Unbeweglich in der Diaspora

Die Situation ist für den Vorsitz des Kreisverbandes Breisgau-Hochschwarzwald deprimierend: „Viele Mitglieder seien auf Hartz IV und Grundsicherung angewiesen und könnten sich kein Auto leisten“, klagen Louis Runge und Irmgard Koll laut Freiburger Anzeigenblatt Der Sonntag, „mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den abendlichen Veranstaltungen zu kommen, ist aber nur sehr schwer bis gar nicht möglich“.

Dabei war man noch 2007 zuversichtlich, als man den deutschlandweit südwestlichsten Kreisverband der Linkspartei gründete. Auch die Entwicklung der Basisgruppe schien vielversprechend. Die ursprünglich 26 Mitglieder verdoppelten sich fast auf 48. Flächendeckend konnte man in Südbaden aber nicht Fuß fassen und blieb politisch bedeutungslos. Nachdem die Gründungsmitglieder Runge und Noll nun auch noch „altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten sind, sind die Genossen sogar führerlos. „Uns fehlen die Macher“, beklagen die frustrierten Altlinken, die wegen der rot-grünen Kriegspolitik gegen Jugoslawien politisch weiter nach außen abdrifteten und sich nun der Kommunistischen Plattform Sahra Wagenknechts zugehörig fühlen.

Vielleicht ist Michael Schostek, den der Landesverband derzeit in die Provinz schickt, um „Neuwahlen abzuhalten“, ein solcher Macher. Der Politkader ist nämlich nach eigenen Angaben „schon länger in der Partei“ – laut Runge war Schostek vor 1989 bereits SED-Mitglied. Mit Pragmatismen im Mangelsystem also vertraut, kann er den allzu unbeweglichen Genossen vielleicht auf die Sprünge helfen – und sei es nur mit Fahrgemeinschaften oder Terminverlegungen.

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