Bargeldloses Zahlen

Rettet das Knistern

Gestern im Restaurant. Ein Freund fragt nach der Rechnung und zückt seine Plastikkarte. Warum zahlt er nicht bar? Er öffnet sein Portmonee und zeigt einen einsamen blauen 20er. „Ich will noch ein wenig Bargeld in der Tasche haben“, sagt er und tippt seine Pin in das Lesegerät der Kellnerin.

Szenen wie diese spielen sich jeden Tag millionenfach ab: Deutsche zahlen unbar, weil es bequem ist oder vermeintlich schneller ginge (Fakenews!), und sie holen sich aus dem Automaten nur Minibeträge wie 20 oder 50 Euro. Warum nur? Haben sie Angst vor Diebstahl oder Verlust? Sie sollten sich mit den Risiken auseinandersetzen, die uns drohen, wenn das Bargeld weg ist. Dann würden sie ihr Verhalten vielleicht ändern.

Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht

Nicht einmal mehr jede zweite Transaktion, so eine Studie des Forschungsinstituts EHI, wird bar getätigt. Vor allem die Giro-Zahlung per Pin und das kontaktlose Zahlen mittels NFC sind stark im Kommen. Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist schlecht. Die Gefahr liegt auf der Hand: Wir werden zu gläsernen Bürgern, wenn es kein Bargeld, keine geprägte Freiheit mehr gibt.

Nicht nur für die Banken und Konzerne wird unser gesamtes Konsumverhalten nachvollziehbar. Das wäre schon schwer erträglich. Aber der Staat, seine Finanzämter und Überwachungsbehörden werden alles über uns wissen. Schon jetzt ist das Bankgeheimnis praktisch abgeschafft. Weltweit werden Kontodaten abgeglichen. Niemand entkommt der globalen Finanzamts-Stasi. In einer bargeldlosen Welt wird es so gut wie unmöglich sein, etwas vor ihr zu verbergen, es vor der Kleptokratie zu retten.

Deswegen sind die Vordenker des totalen Steuerstaates große Befürworter der Bargeldabschaffung. Niemand kann mehr Geld beiseiteschaffen, um es vor Besteuerung in Sicherheit zu bringen. Das gilt auch für die neueste perfide Form der Enteignung, nämlich den staatlich verordneten Minuszins. Ist das Bargeld abgeschafft, sind alle Geldbeträge Bankeinlagen, die automatisch an Wert verlieren. So können sich die schwer verschuldeten westlichen Wohlfahrtsstaaten sanieren – auf Kosten ihrer fleißigen und sparsamen Bürger.

Wir müssen unser Verhalten überprüfen

Noch haben wir es in der Hand, den Niedergang des Bargelds aufzuhalten. Indem wir uns und unser Verhalten ständig prüfen: Kann ich nicht auch das Klavier für 500 Euro in bar bezahlen? Oder die Familienfeier in der Pizzeria für 350 Euro? Kleinere Beträge sowieso.

So wie Ökofanatiker ihre eigenen Kaffee-Becher mitbringen, weil sie die Pappbecher für eine unentschuldbare Umweltsünde halten, oder wie Gutmenschen-Konsumenten, die nach „fair gehandelten“ Produkten verlangen, müssen wir Banken und Handel nach unseren Wünschen erziehen: Fragen wir nach der Möglichkeit bar zu zahlen! Unterstützen wir Geschäfte, die „nur Barzahlung möglich“ im Schaufenster stehen haben. Erklären wir unseren Kindern, daß das Knistern eines neuen Hunderters eines der schönsten Geräusche überhaupt ist.

Noch können wir es schaffen. Gemessen an der Umsatzhöhe ist der Bargeldverkehr auf unter 50 Prozent aller Transaktionen gefallen. Aber bei der realen Zahl aller Transaktionen liegen Bargeldgeschäfte mit 76 Prozent noch immer vorn. Kaum ein Volk liebt das Bargeld so sehr wie die Deutschen. Sie spüren instinktiv nach den zwei verheerenden Währungsreformen im vergangenen Jahrhundert, daß eine Revolution wie die Abschaffung des Bargeldes sie wieder hart treffen würde. Gemessen an diesen Aussichten ist eine kleine Verhaltensänderung beim Zahlungsvorgang keine große Herausforderung.

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Ronald Gläser ist stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Bargeldaustausch an einer Supermarktkasse in Flensburg Foto: picture alliance / dpa Themendienst

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