Grünen-Chefin Baerbock
Grünen-Chefin Annalena Baerbock Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen

Baerbock als Kanzlerin
 

Wandelndes Worst-Case-Szenario

Donald Trump soll seiner Tochter Ivanka als Kind immer wieder folgenden Rat gegeben haben: „Wenn du schon denkst, denke groß.“ Nun ist nicht bekannt, welche Ratschläge Annalena Baerbock in ihrem Elternhaus so mit auf den Weg gegeben wurden; das Selbstvertrauen der Grünen-Bundesvorsitzenden kann aber durchaus mit der im Hause Trump vererbten Siegesgewißheit mithalten.

Wie viel das mit dem zu tun hat, was man gemeinhin unter „denken“ versteht, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Die Politikerin, die, wie man Wikipedia entnehmen kann, als Tochter einer Sozialpädagogin und eines Maschinenbauingenieurs zusammen mit zwei Schwestern und zwei Cousinen auf einem alten Bauernhof im Pattenser Ortsteil Schulenburg (nahe Hannover) aufgewachsene ist, hält sich selbst für echtes Kanzlerinnenmaterial.

„Ja, ich traue auch mir das Kanzleramt zu“, sagte sie kürzlich völlig unironisch der Bild am Sonntag. Auf den ersten Blick wirkt die Möchtegern-Kanzlerin Baerbock ein wenig wie die armen Tröpfe in der Casting-und-Vorführ-Show „DSDS“ auf RTL, die ernsthaft glauben, das Zeug zum „Superstar“ zu haben, bis sie vom „Poptitan“ Dieter Bohlen brutalst eines Besseren belehrt werden. Das Problem ist nur: Bei den Grünen gibt es keinen Dieter Bohlen, der Baerbock bezüglich ihrer Kanzleramts-Fantasien reinen Wein einschenken könnte; und Habeck und Özdemir wollen sich vermutlich nicht unbeliebt machen.

Warum Grüne wählen, wenn die CDU deren Politik umsetzt?

Auch sind, um im Bild des „Unterschichten-Fernsehens“ zu bleiben, die politischen Qualitätsstandards für einen Einzug ins Kanzleramt derzeit in etwa so hoch wie der nötige Bekanntheitsgrad eines „Promis“, der ins „Sommerhaus der Stars“ einziehen will. Sogar die Vorstellung einer grünen Kanzlerin klingt gar nicht mehr so weit hergeholt.

Allerdings könnten sich viele Bürger im Zweifel fragen: Warum soll ich dafür eigentlich die Grünen wählen? Macht Angela Merkel doch seit Jahren eine grünere Politik, als die Regierungsgrünen sie je gewagt haben. Teilweise in einem Ausmaß, daß selbst mancher Konservative sich heimlich nach der Politik der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer zurücksehnt.

Es wäre also aus der Sicht des Wählers als Gewohnheitstier, dem allzu sichtbare plötzliche Veränderungen tendenziell eher suspekt sind, deutlich logischer, noch einmal Angela Merkel zu wählen; oder zumindest eine ihrer in der CDU so zahlreichen vorhandenen männlichen Kopien. Die könnte ja dann zur Not mit den Grünen koalieren. Selbst Merkels einstiger Erzrivale Friedrich Merz hat, was das angeht, ja schon deutliche Signale gesendet.

Trügerische Sicherheit

Ganz auszuschließen ist eine Bundeskanzlerin Annalena Baerbock dennoch nicht. Schließlich haben Spötter einst auch schon bei der ersten grünen Kanzlerkandidatin gefragt: „Kann die Kanzler?“ ­­– und waren sich dabei so trügerisch sicher: „Wird sie ja eh nicht!“ Neben 15 Jahren Merkel spricht ein weiterer Faktor für die Möglichkeit, daß Annalena Baerbock uns Deutsche schon bald auf dem internationalen Parket vertreten könnte.

Dieser Punkt läßt sich am besten mit einem weiteren Donald Trump zugeschriebenen Zitat zusammenfassen: „Remember, there’s no such thing as an unrealistic goal. Just unrealistic time frames.“ Sehen wir den bitteren Tatsachen also ins Auge: Das Ziel, als Grüne Humboldt-Schülerin – mit Leistungskurs Trampolinspringen – das Kanzleramt zu erobern, ist derzeit so realistisch wie nie zuvor.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen
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