Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

„Verhöhnung der Toten“

Herr Eberbach, die JUNGE FREIHEIT berichtete in den letzten Monaten exemplarisch über den „Feldzug“ gegen das Gefallenendenkmal im kleinen Taunus-Ort Marienfels. Die Breite der JF-Berichterstattung könnte den Eindruck erwecken, es handle sich um einen Einzelfall (siehe auch Bericht und Aufruf auf Seite 10). Eberbach: Nein, leider ist das ganz und gar nicht der Fall. Man gewinnt diesen Eindruck, die Schändung von Gefallenendenkmälern und -grabstätten sei in Deutschland kein nennenswertes Problem, weil die Medien im Gegensatz zu Gedenkstättenschändungen anderer Art über solche Vorfälle bestenfalls in der Lokalpresse berichten. Tatsache ist, daß es sich gerade in Deutschland um ein ganz erhebliches Problem handelt. Andererseits, warum sich aufregen, irgendwann macht die Stadtreinigung die Steine wieder sauber? Eberbach: Erstens stimmt das nicht, manche Gefallenendenkmale werden entweder lange Zeit nicht gereinigt, oder sie werden manchmal sofort erneut beschmiert, so daß sie quasi „dauergeschändet“ sind. Zweitens würde Ihnen bei der Schändung eines Gedenksteines für andere Opfergruppen des Zweiten Weltkrieges so ein Einwand niemals einfallen! Wenn zum Beispiele jüdische oder antifaschistische Gedenkstätten entsprechend beschmiert werden, wird – zu Recht – sofort Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt, die Presse berichtet eventuell sogar überregional, und „antifaschistische“ Bürgerinitiativen mit Unterstützung etwa des Bürgermeisters – in Marienfels sogar des Ministerpräsidenten Kurt Beck! -werden gegründet. Für die Würde von gefallenen Soldaten, aber auch Vertriebenen oder Opfern des Bombenkriegs interessiert sich dagegen keiner. Manche verteidigen die Manipulation von Gefallenengedenkstätten als legitimen, weil politischen Protest gegen die „Kultur des Krieges“. Eberbach: Ich bitte Sie, die Schändung von Gedenkstätten und Gräbern, die Verhöhnung von Toten, die Beleidigung der persönlichen Ehre dieser Menschen – das alles hat doch nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun! Betrachten wir etwa Friedhofs- und Kirchenschändung als legitime Meinungsäußerung zum Thema Kirchenpolitik? General de Gaulle hat einmal gesagt, den Charakter eines Volkes kann man daran erkennen, wie es nach einer Niederlage mit seinen Toten umgeht. Wer sind die Täter solcher Schändungen? Eberbach: Ich würde sie in zwei Gruppen einteilen: einmal echte Linksextremisten, die die Denkmäler mit einer Mischung aus archaischem Haß und politisch symbolischer Tat gezielt schänden. Zum anderen desorientierte Jugendliche, die in pubertärer Phase unter dem Einfluß linker bis linksextremer Propaganda stehen. Das kann vom „pazifistischen“ Gemeinschaftskundelehrer kommen, der mit Engelsstimme den „Weltfrieden“ predigt und dabei unterschwellig Soldaten quasi als Gefolgsleute des Teufels darstellt, bis hin zu echter linksextremistischer Propaganda, die heutzutage – unbemerkt, weil man sie nicht bemerken will – an vielen deutschen Schulen zum Beispiel durch Antifa-Gruppen vertreten ist. Wogegen übrigens auch in CDU-regierten Ländern ebensowenig unternommen wird wie in SPD-regierten. Dennoch ist die Zahl derer, die so etwas tun vergleichsweise klein. Eberbach: So ist es, der eigentliche Skandal liegt nicht bei den Radikalen und Desorientierten, sondern bei der Gesellschaft: Der Skandal ist, daß sich die Gesellschaft das überhaupt bieten läßt! Daß sich weder Politiker oder andere Repräsentanten des öffentlichen Lebens noch Bürger in nennenswerter Zahl weder vor ihre gefallenen noch vor ihre lebenden Soldaten – denken Sie etwa an das „Soldaten sind Mörder“-Urteil – zu stellen bereit sind. Erfahrungsgemäß wird ein wiederholt geschändetes Gefallenendenkmal sogar eher von der Gemeinde abgebrochen und eingelagert oder geschreddert als wirksam geschützt. Im Ausland scheint man kein Verständnis für die Situation in Deutschland zu haben (siehe Interview unten). Wie sind diesbezüglich die Erfahrungen der deutschen Kameradenwerke und Traditionsverbände? Eberbach: Wir haben verschiedene Kontakte zu ehemaligen Soldaten beziehungsweise zu Veteranenorganisationen im Ausland. Nur ein Beispiel: Erst jüngst habe ich wieder erlebt, wie bei einer gemeinsamen Gedenkfeier deutscher und russischer Veteranen in Ostpreußen der Vertreter der russischen Delegation den Deutschen mit Blick auf die überaus geringe Wertschätzung, die die ehemaligen deutschen Soldaten hierzulande erfahren, sagte: „Ihr wart junge Leute, wir waren junge Leute. Ihr mußtet in einen Krieg, wir mußten in einen Krieg, den wir alle nicht gewollt, sondern den die Politiker zu verantworten hatten. Ihr wolltet gesund nach Hause kommen, wart aber dennoch bereit Euer Leben einzusetzen – ebenso war es bei uns. Euch das heute vorzuwerfen ist absurd.