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Der Polterer

Der Vorgang gleicht ein wenig der Eröffnung einer zweiten Front. Michael II. (Naumann) schlägt sich für Michael I. (Friedman) in die Schanze und attackierte die Berliner Justiz in der vergangenen Woche mit rüden Worten: Beim Vorgehen gegen Friedman sei offensichtlich ein „durchgeknallter“ Staatsanwalt am Werke gewesen. Prompt brachten der Berliner Generalstaatsanwalt Karge und Justizsenatorin Schubert je eine Beleidigungsklage auf den Weg. Fast ist man gewillt, an einen dritten Michael im Bunde zu glauben – einen namens Kohlhaas. Ist Michael Naumann, der sich gern in Dreifaltigkeit als Journalist, Politiker und Weltbürger versteht, ein solcher ständig Aufbegehrender? Der 1941 im anhaltinischen Köthen Geborene hat eine wahre Bilderbuchkarriere aufzuweisen, auch wenn er einmal meinte, man solle bloß nicht versuchen, Karriere zu machen. Gleich den Telegrafenmasten, die vom Zugfenster aus betrachtet vorbeizurasen scheinen, verliefen die Etappen seiner Karriere und führten ihn bis zu seiner heutigen Position als Chefredakteur und Mitherausgeber der Zeit. Dort stieg er 1970 ein, 1979 wechselte er als Herausgeber zur Zeitschrift Der Monat, die immerhin so etwas wie ein geistiges antikommunistisches Bollwerk verkörperte. Doch schon 1981 kehrte er als Auslandskorrespondent in den USA zur Zeit zurück, danach wurde er Auslandsressortleiter beim Spiegel. Dann schien es, als hätte Naumann seinen Platz im Leben gefunden. Von 1985 bis 1995 leitete er den Rowohlt-Verlag, dem er durch Gründung einer US-Dependance den Weg auf den amerikanischen Buchmarkt ebnete. Es war die ihm inzwischen zuerkannte Rolle des Machers, die – bevor er 2000 wieder zur Zeit zurückkehrte – 1998 den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder veranlaßte, Naumann zum Staatsminister für Kultur im Bundeskanzleramt einzuplanen. Hier zeigte es sich erstmals, daß Naumann alles andere als pflegeleicht war. So griff er beispielsweise die Heimatvertriebenen an, gegen deren kulturellen Institutionen er einen finanziellen Kahlschlag betrieb. Beleidigt fühlten sich die Landsmannschaften insbesondere durch seine Worte, sie brächten sich nur noch durch Häkel-nachmittage und Volkstänzchen in Erinnerung. Mit Michel Friedman und Lea Rosh geriet er beinahe aneinander, als er sich in puncto Holocaust-Denkmal für ein alternatives Konzept zum Stelenfeld aussprach. Da Naumann es jedoch auch als Staatsminister eilig hatte, die nächste Weggabelung zu erreichen, blieb die Auseinandersetzung aus. Oder folgte er nur einem Leitgedanken, den er erst kürzlich in einem Essay über die Sprache des 21. Jahrhunderts formuliert hat, nämlich den Wunsch nach einer Rückkehr der stilvollen Kultur des 18. Jahrhunderts? Sollte es das gewesen sein, so hätte er sich auch im Fall Friedman angesichts seiner polternden Bemerkungen in Richtung Justiz an dieses Vorbild halten sollen.

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