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Obama wird nichts ändern

Herr Theodoracopulos, wird Barack Obama den USA nun den „Wandel“ bringen, den er versprochen hat? Theodoracopulos: Nein, nichts davon. Erinnern Sie sich noch an Jimmy Carter? Ein sehr intelligenter Mann, er versprach 1976 die gleichen Dinge wie Obama, und was ist daraus geworden? Künftig sollten allein die Menschenrechte Leitfaden der US-Politik sein. Und: Schluß mit der Zusammenarbeit mit südamerikanischen Diktatoren! Herausgekommen ist dabei nichts — außer der schlechtesten Präsidentschaft bis zu Bush. Obama hat eine völlige Erneuerung Amerikas versprochen. Theodoracopulos: Zu Beginn seiner Amtszeit wird er natürlich viel Wallung machen, um bei den Amerikanern das Gefühl eines Wandels zu erwecken. Aber der Effekt wird so etwa nach drei Monaten erlahmen. Sicher, es werden mehr liberale Richter ernannt, mehr Schwarze in Führungspositionen gelangen, und wer darauf Wert legt, der kann sich freuen. Aber das sind liberale Schönheitskorrekturen, darum geht es nicht. Es geht darum, das Land zu reformieren, es fit für die Zukunft zu machen, das eingefahrene System aufzubrechen. Und da wird sich nichts tun. Letztlich wird sich Obamas  „Wandel“ als das entpuppen, was alle Präsidenten machen: Umverteilung zugunsten ihrer Klientel. Es wird — nur unter anderen Vorzeichen — nach den gleichen Prinzipien weitergehen wie bisher. Weiterhin werden Lobbygruppen und Einzelinteressen vor dem Wohl des Landes rangieren. Ja, schlimmer noch, die liberalen Schönheitskorrekturen sorgen wegen ihres sozialistischen Charakters sogar für eine Mehrbelastung. Was bedeutet Obamas Sieg für Deutschland? Theodoracopulos: Ich fürchte natürlich vor allem, daß wegen der „Obamamania“ der Widerstand der Deutschen, ihre Soldaten auch in den Süden Afghanistans zu schicken, geschwächt werden könnte. Dieser Krieg kann aber nicht gewonnen werden, und es wäre fatal, würde sich Deutschland noch tiefer darin verstrickt lassen. Im übrigen glaube ich nicht, daß sich Obama nur wegen der Sympathie, die er bei Ihnen und in Europa erfahren hat, Deutschland nun besonders verpflichtet fühlt.  Noch vor wenigen Wochen galt Sarah Palin als die Wunderwaffe gegen Obama. Warum ist der „konservative Faktor“ Palins so verpufft? Theodoracopulos: Palin hatte keine Chance, sie ist zum Opfer der Presse geworden. Die liberalen Medien haben sich auf sie gestürzt und sie fertiggemacht. Sie müssen bedenken, daß drei der vier großen US-Fernsehsender liberal eingestellt sind: ABC, NBC, CBS. Allein Fox liegt nicht ganz auf Linie. Und das gleiche gilt für die großen Zeitungen. Überhaupt, Wahlen in den USA sind längst nichts anderes mehr als ein reiner Medienzirkus. In europäischen Ländern tobt der Wahlkampf ein paar Wochen, bei uns hat das jetzt fast zwei Jahre gedauert — es ist ein Witz. Und die Vorstellung, daß es bei der Wahl auf die individuelle Stimme ankommt, ist lächerlich. Lobbygruppen und Massenmedien mobilisieren Stimmen im großen Stil. Der mündige Bürger, der sich gewissenhaft überlegt, wem er seine einzelne Stimme geben soll, und der glaubt, davon hänge der Ausgang der Wahl ab … das ist doch naiv.  War McCain vielleicht der falsche Mann? Theodoracopulos: Nein, er hatte nie eine Chance. Als ich einmal mit Ex-Präsident Nixon zu Abend aß, fragte ich ihn: „Wer wird 1980 die Wahl gewinnen?“ Er antwortete: „Ist die Wirtschaft gut, Carter, ist sie schlecht, Reagan.