Prinz Harry
Prinz Harry: Sprachpolitik in Großbritannien ist schweres Thema Foto: picture alliance/Photoshot

Meinung
 

Prinz Heinrich von Walisien

Die deutsche Sprache hat einen neuen Werbeträger: Prinz Harry von Wales. Beabsichtigte er etwa, das Deutschtum zu preisen und auf diese Weise seinem Ruf als dem schwarzen Schaf der Familie gerecht zu werden? Mitnichten, eher handelte es sich um ein beiläufiges Späßchen in der Art, wie sie auch sein Großvater Prinz Philip so trefflich zu plazieren versteht. Doch die Wirkung seiner flapsigen Bemerkung dürfte auch den 30jährigen etwas überrascht haben.

Auf seiner Neuseeland-Reise besuchte Harry (eigentlich Henry) kürzlich auch die kleine „Halfmoon Bay“-Schule auf der kleinen Insel Stewart Island. Dort unterrichten gerade einmal zwei Lehrer ganze 24 Schüler. Diese sind zwischen fünf und 13 Jahre alt. Dieser Besuch ist zunächst einmal ein starkes Zeichen von Harry: Seht her, wir vergessen euch nicht, auch wenn ihr weit entfernt von den großen Metropolen lebt. Denn wann hat man etwa zuletzt einen hohen Repräsentanten des deutschen Staates bei Schulkindern in Grootfontein gesehen? Harry sagte denn auch, daß die Schüler begünstigt seien, in einer kleinen Schule unterrichtet zu werden, in der ihnen die Lehrer mehr Aufmerksamkeit schenken könnten. So etwas nennt man Wertschätzung.

„I wish I could speak German“

Und dann kommt Harry eben auch in die Deutschklasse. Die Zahl der Deutschschüler in Neuseeland ist laut Auswärtigem Amt in den vergangenen fünf Jahren leicht zurückgegangen, die Tendenz ist weiter fallend. Es ist also höchste Zeit, daß jemand für die deutsche Sprache wirbt. Diese Aufgabe übernimmt nun unwillkürlich Harry.

Das Besondere am Unterricht an dieser Schule: Die Deutschlehrerin Stephanie Michel ist von Auckland aus über Bildtelefon (Skype) zugeschaltet, also aus rund 1.300 Kilometern Entfernung. Harry bittet sie um Entschuldigung, daß er kein Deutsch spreche. Er habe Französisch gelernt, aber fast alles wieder vergessen. Von Spanisch habe ihm der Lehrer abgeraten, aber einen Wunsch habe er doch: „I wish I could speak German“, meint der Prinz höflich.

Für die deutsche Sprachpolitik ist Großbritannien ein schwieriges Gebiet

Fräulein Michel hatte ihn zu Beginn des Gesprächs gefragt: „How should I address you, as Your Royal Highness?“ Der Prinz entgegnete, daß er nicht mit königlicher Hoheit angeredet werden wolle: „Just Harry, Harry is fine. Harry with a German accent.“ Er wolle als „Harry“ angesprochen werden, freilich mit deutschem Akzent. Dazu muß man wissen, daß Briten Englisch mit deutschem Akzent vor allem in den zahllosen Kriegsfilmen hören, in denen Nazi-Deutschland bis heute immer wieder aufs neue besiegt wird. Es wird also vor allem mit Fieslingen in Verbindung gebracht.

Harry ruft uns mit seinen Scherzen ins Bewußtsein, daß der Fremdsprachenunterricht in Großbritannien allgemein darniederliegt. Für die deutsche Sprachpolitik ist die Insel deswegen ein schwieriges Gebiet. Daher ist es nicht nur verständlich, sondern auch erfreulich, daß das Goethe-Institut in London sogleich die Presseberichte aufgriff und ins Netz zwitscherte: „Delighted to oblige!“ („Wir wären erfreut, behilflich sein zu dürfen.“) Sicherheitshalber fügte das Institut noch die Netzanschrift hinzu, unter der sich der Prinz zum Kurs anmelden könnte. Bislang hat sich Harry (eigentlich Henry) noch nicht gemeldet. Vielleicht sollte es das Goethe-Institut einmal bei „Prinz Heinrich“ mit einem deutschen Akzent versuchen?

Prinz Harry: Sprachpolitik in Großbritannien ist schweres Thema Foto: picture alliance/Photoshot
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles