Die Gartenlaube

Der Konservative liebt – in aller Regel – das Land und haßt die Stadt. Sie ist für Leute, die den Fortschritt lieben (und damit in Wahrheit den Genuß meinen), die an „Entwicklung“ glauben, während er nur „Entstehung“ gelten läßt. Das wußte schon der Kulturhistoriker Arthur Moeller van den Bruck, und darauf scheint auch Ute Frieling-Huchzermeyer zu spekulieren, die Chefredakteurin des Hochglanzmagazins Landlust.

Seit gut drei Jahren ist die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift auf dem Markt (www.landlust.de) und schraubt sich gerade mit ihrer konservativen Konnotation von einem Auflagenrekord zum nächsten: Etwa 450.000 Käufer waren es im letzten Quartal, die das Heft am Kiosk oder im Abonnement bezogen. Der verantwortlichen Blattmacherin bescherte dies fast ausschließlich Lob und Anerkennung. Die 50jährige Frieling-Huchzermeyer wurde im vergangenen Jahr nicht nur als „beste Newcomerin“ für den Journalistenpreis Prometheus nominiert, ein Fachblatt wählte sie sogar zur Journalistin des Jahres 2008. Stets heißt es, Landlust transportiere ein Lebensgefühl – und dann fallen Worte wie „Einfachheit“, „Bodenständigkeit“ oder „Tradition“. Die Chefin selbst ergänzt: „Unsere Leser definieren sich anhand ihrer Haltung.“ Und die scheint sich an den vorgenannten Begriffen zu orientieren. Ist der Verkaufserfolg damit ein Indiz für einen neuen – konservativen – Trend?

Am Anfang der Landlust stand zunächst eine Krise, nämlich die der Landwirtschaft. Weil immer mehr Haupterwerbsbetriebe aufgaben, litt auch das Fachblatt Top Agrar an Umsatzeinbußen. In dieser Zeitschrift – wegen ihrer gelegentlich etwas reißerisch aufgemachten Artikel gern als „Bauern-Bild“ bespöttelt – betreute die gelernte Agraringenieurin Frieling-Huchzermeyer das Ressort „Landleben“. Um über den Kern der Landfrauen hinaus eine neue Leserschaft zu erschließen, wagte der in Münster-Hiltrup ansässige Verlag im Herbst 2005 die „Ausgründung“ und entwickelte aus der Rubrik einen Publikumstitel.

In puncto Inhalt hat die Mutter von drei Kindern das Rad für ihr gut 160 Seiten starkes Heft nicht neu erfunden. Kochrezepte und Strickanleitungen findet man auch in Lisa oder Brigitte, über Obstbaumschnitt informiert genauso zuverlässig der Gartenfreund, und auch zum Fischräuchern oder über Dieselschlepper aus dem Hause Porsche gibt es bereits weiterführende Literatur. Allein die Mischung aus allem macht Landlust offenbar zum Verkaufsschlager – sogar bei jenen, die fern des ländlichen Raumes in Städten leben und zusätzlich zum Tragen grüner Wachsjacken so ihre Sehnsucht nach dem „echten, einfachen, bodenständigen“ Lebensstil stillen. Die Chefredakteurin und Bauersfrau aus dem Ostwestfälischen nennt das „wertkonservativ“. Moeller van den Bruck dachte wohl an etwas anderes; aber mit dem entpolitisierenden Präfix scheinen sich Konservatismus und die Gunst eines großen Publikums vereinbaren zu lassen.

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