Joachim Kuhs

 

Kulissen für Thälmann

Den Totalitarismus mißt man in Deutschland gern mit zweierlei Maß. So werden NS-Symbole zu Recht und rigoros gebannt, kommunistische haben hingegen oft sogar öffentlichen Bestandsschutz. Besonders Genosse Ernst Thälmann, 1925 bis 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und zusammen mit Hitlers NSDAP heftigster Kämpfer gegen die Weimarer Republik, hat vielerorts immer noch Konjunktur.

So gibt es zwischen Ahlbeck und Zittau wohl kaum eine Stadt oder größere  Ortschaft, die sich nicht mit einer nach dem Politiker benannten Straße schmückt, der die KPD stalinistisch ausgerichtet hat. Auch im niederschlesischen Görlitz prangt an einer Ziegelmauer in der Bergstraße der sonst blitzeblank restaurierten Altstadt die gerade im Wahljahr anrüchige Losung: „Wählt Thälmann!“ Allerdings konnte dieser Wahlempfehlung niemals jemand folgen, stammt sie doch aus dem Jahr 1985, als Görlitz für das Defa-Epos zum 100. Geburtstag Thälmanns die Kulisse bot. In gekonnter Rabulistik begründet man denn auch die denkmalsgeschützte (!) stalinistischer Reminiszenz an der Neiße: Man wolle nur die Erinnerung an die „Filmstadt“ Görlitz wachhalten.     

Foto:  Gestrig: Wählt Thälmann!

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