock so viele Passagen im Copy&Paste-Verfahren eingefügt hat, daß man langsam den Überblick verliert. Klar ist jedoch, daß dieses Buch-Desaster ins Bild paßt: Wieder einmal wollte die Kanzlerkandidatin größer erscheinen, als sie ist. Und dieses Mal fehlt ihr sogar die Einsicht, erneut Fehler gemacht zu haben.“

Baerbock sei an ihrem Ehrgeiz gescheitert. Die Umfragewerte seien im freien Fall, sollte dies so weitergehen, sehe es schlecht mit einer Regierungsbeteiligung für die Grünen aus. „Wenn Baerbock also etwas am Klima und der Zukunft der kommenden Generationen liegt, dann sollte sie ihre Kandidatur so schnell wie möglich an Habeck abgeben.“

Grüne schalten auf stur

Doch bei den Grünen scheut man sich, die Notbremse zu ziehen. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner spricht stattdessen von einer „Desinformationskampagne“. Es gebe keinen Skandal, sondern nur „aufgebauschte Bagatellen“. Es sei daher klar: „Wir gehen mit Annalena Baerbock an der Spitze in den Wahlkampf.“

Daß die Grünen die Plagiatsaffäre gern als aufgebauschte Korinthenkackerei abtun würden, ist verständlich. Doch zum Ärger der Partei ist da noch der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber, der die Angelegenheit keineswegs auf sich beruhen lassen möchte und am Montag einen ersten Zwischenstand mit rund 30 Stellen präsentierte (die Zusammenstellung finden Sie hier), bei denen Baerbock mehr oder weniger klar abgekupfert zu haben scheint.

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Längst geht es auch nicht mehr nur um die Übernahme von allgemein zugänglichen Sachinformationen von Wikipedia oder der Bundeszentrale für politische Bildung, „sondern teilweise auch (um) kreative und originelle Textstellen, denen teilweise durchaus urheberrechtlicher Schutz zukommen dürfte“, wie der ZDF-Rechtsexperte Felix Zimmermann schreibt. Der Jurist und Journalist hatte Baerbock in der vergangenen Woche noch gegen Urheberrechtsverstöße verteidigt. Mittlerweile hat er seine Meinung geändert.

„Sie hat ganz klar abgekupfert“

Das gleiche gilt auch für den Plagiatsjäger und VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder. Dem Nachrichtenportal t-online sagte er am Montag: „Ich bin nicht der Typ, der seine Meinung schnell ändert, aber was ich im Buch neben den Funden von Weber entdeckt habe, das hat mich überrascht.“  Wenn man nach den Plagiatsaffären der vergangenen Jahre sich so verhalte, werfe das viele Fragen auf. „Sie hat ganz klar abgekupfert. Und wenn sie es nicht war, sondern Mitarbeiter, dann muß man sich auch sorgen, welche Personalauswahl sie als Bundeskanzlerin treffen würde.“

Noch deutlicher wird Medienwissenschaftler Weber, der mit seinen Recherchen den Stein mit ins Rollen brachte. Wie Baerbock bei ihrem Buch vorgegangen sei, „das ist nicht nur ein Plagiat, das ist ein Betrug am Leser und am Verlag“. Er empfehle der Grünen-Spitzenkandidatin deshalb umgehend zurückzutreten, sagte Weber und kündigte die Präsentation weiterer Plagiatsfunde an.

Annalena Baerbocks Buch, das eigentlich als Munition für den Wahlkampf gedacht war, und für das die Grünen-Vorsitzende laut eigener Auskunft immerhin 24.645 Euro Honorar erhielt, entwickelt sich vom Blindgänger immer mehr zum gefährlichen Rohrkrepierer.

Annalena Baerbock: Die Kanzlerkandidatin uder Grünen gerät zunehmend in Erklärungsnot Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
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