Humorist und Patriot

Politiker hält er für „leider nur allzu oft korrupte Abenteurer im Smoking“ und den kommunistischen Terror für „lügnerischer“ und „totaler“ als den Nationalsozialismus. Wie es zum Holocaust kommen konnte? Darauf gab er in einem ausführlichen Interview mit der JUNGEN FREIHEIT im März 2001 Antwort: „Wenn Sie dem Menschen die Furcht vor Strafe durch Gott, die Kirche oder die Polizei nehmen, dann wird er ein ungezügeltes Ungeheuer. Er wird mit Wonne rauben, morden, vergewaltigen und töten.“ Also die Gottlosen als das wahre „Tätervolk“? Für diese These war der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann im Herbst letzten Jahres noch einhellig als „christlicher Fundamentalist“ verunglimpft worden, Ephraim Kishon dagegen wird in Deutschland gefeiert. Dieser Tage anläßlich seines 80. Geburtstages am 23. August. Seinen Ruf als politisch unkorrekter Schriftsteller hat er dennoch weg. Erst unlängst nannte er in einem Interview mit der Bild am Sonntag den wegen seiner Äußerungen zum Nationalsozialismus in Deutschland mit einem Einreiseverbot belegten britischen Historiker David Irving einen „genialen Menschen, der wunderbare Bücher schreibt“. Das Schweigen des Literaturbetriebes war unüberhörbar. Ephraim Kishon wurde als Ferenc Hoffmann in Budapest geboren. Da ihm die auch in Ungarn eingeführten „Judengesetze“ eine akademische Laufbahn verwehrten, absolvierte er eine Goldschmiedelehre, entkam schließlich durch Flucht nur kanpp der Deportation nach Sobibor – von seiner zwanzigköpfigen Familie überlebten außer ihm nur die Eltern und seine Schwester die Vernichtungslager. Im kommunistischen Ungarn begann er seine künstlerische Laufbahn zunächst als diplomierter Bildhauer, hatte aber bald auch Erfolg mit Hörspielen, Theaterstücken und Humoresken. 1949 floh er mit Hilfe einer israelischen Geheimorganisation aus dem Land, um dem „geradezu machtstrategisch aufgebauten satanischen Roulettespiel“ des stalinistischen Systems zu entrinnen. In Israel, „dem einzigen Land, in dem ich nicht Jude bin“, zunächst als Kibbuznik, Pferdezüchter und Garagenmeister tätig, wird er schließlich zu dem weltbekannten Schriftsteller Ephraim Kishon. Allein in Deutschland erreicht er eine Auflage von 32 Millionen Büchern. 2002 trug er nach 43 Jahren Ehe die weltbekannte „beste Ehefrau von allen“ zu Grabe, heute ist er in dritter Ehe mit der österreichischen Schriftstellerin Lisa Witasek („Männer sind Glückssache“) verheiratet. Politisch ist Kishon ein ausgewiesener israelischer Patriot. So gab er dem Aachener Karnevalsverein den ihm verliehenen „Orden wider den tierischen Ernst“ wegen eines Streits mit seinem Ordensbruder Norbert Blüm zurück – der hatte 2002 Israels Vorgehen gegen die Palästinenser als „hemmungslosen Vernichtungskrieg“ kritisiert. Beim eigenen Vaterland, hört für den Humoristen der Spaß eben auf. Schneidig!

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