Melone
Unter der grünen Schale der Melonenpartei sitzt immer noch derselbe blutrote Kern Foto: picture alliance/chromorange
Meinung

Vorwärts zum Aufbau des Öko-Sozialismus!

Sie kommen einfach nicht weg davon. Mit ausgedörrter Kehle vom vielen Kreidefressen und zittrigen Händen vom ewigen nett-und-bürgerlich-Tun greifen schon wieder zwei prominente grüne Parteilinke wie der Trinker nach der Flasche zum eingemachten harten Ideologiestoff: Kein „Kuschelkurs“ mit der Wirtschaft! Die ökologische Revolution muß her! Höhere Benzinpreise! Mehr Steuern und Umverteilung! Bio, öko, fair für alle! Vorwärts zum Aufbau des Öko-Sozialismus!

Diesmal waren es die Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge und Sven-Christian Kindler, die in einer Denkschrift ihren sozialistischen Feuchtträumen freien Lauf ließen: Vermögen, Erbschaft, Einkommen, Kapitalerträge knackig besteuern, noch mehr Ganztagsschulen und Kitaplätze, „ökologisch-soziale“ Stromtarife, „Klimabonus“ für Wohngeldbezieher, „Citymaut“ – hach, da könnte man doch mal so richtig zulangen.

Naseweise Jungsozialisten

Die beiden sind nicht die einzigen, die’s wieder so richtig juckt. Im Februar hatten zweihundert Mitglieder und Mandatsträger in einem offenen Brief an die Parteiführung einen linkeren Kurs und mehr „sozialpolitische Akzente“ gefordert und von einem „Rechtsruck“ der Grünen halluziniert. Und vor der Fraktionsklausur im Januar waren es die verteidigungspolitische Sprecherin Agnieszka Brugger und NRW-Landeschef Sven Lehmann, die zurück zu Onkel Trittins grün-links-emanzipatorisch-sozialgerechtem Bundestagsprogramm wollten.

Polemik gegen „Reichtum“ und „Luxuskonsum“ der „Mittelschicht“ hören die Kretschmänner und Kuhnfritze, die aus bequemen Ministerpräsidenten- und Oberbürgermeistersesseln eher nostalgisch auf ihre maoistischen und wirrsozialistischen Ursprünge zurückblicken, aber vielleicht doch nicht so gern.

Sozialismus ist zwar nicht für die Nomenklatura, sondern immer nur für die anderen, für die unökologischen Nachahmer in den Schwellenländern, die dringend mal belehrt werden müßten, für die unsolidarischen „Eliten“, die den Rest, den der Steuerstaat ihnen läßt, lieber nach eigenem Gutdünken ausgeben möchten als nach den Vorstellungen naseweiser Jungsozialisten, die auch mal ranwollen.

Macht weiter so!

Aber ob dann immer noch so viele Wähler auf die grüne Biedermännerei reinfallen, daß es für eine zweite Amtszeit reicht? Gerade deswegen möchte man den vorlauten grünen Linksflüglern, die den Sozialistenkram der Altvorderen so rührend ernst nehmen, am liebsten zurufen: Macht weiter so! Zeigt es allen, daß unter der grünen Schale der Melonenpartei immer noch derselbe dicke, saftige, blutrote Kern sitzt! Jagt der Melkkuh einen ordentlichen Schrecken ein! Vielleicht verscheucht das wenigstens ein paar Mitläufer, und der grüne Spuk wird etwas zurechtgestutzt.

Nur eines ist seltsam bei der Eiferei all der naßforschen grünen Parteilinken: Warum haben die bloß so panische Angst vor „Schwarz-Grün“? Das meiste, was sie so in ihre Kataloge schreiben, würde die CDU doch anstandslos mitmachen, wenn sie anders nicht weiterregieren könnte. Ist halt doch nicht so einfach, sich in einem Altparteienkartell aus lauter Sozialdemokraten und Sozialisten als Revolutionär zu profilieren.

Unter der grünen Schale der Melonenpartei sitzt immer noch derselbe blutrote Kern Foto: picture alliance/chromorange

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