“ Ich habe deshalb nie an einen Sieg McCains geglaubt. Und Sie dürfen nicht vergessen, daß er obendrein zu sehr mit Bush identifiziert wurde. War das wirklich entscheidend? Theodoracopulos: Ich bitte Sie, die Stimmung war: „ABB“ — „Anyone but Bush!“, „Jeder, nur nicht Bush!“ Dabei war Bush, das muß ich sagen, obwohl ich als Konservativer ihm politisch nicht nahestehe, mitunter besser als sein Ruf. So entbehrt es etwa nicht einer gewissen Ironie, daß er zum Beispiel  für Afrika mehr getan hat als je ein Bill Clinton. Denn er hat nicht nur Hilfe versprochen, er hat sie auch geleistet, und er hat Hilfsprojekte und nicht korrupte afrikanische Politiker unterstützt. Aber das ignorieren die Schwarzen in Amerika einfach. Laut Umfragen lag McCain allerdings zeitweilig gut im Rennen. Theodoracopulos: Machen Sie bitte nicht den Fehler, auf amerikanische Meinungsumfragen hereinzufallen. Denn die meisten Meinungsforschungsinstitute sind ebenfalls liberal ausgerichtet und instrumentalisieren ihre Umfragen. Ich habe zum Beispiel für die New York Times gearbeitet und kann bezeugen, ihre Umfragen waren tatsächlich gefälscht! Der Punkt ist, die Demokratische Partei hat ein Problem: Viele ihrer Anhänger gehen nicht wählen. Denn sie sind Individualisten, Hedonisten etc. Die Wähler der Republikaner dagegen glauben zumeist an Gott, Vaterland und Ordnung. Für sie ist es selbstverständlich, zur Wahl zu gehen. Sie betrachten das als ihre politische und patriotische Pflicht. Also geht es den Unterstützern der Demokraten darum, liberale Wähler zur Wahl zur „drängen“. So lassen sie den Kandidaten der Republikaner mitunter besser dastehen, als es der Fall ist, um die Wähler der Demokraten zu mobilisieren. Was bedeutet John McCains Niederlage für die Zukunft des politischen Konservatismus in den USA? Theodoracopulos: Also, wenn Sie John McCain für konservativ halten, dann halten Sie Barack Obama wohl auch für einen überzeugten Liberalen. Er ist es nicht? Theodoracopulos: Nein, Obama ist schlicht clever: Er hat erfolgreich eine Marktlücke besetzt. Der Mann weiß, wie man die Dinge drehen muß, um Erfolg zu haben. Was McCain angeht: Er ist sicher ein ehrenwerter Mann, aber er ist kein Konservativer, er ist letztlich ein Neocon bzw. ist geistig von ihnen beeinflußt. Natürlich durchschaut er das nicht, denn er gehört zu den Treuherzigen, die glauben, die Erde ist eine Scheibe, weil ihm das so gesagt wurde. So argumentiert er zum Beispiel doch tatsächlich für Masseneinwanderung mit dem Hinweis, die USA seien doch selbst eine Nation von Einwanderern. Das ist eine historische und moralische Argumentation, aber keine politische. Politisch gesehen ist so eine Aussage infantil. Solche Politiker sichern nicht die Zukunft eines Gemeinwesens, sondern verspielen sie. Und es ist eigentlich unglaublich, daß so ausgerechnet der Kandidat der Republikaner argumentiert. 2002 haben Sie zusammen mit Pat Buchanan aus Enttäuschung über die Republikaner die Zeitschrift „The American Conservative“ gegründet. Theodoracopulos: Ja, denn das politische Spektrum in den USA hat sich nachhaltig nach links verschoben. Einstmals standen die Demokraten ja weiter rechts als die Republikaner, doch das ist vorbei. Später folgten ihnen die Republikaner nach. Zuletzt wurde der verbleibende rechte Flügel der Republikaner fast vollständig von den Neocons infiziert. Als Reaktion darauf haben wir The American Conservative gegründet. Heute ist es das führende paläokonservative Magazin in Amerika. Theodoracopulos: Immerhin wird es von den meisten der maßgeblichen Leuten in Washington gelesen. Leider ist es uns nicht gelungen, eine