Italia 90
Deutschland ist Weltmeister: Aaaandi Breeehme (zu unterst) nach seinem verwandelten Elfmeter im Finale 1990 Foto: picture alliance/AP Photo

 

Ein zweites 1986 wird es nicht geben!

Mexiko 1986, meine erste WM. Ich war sechs Jahre alt und durfte mit meinen Eltern und meinem älteren Bruder das Finale daheim vor dem Fernseher verfolgen. Ich hatte bereits ein paar Panini-Bilder der deutschen Elf, die ich mir auf eine Holzplatte geklebt und über mein Bett gehängt hatte. Alles andere als ein Sieg meiner Helden kam für mich nicht in Frage. Daß Deutschland auch verlieren könnte, war für mich nicht vorstellbar (wie gesagt, ich war sechs und von Wembley 1966 wußte ich nichts).

Etwas verdutzt war ich, als Argentinien plötzlich mit 2:0 in Führung ging, aber der Anschlußtreffer von Rummenigge und der Ausgleich von meinem Lieblingsspieler Völler rückten mein kindliches Weltbild wieder gerade. Um so fassungslos enttäuschter war ich, als Burruchaga (ich gebe zu, den Namen mußte ich googeln) kurz vor Ende das Siegtor für Argentinien schoß. Eine Katastrophe! Heulend lief ich in mein Zimmer und hängte voller Wut die Tafel mit den Fußballbildern ab.

Vier Jahre später die Revanche. Italia 90, der Gegner im Finale: wieder Argentinien. Mittlerweile besaß ich sogar ein eigenes Panini-Album, was dazu führte, daß wir Jungs uns in der Schulpause beim Tauschen der Bildchen teilweise benahmen wie eine Mischung aus arabischem Basarhändler und amerikanischem Börsenmakler.

Das Leben konnte so schön sein

Nervös fieberten mein Bruder und ich vor dem Bildschirm in unserem Wohnzimmer. Null zu null und nur noch fünf Minuten zu spielen. Würde ich wieder Tränen in meinem Zimmer vergießen und meinen Frust an meinem Fußballalbum auslassen müssen? Aber, was war das? Foul an meinem Rudi! Elfmeter. Den Rest des Spiels verbrachten mein Bruder und ich (es gab also doch Momente, in denen wir uns verstanden) vor Glück hüpfend auf dem Sofa und dabei immer wieder Aaaandi (ich) Breeehme (er) rufend. Das Leben konnte so schön sein.

2006 dann die WM im eigenen Land. Ich war gerade seit wenigen Wochen in Berlin und schaute das Viertelfinale mit Freunden in einem Biergarten in Charlottenburg. Es sah alles danach aus, daß das Sommermärchen nach dem 1:0 für Argentinien ein vorzeitiges Ende finden würde. Doch dann in der 80. Minute der Ausgleich durch Klose (danke, danke, danke hierfür noch einmal an dieser Stelle). Im anschließenden Elfmeterkrimi sorgte Lehmann dafür, daß an diesem Abend niemand traurig nach Hause gehen mußte – mit Ausnahme der Gauchos.

Niederlage ausgeschlossen

Viertelfinale 2010 in Südafrika: Was soll man groß dazu sagen? Gründe zum Anstoßen gab es genug. Für uns im Freundeskreis, für die Argentinier im Mittelkreis. Friedrich, Müller und zwei Mal Klose bewiesen eindrucksvoll, daß Maradona vielleicht auf dem Platz ein „göttliches Händchen“ hatte, nicht aber als Trainer. 4:0 endete das Spiel und der Abend in meiner Erinnerung etwas nebulös…

Nun heißt der Gegner also wieder Argentinien. Vieles spricht dafür, daß das Spiel eher eine defensiv-abwartende Partie wird. Neben seinem Star Lionel Messi wird Argentinien vermutlich wie schon gegen Holland vor allem auf die Abwehr setzen. Andererseits, wer hätte erwartet, daß wir Brasilien mit 7:1 ins Tal der Tränen schießen würden? Im Fußball ist eben alles möglich (außer einer Niederlage Deutschlands am Sonntag).

Wo ich das Finale sehen werde, weiß ich noch nicht. Was ich dagegen sicher weiß: Ich werde danach nicht heulend in mein Zimmer gehen.

Deutschland ist Weltmeister: Aaaandi Breeehme (zu unterst) nach seinem verwandelten Elfmeter im Finale 1990 Foto: picture alliance/AP Photo
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