Der Zuchtmeister

Peter Struck ist ein gestrenger Zuchtmeister. Die der Strenge innewohnende ausgleichende Gerechtigkeit jedoch geht ihm ab. So hatte er den wegen einer „unerträglichen“ Äußerung in die Kritik geratenen Bundeswehr-Professor Michael Wolfsohn am Dienstag zum klärenden Gespräch einbestellt, während der gleichfalls wegen einer „unerträglichen“ Äußerung unter Feuer geratene General Günzel ohne Chance auf Rechtfertigung gehen mußte. Nicht nachdenken sollte der Bürger „besser“ auch, wenn der Minister die Vorkommnisse im Irak mit Blick auf Deutschland kommentiert: Die Wehrpflicht sei ein Schutzwall gegen solche Zustände wie etwa in Abu Gharib, so Struck. Er irrt. US-Wehrpflichtige in Vietnam waren kein Schutzwall gegen Grausamkeiten der verschiedensten Art, und war es nicht so, daß deutsche Soldaten nach dem Anschlag in Kabul, bei dem mehrere ihrer Kameraden starben, beinahe afghanische Zivilisten erschossen hätten? Nur die Umsicht einiger Offiziere konnte ein Blutbad verhindern. Den Mund hat Struck immer gerne voll und oft zu voll genommen. Andererseits ist der 1943 in Göttingen geborene Sozialdemokrat einer der letzten Vollblutpolitiker auf der Berliner Bühne. Andere Abgeordnete definieren sich nur noch über ihre jeweiligen Fachgebiete. Struck hat jedoch die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszublicken. Das brachte den früheren Haushaltspolitiker, der im niedersächsischen Wahlkreis Celle direkt in den Bundestag gewählt wurde, schnell voran. Der passionierte Pfeifenraucher und Motorradfahrer wurde SPD-Fraktionsvorsitzender, schließlich Verteidigungsminister, und bald machte Struck im Berliner Bendler-Block Furore. Etwa mit seiner Bundeswehrreform: drastische Truppenreduzierungen auf nur noch 250.000 Soldaten und Verzicht auf fast alle schweren Panzer. Die Transformation der Bundeswehr soll sie weltweit einsetzbar machen, doch die Investitionen laufen am Bedarf vorbei. Deutschland braucht keine 180 Eurofighter mehr, wohl aber minensichere Fahrzeuge und Transporthubschrauber. Immerhin ist Struck für die Wehrpflicht, obwohl er den gegenläufigen Trend in seiner Partei nicht wird aufhalten können. Aber er war es auch, der die Landesverteidigung zu den Akten legte und allen Ernstes erklärte, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt. Dabei könnten die deutschen Truppen in Kabul im Notfall nicht einmal von der eigenen Luftwaffe evakuiert werden. Zugleich hat Struck Probleme mit dem Finanzminister. Hans Eichel will ihm bis 2008 rund 2,6 Milliarden Euro nicht geben, die Struck dringend braucht. Mit dem absehbaren Ende der Wehrpflicht und dem drohenden Finanzkollaps wird es für Struck höchste Zeit, die Stelle zu wechseln. Die Eichel-Nachfolge wäre ein Idealposten, um eines Tages vielleicht sogar Schröder zu beerben. Bei der nächsten Kabinettsumbildung, da sind sich Beobachter sicher, wechselt Struck vom Bendler-Block ins Finanzministerium.

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