breite Basis aufzubauen, denn zahlenmäßig verkauft sich das Heft nur schlecht. Was hätten Sie McCain empfohlen, um zu gewinnen? Zurück zu Ronald Reagan? Theodoracopulos: Nein, Reagan war ein Schauspieler, kein Denker, er inszenierte Patriotismus, statt konservative Politik zu verwirklichen. Die Amerikaner rechnen ihm  hoch an, daß er das „Reich des Bösen“ bezwungen habe, nun gut. Allerdings: Wenn ich mir die Außenpolitik der USA heute anschaue, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob wirklich die UdSSR das Reich des Bösen war. Als Konservativer frage ich aber, hat Reagan den ausufernden Wohlfahrtsstaat abgebaut? Hat er die Fokussierung der Politik auf die sogenannten Randgruppen eingedämmt? Hat er die Kulturrevolution zurückgedreht? Nein. Was also war an seiner Politik konservativ? Wenn weder Reagan noch Bush noch McCain Konservative waren oder sind — welche Chance hat dann der politische Konservativsmus in den USA noch? Theodoracopulos: Ganz ehrlich? Ich befürchte, keine. Nach Pat Buchanan, der 2000 das letzte Mal angetreten ist, war jetzt der Kandidat Ron Paul und seine Campaign for Liberty unsere letzte Hoffnung. Ich glaube, Konservative haben heute an sich keine Chance mehr, denn echter Konservativsmus bedeutet, sich auf die Verfassung und die Werte der Gründerväter zu besinnen. Das allerdings hat zur Folge, daß man der internationalen Einmischungspolitik abschwört, der die USA heute huldigen, denn die USA sind nach ihrer ursprünglichen Idee, wie es Pat Buchanan einmal treffend formuliert hat, „eine Republik und kein Imperium“. Das bedeutet wiederum auch die Aufgabe unserer beinahe bedingungslosen Rückendeckung für Israel. Das wiederum führt dazu, daß die Israel-Lobby in den USA natürlich alles tun wird, um solche Kandidaten zu verhindern. Und dazu zieht man den Kerlen am besten eins mit der Antisemitismuskeule über. Wer aber als angeblicher „Antisemit“ gebrandmarkt wird, über den bricht eine Kampagne herein und er gewinnt keine Wahl mehr. Wenn die Israel-Lobby soviel Einfluß hat, wie Sie sagen, hätten die USA doch schon längst den Iran angegriffen. Theodoracopulos: Nein, sie haben Einfluß, aber der Präsident ist immer noch der Präsident — ob Bush oder ab jetzt Obama —, und seine Militärs haben ihm gesagt, daß man den Iran bombardieren, aber nicht erobern kann und daß ein solcher Versuch den ganze Nahen Osten in die Luft sprengen würde. Außerdem kennt das Pentagon wohl die Wahrheit über den Iran. Wir gaben einmal einen Empfang für Scott Ritter, der bis 1998 UN-Inspektor im Irak war. Bekanntlich widersprach er später der Behauptung der Regierung Bush, der Irak habe Massenvernichtungswaffen. Uns sagte er: „Der Irak war so hinterher, die konnten vielleicht einen Trabant herstellen“, und fügte an: „Und der Iran ist gerade mal dazu in der Lage, einen VW-Käfer zu bauen.“ Na ja, inzwischen dämmert ja auch den Militärs, daß sie im Irak nie gewinnen werden. Ebenso ist es in Afghanistan. Sie erkennen langsam, daß den USA zu einer weltweiten Pax Americana die Kraft fehlt. Statt dessen sind wir heute das verhaßteste Volk der Erde. Wird es unter Obama wirklich zu einem signifikanten Wandel in der US-Außenpolitik kommen, wie man in Deutschland hofft? Theodoracopulos: Oh, ich hoffte es sehr — aber ich glaube es nicht. Seien wir realistisch, der Präsident kann sie gar nicht grundlegend ändern. Dafür mischen zu viele Lobbygruppen mit. Wie ist es denn bei Ihnen in Deutschland? Sie hatten Rot-Grün, als deutsche Truppen nach Afghanistan gingen. Heute haben sie