“ Die Situation in Deutschland ist inzwischen so schlimm, daß die meisten der vielen tausend noch lebenden ehemaligen Soldaten der Wehrmacht froh sind, wenn sie ihre ehemaligen Gegner im Ausland besuchen dürfen, weil sie dort weit mehr Respekt und Anerkennung erfahren als zu Hause, wo sie miß- oder verachtet, bei Gedenkveranstaltungen sogar mitunter auch aggressiv bedrängt werden. Und auch davon ist in den Medien in der Regel nichts zu finden! Woher rührt dieses Desinteresse? Eberbach: In unseren meinungsbildenden Medien sitzen größtenteils Leute, die mit dem Militär nichts am Hut haben, ja die oftmals sogar offene Ressentiments gegenüber Soldaten hegen. Und wenn ich zum Beispiel die Bücher der israelischen Militärhistoriker Marcel Stein oder Martin van Creveld lese, begegnet mir dort ein sehr viel differenzierteres Bild, ja sogar ein gewisser Respekt vor den deutschen Soldaten, als zum Beispiel in den als seriös geltenden einschlägigen Dokumentationen des deutschen Fernsehens über den Zweiten Weltkrieg. Es geht Ihnen aber nicht nur um die Soldaten der Vergangenheit. Eberbach: Man kann mit Fug und Recht von einer massiven Diskriminierung nicht nur der ehemaligen Wehrmachts-, sondern auch der Bundeswehrsoldaten heute sprechen! Absurderweise beginnt diese schon in der Truppe selbst, wenn zum Beispiel Soldaten von ihren Vorgesetzten gebeten werden, nicht in Uniform auszugehen. In der Bundeswehr selbst ist mancherorts der soldatische Typus verrufen, wer sich dennoch so gibt, gerät als „rechtsradikal“ in Verdacht und muß Konsequenzen fürchten. Ein hochrangiger Ausbilder der Infanterieschule der Bundeswehr in Hammelburg äußerte vor einigen Jahren sogar einmal die Ansicht, überhaupt sei konsequentes – nach seinen Worten „übertriebenes“ – militärisches Auftreten ein Zeichen von „charakterlicher Schwäche“. Der Soldat ist also minderwertig, wenn er sich nicht als Zivilist in Uniform versteht? Eberbach: Das ist die Botschaft. Ebenso schändlich ist auch der Umgang vieler Politiker mit der Bundeswehr. Die Grünen zum Beispiel schicken Soldaten einerseits in lebensgefährliche Einsätze, möchten ihnen aber andererseits am liebsten das Abhalten öffentlicher Gelöbnisse verweigern. Allerdings trifft der Vorwurf nicht nur die Grünen. Zum Beispiel hielt der Einsatz der Bundeswehr bei der Oder-Flut die „demokratischen“ Lokalpolitiker von Frankfurt/Oder nicht davon ab, eine öffentliche Gelöbnisfeier in ihrer Stadt zu verhindern. Sie konstatieren außerdem, man müsse heutezutage froh sein, wenn nicht nur die Vertreter der Politik, sondern auch der Kirche und vor allem der Schulen nicht offen soldatenfeindlich sind. Eberbach: Manche Geistliche etwa weigern sich, Soldaten in Uniform zu trauen – einige verweigerten sogar Soldaten die Taufe ihrer Kindern, weil „die christliche Erziehung nicht gewährleistet“ sei. Lehrer, die Reserveoffiziere sind, erwähnen das meist tunlichst nicht vor ihren Kollegen. Und Schüler, die mitteilen, später zur Bundeswehr gehen zu wollen, bekamen schon gelegentlich schlechtere Noten. Ja, wir haben sogar schon umgekehrt den absurden Fall eines Lehrers erlebt, der einem Schüler finanzielle Unterstützung anbot, wenn dieser nach dem Abitur nicht zur Bundeswehr gehe. Das alles steht in Zusammenhang mit der informellen Wertung des Soldaten als dem „Untermenschen“ der Zivilgesellschaft. Und es ist das politische Establishment, das dieses Feindbild lanciert. Zum Beispiel in Gestalt von Leuten wie Oskar Lafontaine, der bekanntlich zum Beispiel Helmut Schmidt, der Offizier war, vorwarf, er vertrete mit Disziplin und Ordnung „Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ leiten könnte“. Foto: Beschmiertes Soldatengrab in Berlin (2003): „Der eigentliche Skandal ist, daß sich die Gesellschaft das bieten läßt“ Götz Eberbach ist einer von drei Schriftleitern der Soldatenzeitschrift Kameraden, dem Organ der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kameradenwerke und Traditionsverbände e.V., des 1953 gegründeten, größten deutschen Veteranenverbandes. Eberbach wurde 1930 – ein weißer Jahrgang – in Stuttgart geboren und war bis 1993 im Schuldienst. Kontakt: Arbeitsgemeinschaft der Kameradenwerke und Traditionsverbände e.V., Tübinger Straße 12-16, 70178 Stuttgart, Tel.: 0711 / 2260620,
Internet: www.kameradenwerke.de weitere Interview-Partner der JF

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