Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Thunberg, Barbie, Cheerleader, Gabriel

Kaisers royaler Wochenrückblick

Greta Thunberg, so wurde diese Woche verkündet, bekommt den Alternativen Nobelpreis verliehen. Vermutlich für ihre alternative Form der Naturwissenschaft, die jedes Fachwissen im Bereich der Physik, Meteorologie oder Klimatologie überflüssig macht. Oder für ihre kreative, von den Fesseln der Mathematik und Logik befreite, Wirtschaftslehre, in der Unternehmen keine Gewinne mehr machen müssen und die Menschen in den westlichen Industrieländern allein von Windkraft, dem Lachen der Sonne und der Liebe zur Umwelt leben können.

Vielleicht hat die Jury des Alternativen Nobelpreises aber nach Gretas Auftritt als Horror-Kind beim UN-Gipfel in New York auch einfach nur Angst gehabt, ihr den Preis nicht zu verleihen. Die Entscheidungsträger des echten Nobelpreises sollen ja angeblich auch schon mit sich und ihrer Angst um und vor Greta ringen.

Barbie ist jetzt auch „genderinklusive“

Der Puppen-Hersteller Mattel hat derweil beschlossen, eine geschlechtsneutrale Barbie-Reihe auf den Markt zu bringen. Damit wird die Mutter aller Plastikblondinen wohl auf ihre alten Tage auch noch ihre letzten und ärgsten Kritiker befriedigen. Standen Feministinnen seit Jahrzehnten mit Barbie auf Kriegsfuß, dürfte die neue Produktserie aus der US-Glitzerwelt zum absoluten Renner in den Gender-Studienhörsälen des gesamten Westens werden.

Die „genderinklusive“ Barbie ist der wahrgewordene Mädchen-Traum, ich meine natürlich Genderstern-Traum all der jungen Menschen, die sowohl beim Fußball als auch beim Doktorspielen immer als letztes gewählt wurden.

Die besten Cheerleader werden rausgeworfen

Ganz im Geiste der neuen mitunter reichlich schief hängenden Geschlechterbilder, wirft Alba Berlin seine Cheerleader raus. „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, daß das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit paßt“, erklärte der Geschäftsführer des Klubs, Marco Baldi. Um wen es sich bei diesem „wir“, das zu dieser Überzeugung gekommen ist, handelt, wird vom Basketballmanager nicht genauer erläutert.

Die jungen Frauen selbst, die sich in der Rolle des attraktiven Pausenfüllers sehr wohl gefühlt haben ­– sonst hätten sie es ja nicht gemacht –, dürften wohl kaum an der Entscheidung beteiligt gewesen sein. Haben die Alba-Cheerleader ihre Choreografien doch mit solch einer Hingabe betrieben, daß sie in den vergangenen Jahren mehrfach als beste Tanzgruppe Europas ausgezeichnet wurden.

Wahrscheinlich war es im Wesentlichen eine Gruppe „alter weißer Männer“, die für die jungen Frauen entschieden hat, was für sie in der heutigen Zeit angebracht ist und was nicht. Die Basketball-Mullahs von Berlin fanden jedenfalls: „Bei unseren Heimspielen ist der Eindruck entstanden, daß Frauen bei Alba vor allem für die tanzende Pausenunterhaltung zuständig sind, während Männer Basketball spielen.“

Nun könnte man dies natürlich auch versuchen zu ändern, indem man sich bemüht, die eigenen Frauenteams sportlich weiter nach vorne und in den Fokus des Publikums zu bringen. Aber das wäre wahnsinnig aufwendig und letztelendes wahrscheinlich sowieso nur semi-erfolgreich, weil sich die Basketballfans, genau wie die meisten Fußballfreunde, auch in Zeiten der allgemeinen politischen Korrektheit eben noch immer wesentlich mehr für die deutlich dynamischere und athletischere Männervariante des Ballsports interessieren.

Aber, wenn wir die Leute schon nicht dazu bringen können, sich für unsere, im Übrigen zweitklassigen Basketballerinnen zu interessieren, können wir ihnen wenigstens den Frauensport wegnehmen, den sie gerne sehen, dachten sie wohl die Vereinsoberen bei Alba Berlin. Auch wenn ihnen „bewußt“ ist, daß „nicht wenige Fans die Alba Dancers vermissen werden“

Gabriel wirft Mandat weg wie ausgeleierte Unterhose

Wie viele „Fans“ Sigmar Gabriel vermissen werden, vermag ich nicht zu sagen. Der „Biggest Loser“ der SPD hat sich in den letzten Jahren nicht nur von einigen Pfunden verabschiedet – auch wenn er sich das ein oder andere davon schnell wieder drauf geschafft hat – das ehemalige sozialdemokratische Schwergewicht verabschiedet sich jetzt auch vorzeitig aus dem Bundestag.

Er fühle sich nicht mehr von seiner Partei gebraucht und habe viel anderes zu tun. Das klingt so sehr nach verschmähter Liebe, daß man Gabriel fast in den Arm nehmen möchte, um ihm zu sagen: „Mach dir nix draus, Siggi. Andere Organisationen haben auch schöne Posten.“ Muß man aber wohl gar nicht.

Zwei Lehraufträge an den Universitäten Bonn und Harvard, die Arbeit als Redner und das Ehrenamt als Vorsitzender der Atlantik-Brücke beschäftigten und beanspruchten ihn schon jetzt zunehmend, wie er sagt. „Das Abgeordnetenmandat und diese neuen Aufgaben parallel wahrzunehmen, halte ich nicht für vertretbar“, erklärt Gabriel. Jemand, dem das eigene Wahlvolk irgendetwas bedeutet, hätte in dem Fall mit der Annahme solcher zeitaufwändigen Tätigkeiten gewartet, bis die Aufgabe, zu deren Erfüllung er sich hat wählen lassen, offiziell beendet ist.

Der Politiker-Typus Gabriel wirft das ihm vom Wähler verliehene Mandat dagegen einfach weg wie eine alte, ausgeleierte Unterhose, die für das nächste Date einfach nicht mehr taugt.

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