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Aufgeschnappt
 

SPD-Frauen liegen voll im (demographischen) Trend

BERLIN. Mit seinem sogenannten „Kompetenzteam“ setzt SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier nach eigenen Worten auf „junge politische Talente“ sowie „die erfolgreichen Ministerinnen und Minister der Bundesregierung“. Vor allem betonte der amtierende Bundesaußenminister anlässlich der Vorstellung, daß ebenso viele Frauen wie Männer seinem Schattenkabinett angehören. Programm und Köpfe symbolisierten den „Aufbruch zum Besseren“, den die Sozialdemokraten ihren Wählern zur Bundestagswahl am 27. September verheißen.

Bei der Auswahl des Personals liegen die Roten wirklich voll im Trend: Nicht nur wegen des Anspruchs, möglichst viele Frauen an die Schalthebel der Macht zu setzen, sondern vor allem im Hinblick auf deren persönliche Vita. Hier hat man sich im Berliner Willy-Brandt-Haus offenbar an der jüngsten Demographie-Studie des Statistischen Bundesamtes über die zunehmende Kinderlosigkeit deutscher Frauen orientiert.

Unter den zehn weiblichen Mitgliedern des Schattenkabinetts befinden sich lediglich drei Mütter: die Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (zwei Söhne), Ulrike Merten, Verteidigungsexpertin im Bundestag (zwei Kinder) sowie Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (ein Kind).

Mehr Nachwuchs bei den Männern

Die sieben übrigen repräsentieren den im „Mikrozensus“ des Bundesamts als besonders zur Kinderlosigkeit tendierenden Stand der Akademikerin aus Westdeutschland: Dazu gehören die beiden Bundesministerinnen Brigitte Zypries und Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Chefin der Senatskanzlei in Berlin, Barbara Kisseler, die für Hochschul- und Forschungspolitik zuständige Bundestagsabgeordnete Carola Reimann, Dagmar Freitag (Sport-Beauftragte), Barbara Hendricks (Verbraucherschutz) sowie die SPD-Linke Andrea Nahles, die sich um Bildung und Integration kümmern soll.

Besser steht es da um die Reproduktionsrate der Männer im „Team Steinmeier“: Wolfgang Tiefensee und Thomas Oppermann führen mit jeweils vier Kindern die Liste an, gefolgt von Finanzminister Peer Steinbrück (drei). Parteichef Franz Müntefering hat aus seiner ersten Ehe zwei Töchter, auch der Agrarexperte Udo Folgart ist Vater zweier Kinder. Sigmar Gabriel und Steinmeier selbst haben je ein Kind. Nur bei SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und bei Arbeitsminister Olaf Scholz weist der offizielle Lebenslauf keinen Nachwuchs aus.

„Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht für die SPD ganz oben auf der Tagesordnung“, so Steinmeier bei der Vorstellung seiner Damen und Herren des Schattenkabinetts. Sollten sich die derzeitigen Wahlprognosen im September bestätigen, stünden für manche in seinem Team zumindest persönlich die Chancen diesbezüglich gar nicht so schlecht. Sozialdemokratische Familienpolitik macht dann eben weiter die CDU-Ministerin Ursula von der Leyen. (vo)

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