Gendersprache
Auch im Duden: Immer neue Exzesse der Weltvergenderer halten Einzug in die Sprache (Symbolbild) Foto: picture alliance
Sprachverhunzer am Werk

Gefangen im Genderloch

Anne Will tut es, Klaus Kleber tut es. Immer mehr öffentlich-rechtliche Moderatoren und Nachrichtensprecher tun es. Sie stottern – und das ganz bewußt, im Namen der Gerechtigkeit, wie sie glauben. Sie sagen „Politiker – innen“, „Bürger – innen“, „Steuerzahler – innen“, immer mit einem Loch im Wort. Seit einigen Monaten macht sich ein sprachpolitisches Phänomen im gebührenfinanzierten Rundfunk breit. Sprachwissenschaftler nennen es einen stimmlosen glottalen Plosiv oder Glottisschlag. Sprachschützer bezeichnen es als „Genderloch“.

Die Corona-Krise rüttelt die deutsche Sprache kräftig durch. Anglizismen wie „Lockdown“ und „Homeoffice“ greifen um sich, die Politiker wechseln zwischen Alarm- und Beschwichtigungsrhetorik, und nun scheinen auch andere Morgenluft zu wittern, um die deutsche Sprache weiter zu verhunzen: die Genderideologen – Verzeihung, Genderideolog – innen. Sie durchlöchern den Sprachfluß mit Genderdenkpausen und setzen damit ihre gedanklichen Aussetzer sprachlich um.

Anne Wills „Steuerzahler – innen“

Aufsehenerregender und wohl nur vorläufiger Tiefpunkt war der Auftritt von Anne Will in ihrer gleichnamigen ARD-Gesprächssendung vom vergangenen Sonntag. Gleich bei der Begrüßung ihrer Gäste setzte die Moderatorin ein Zeichen, also ein Loch: „… und der Präsident des Bundes der Steuerzahler – innen, Reiner Holznagel, herzlich willkommen!“ Um keine Zweifel aufkommen zu lassen, absichtlich gestottert zu haben, legte Will nach: „Da staunen Sie, was? Daß ich ‚die Steuerzahler – innen‘ sage. Ich weiß gar nicht, ob Sie den Verband so schon nennen?“ Während Will ihre Begeisterung über sich selbst kaum unter Kontrolle bekommen konnte, blieb Holznagel sachlich und entgegnete: „Nein.“

Das Genderloch hat es jetzt vor ein Millionenpublikum geschafft. Warum die Macher von „Anne Will“ allerdings nach wie vor von „Gästen“ statt von „Gäst – innen“ sprechen, bleibt rätselhaft. Schließlich weisen Sprachfeministinnen gern darauf hin, daß es Belege für das Wort „Gästin“ bereits aus früherer Zeit gibt. Es besteht mindestens seit dem Jahr 1365. Sogar Jacob und Wilhelm Grimm nahmen es daher in ihr Wörterbuch auf, freilich mit dem Zusatz „wenig gebraucht“.

Von Gäst – innen und Mitglieder – innen

Daß „Gästin“ früher kaum gebräuchlich war und schließlich völlig außer Gebrauch kam, stört die Genderleute allerdings wenig. Gegen das generische Femininum (zum Beispiel „die Person“) haben sie nichts, gegen das generische Maskulinum (wie „der Gast“) hingegen sehr viel. Da die „Gästin“ bereits bei Phoenix oder im Deutschlandfunk auftauchte, dürfte es also eine Frage der Zeit sein, bis Anne Will ihre „Gäst – innen“ – korrekt mit Genderloch gesprochen – begrüßt.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock verhaspelte sich beim Wunsch, besonders gendergerecht zu sprechen Foto: picture alliance/Eventpress

2018 sprach Will immerhin schon von den „Mitgliedern und Mitgliederinnen“. Ob sie nun statt dessen, mit Genderloch, „Mitglieder – innen“ sagt, blieb in der Sendung vom Sonntag noch offen. Die Obergrüne Annalena Baerbock jedenfalls übt noch. Sie stolperte ins Genderloch und quatschte beherzt vom „Bund der Steuer – innen – Zahler“ …

Die verordnete Krampfpause

Trotz Hohn und Spott über ihr intelligenzbefreites Treiben eilen pseudoakademische Genderprofessorinnen, profilierungssüchtige Bürgermeister und unterbeschäftigte Frauenbeauftragte von Erfolg zu Erfolg. Sie setzen gegen die Bevölkerung an Schulen und Behörden im gesamten deutschen Sprachraum die Zeichensprache des Genderns durch: Gendersterne, Genderdoppelpunkte und Genderunterstriche. Für sie besteht die Welt aus Bürger*innen, Bürger:innen oder Bürger_innen, die volkspädagogisch belehrt und erzogen werden müssen. Wer den Genderhut nicht grüßt, macht sich verdächtig.

Allen treibenden Kräften gemeinsam ist die Tatsache, daß sie ihr Einkommen nicht ihrer eigenen Leistung verdanken, sondern dem Gebühren- und Steuerzahler – Verzeihung, der*:_dem Steuerzahler*:_in. In ihrer Sprachzerstörungswut werfen sie Klarheit, Verständlichkeit und Bürgernähe ins Genderloch.

Doch die Weltvergenderer haben ein Problem: Ihre Zeichen lassen sich nicht aussprechen. Das ficht sie jedoch keineswegs an. Was sich nicht sprechen läßt, sprechen sie eben nicht: Das Genderloch ward geboren: eine Kunstpause im Wort – wobei hier „Kunst“ nicht von „Können“ kommt. Treffender wäre „Krampfpause“ – für den verkrampften Versuch, die Genderschreibe hörbar zu machen.

Es wird ihnen nicht gelingen

Tatsächlich haben bereits Behörden und Universitäten entsprechende Sprechverordnungen für ihre Mitarbeiter erlassen. „Der sogenannte Genderstern * wird in der mündlichen Kommunikation als kurze Pause gesprochen“, heißt es etwa in den Leitlinien der Universität Wien zum „geschlechterinklusiven Sprachgebrauch“. Die Stadt Hannover weist ihre Mitarbeiter an: „Beim Vorlesen wird der Gender Star durch eine kurze Atempause gekennzeichnet.“ Nun beginnen auch die gebührenfinanzierten Sender, das Genderloch zu sprechen.

Daß die öffentlich-rechtlichen Vorsprecher regelmäßig an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, deutet darauf hin, daß es ihnen letztlich nicht gelingen wird, ihr Genderloch der Allgemeinheit aufzunötigen. Klaus Kleber sprach Ende April im „heute journal“ gendergerecht davon, daß „Reporter – innen“ (mit Atempause) aus Krankenhäusern in Bayern und Nordrhein-Westfalen berichteten. Am Tag nach der Will-„Steuerzahler – innen“-Sendung passierte es ihm jedoch bereits in der ersten Minute des „heute journals“: „Die Bundesregierung – also der Steuerzahler …“, so fing er an; ganz ohne Genderloch.

Auch im Duden: Immer neue Exzesse der Weltvergenderer halten Einzug in die Sprache (Symbolbild) Foto: picture alliance

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen