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Anders Breivik
 

Der neue Hexenhammer

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Oslo am Tag nach dem Anschlag Foto: Flickr/johsgrd

Anders Breivik ist der ultimative feuchte Traum der Linken. Ist das wirklich zynisch? Daß gerade in dem Moment, als die linken Lebenslügen europaweit zu bröseln beginnen, eine perfekte rechte Haßikone auftaucht, und ihnen einen breiten Hexenhammer in die Hand drückt, muß manchem Linken wohl wie ein Geschenk des Himmels vorkommen.

Der ohnehin dauerbeliebte Modus des „Verdachts“ und der „Entlarvung“ gegenüber der Rechten läuft nun auf Hochtouren und erreicht neue Spitzen an Hemmungslosigkeit. „Verdächtigen“ und „entlarven“ kann bekanntlich jeder Depp, ob mit oder ohne akademischem Titel, und kein Depp läßt sich jemals diese Chance entgehen. Anders’ sogenanntes „Manifest“, in erster Linie ein Kompendium von im Internet gesammelten Texten und Pamphleten, ist voluminös genug, daß sich jeder, der es nötig hat, reichlich daraus bedienen kann.

Weil Breivik ein Wahnsinniger ist, kann nun unterstellt werden, daß jeder einzelne Gedanke in dem Manifest Wahnsinn sei, und daß nur Wahnsinnige solche Gedanken haben, und daß, wer solche wahnsinnigen Gedanken hat, gewiß auch insgeheim Massenmorde plant.

Kuddelmuddel aus hingefetzten Vereinfachungen

Wie sehr den politischen Denunzianten das gefundene Fressen schmeckt, zeigen sie ungeniert durch lautes Schmatzen. Ein nicht-linker Sündenbock nach dem anderen wird beschuldigt, beleidigt, diffamiert und dämonisiert, was das Zeug hält. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die JUNGE FREIHEIT an die Reihe kam.

Den Job übernahm ein Profi seiner Zunft, Volker Weiß, ein in linksextremen Publikationen wie der Jungle World umtriebiger Autor, der zuletzt ein sogar nach Genremaßstäben unsägliches Buch über den „Angriff der Eliten von Spengler bis Sarrazin“ vorgelegt hat. Nun versucht Weiß auf Spiegel Online die JF, wie die Redensart geht, „in die Nähe“ des norwegischen Attentäters zu rücken, den er einen „rechten Bruder der Dschihadisten“ nennt. Dabei wird natürlich gebogen und gelogen, daß die Balken krachen. 

Seinen Kuddelmuddel aus hingefetzten Vereinfachungen über die „Konservative Revolution“ auseinanderzunehmen, ist hier ebenso müßig, wie ein weiteres Mal den ermüdenden Grundsatz-Evergreen des „Ich sehe etwas, was du nicht siehst“ zu spielen.  Die Wahnvorstellungen der Linken und Liberalen sind hartnäckig wie Beton. Sie glauben immer noch, in der besten aller „offenen Gesellschaften“ zu leben, ohne zu merken, daß diese „offene Gesellschaft“ vor ihren Augen mit Vollgas dabei ist, sich selbst zugrundezurichten, und ganz Europa mit sich zu ziehen.  

Durch Unklarheit lassen sich Insinuationen besser raunen

Darum sei hier aus Platzgründen nur das Gröbste kommentiert. Weiß behauptet: „Es gibt heute eine europäische Rechte, die sich auf die Theoretiker der zwanziger Jahre bezieht. Sie hat den Mythenkanon des Faschismus, den Glauben an ein reinigendes Blutbad zur kulturellen Wiedergeburt, übernommen und an die Zeit angepaßt.“  Es geht aus dem Text nicht ganz klar hervor, wen denn Weiß nun genau mit dieser „europäischen Rechten“ meint, aber diese Unklarheit hat ja auch den Vorteil, daß sich die Insinuationen besser raunen lassen.

Mag sein, daß es Anhänger einer solchen Rechten heute irgendwo gibt, nur wird Weiß sie sowohl in den Seiten der JUNGEN FREIHEIT als auch der von ihm ebenfalls erwähnten Sezession vergeblich suchen. Er kann sich getrost an die Arbeit machen: er wird nicht den geringsten Beleg dafür finden, daß diese Publikationen jemals „den Glauben an ein reinigendes Blutbad zur kulturellen Wiedergeburt“ propagiert hätten.

Der Preis für die größte Peinlichkeit geht an diesen Satz:

„Der ‘Vor-Bürgerkrieg’, ausgerufen von Carl Schmitt, einem weiteren ihrer geistigen Ahnen, hat in ihren Augen längst seinen Höhepunkt erreicht.“

Wieder davon ausgegangen, daß wir Autoren der oben genannten Publikationen uns angesprochen fühlen sollen: auch den Begriff „Vor-Bürgerkrieg“ wird Weiß bei Carl Schmitt vergeblich suchen, er stammt nämlich von Hans Magnus Enzensberger, und dieser hat ihn auch nicht „ausgerufen“, sondern lediglich konstatiert. „Vorbürgerkrieg“ beschreibt jene Symptome, die eine Polarisierung und Verrohung der Gesellschaft ankündigen, deren Fluchtpunkt der Bürgerkrieg ist. Seinen „Höhepunkt“ kann der Vorbürgerkrieg nur im Ausbruch des „echten“ Bürgerkriegs erreichen. Es geht aber nicht darum, den Bürgerkrieg auszurufen, sondern im Gegenteil seine Menetekel frühzeitig wahrzunehmen, um ihn zu verhindern.

Politisches Wunschdenken

 Ein lachhaft hanebüchenes Konstrukt ist Weiß’ Versuch, eine Symmetrie zwischen „Dschihadisten“ und „Kreuzfahrern“ – einer Art neuen Form von christlichen Taliban – zu behaupten. Denn diese „Kreuzfahrer“ existieren allenfalls in der Phantasie eines Anders Breivik, oder auch im perversen politischen Wunschdenken eines Weiß, der ja auch seine eigene Causa füttern muß.  Breivik ist ein soziopathischer Einzeltäter, der weder die Sympathien seines Volkes noch irgendeines politischen Lagers, schon gar nicht des konservativen oder christlichen, auf seiner Seite hat.

Sein „Christentum“ ist kein „Fundamentalismus“, sondern eine reine Verkleidung, die er nicht religiös, also aus dem Glauben heraus, sondern „kulturell“-pragmatisch begründet. Es ist nur Teil seines identitären Flickwerks, zu dem auch noch Zionismus, Altliberalismus und Freimaurertum zählen. Dieser exzentrische Einzeltäter soll aber nun allen Ernstes als Beleg für eine allgemeine „Talibanisierung der christlichen Rechten“ herhalten.

Demgegenüber steht ein internationales dschihadistisches Netzwerk, das tatsächlich religiös-fundamentalistisch motiviert ist, erheblichen Rückhalt in breiten muslimischen Schichten besitzt, und seit Jahrzehnten einen weltpolitischen Faktor stellt.

Schreckbild „christlicher“ Terror

Um das Schreckbild eines potentiellen „christlichen“ Terrors mit entsprechenden Milieus im Hintergrund an die Wand zu malen, muß Weiß noch mehr biegen, andeuteln und unterstellen. Da ist er sich auch nicht zu schade, nach Gusto völlig willkürliche Verleumdungen aus dem Ärmel schütteln: „Die Welt des Anders Breivik deckt sich sehr mit der Welt der JUNGEN FREIHEIT und ihrer Freunde.“ 

Wieviel Ahnung er von der „Welt“ der JF hat, zeigt unter anderem seine fälschliche Behauptung, die Zeitung hätte „sich in den letzten Jahren zunehmend dem christlichen Fundamentalismus zugewandt“,  was dadurch „bewiesen“ wird, daß sie einmal eine Titelseite über die Piusbrüder brachte. Mehr als das hat Weiß als Argument nicht in petto, aber seine Hauptmission hat er ja erfüllt: sich, auf der Affektwelle von Oslo reitend, durch namedropping, Lügen und Diffamieren selbst einen politischen Vorteil zu verschaffen.

> Umfrage: Tragen Islamkritiker und Rechtspopulisten eine Mitverantwortung für das Massaker in Norwegen?

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