Schwarz-Rot — aber ihre Truppen sind immer noch da. Die Deutschen haben gewählt, geändert hat sich nichts. Klar, im Detail gibt es tausend kleine Unterschiede, aber bei den großen politischen Fragen gibt es keine Demokratie. Deshalb mag ich die Schweiz, wo ich meinen Zweitwohnsitz habe, denn da entscheiden die Bürger noch wirklich selbst über ihre Belange. Das ist Demokratie! Der Rest ist Betrug. Aber es gibt doch außenpolitische Unterschiede zwischen den Präsidenten, denken Sie an Carter und Reagan, an Clinton und Bush. Theodoracopulos: Natürlich, Bush hat gleich den ganzen Irak angegriffen, während Carter sogar 53 US-Diplomaten 444 Tage in iranischer Geiselhaft belassen hat! Aber auf der anderen Seite: Der Republikaner Reagan hat Libyen bombardiert, der Demokrat Clinton Belgrad. Wo ist der Unterschied? Allerhöchstens in der Tatsache, daß der „böse“ Reagan nur eine Nacht bombardiert hat, der „gute“ Clinton siebzig Tage! Ihr Deutschen bildet euch ein, mit Obama wird alles gut? Erst versprach er einen Abzug aus dem Irak in fünfzehn Monaten. Dann hieß es, man müsse erstmal sehen, wie es auf dem Boden aussehe. Dann wieder redet er davon, Pakistan anzugreifen, um aus dem Land eine „richtige Demokratie“ zu machen. Darum nennen wir ihn Flip-Flop-Obama, weil er ständig seine Meinung wechselt. Aber selbst wenn er als Präsident unsere Truppen heimholen wollte: Was werden ihm seine  Militärberater sagen? „Wenn wir uns jetzt zurückziehen, bricht der Nahe Osten zusammen. Und wollen Sie in die Geschichte eingehen als derjenige, der das zu verantworten hat?“ Ich kenne das, ich war zwei Jahre in Vietnam. Dann reden sie von Verantwortung, Geschichte und dem Domino-Effekt. Am Ende kochen sie ihn weich. Nein, ich bin pessimistisch, der Irak liegt wie ein Fluch auf den USA. Ein Fluch, dem wir auch durch Wahlen nicht entkommen werden.   Taki Theodoracopulos Der Neffe des griechischen Übergangspremiers Panagiotis Poulitsas von 1946, Sohn einer Reederfamilie, Millionär, Playboy, Davis-Cup-Tennisspieler, ehemaliger Kapitän der griechischen Karate-Nationalmannschaft, Kriegsberichterstatter in Vietnam, Israel und Jordanien, Klatschkolumnist — für eines seiner Bücher zum Thema schrieb Tom Wolfe das Vorwort — und politischer Kommentator, der „im angelsächsischen Raum große Bekanntheit genießt“ (Weltwoche), schreibt für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften wie National Review, Sunday Times, Esquire, Vanity Fair, The Spectator oder Daily Telegraph. Geboren wurde er 1937 in Athen, heute lebt er in New York und der Schweiz. Verheiratet ist „Taki“, so sein journalistischer Markenname, mit der deutschen Prinzessin Alexandra von Schönburg-Hartenstein. Zusammen mit dem ehemaligen US-Präsidentenberater und -kandidaten Pat Buchanan gründete er 2002 als Reaktion auf den Linksrutsch der Republikaner durch den Einfluß der „Neocons“ die Zeitschrift The American Conservative (www.amconmag.com), als das publizistische Sprachrohr der US-amerikanischen Altkonservativen (JF 36/03). Seit 2007 betreibt er außerdem Taki‘s Magazine, „das Online-Magazin für unabhängige Konservative“ (www.takimag.com). Außerdem war er zeitweilig Herausgeber der neurechten britischen Zeitschrift Right Now (JF 33/03). „The American Conservative“: P.O. Box 9030 Maple Shade, NJ 08052-9030, USA Foto: Jubel über Obamas Sieg: „Er ist kein Liberaler, er ist schlicht clever und hat eine Marktlücke besetzt. Der Mann weiß, wie man die Dinge dreht, um Erfolg zu haben“

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