Experten für Deeskalation

Vielleicht war Armin H. nur unbedarft, als er zusammen mit anderen Passanten im März 2008 in Berlin-Kreuzberg über die Straße ging, obwohl die Fußgängerampel schon auf Rot umgeschaltet hatte. Denn als der schwarze BMW mit getönten Scheiben sich der Verkehrsfurt näherte und der Fahrer ärgerlich die Hupe betätigte, blieb er kurz stehen und senkte beschwichtigend die Hände. „Genau die falsche Reaktion“, bekennt der Bremer später einsichtig, denn Mohamed K. fühlte sich dadurch erst recht provoziert und fuhr auf den Mann zu, der im Taumeln sowohl Außenspiegel wie Windschutzscheibe touchierte. An der nächsten Kreuzung mußte Armin H. diese weitere Respektlosigkeit dann schmerzhaft bereuen: Nach einem heftigen Tritt in den Rücken „stand vor mir ein Mann südländischen Aussehens, wild gestikulierend und laut schimpfend“, gibt die Berliner Morgenpost Armin H. wieder. Auf erneute Beschwichtigungsgesten setzte es dann noch südländische Backpfeifen, und Mohamed K. entschwand.

Doch der Neuköllner BMW-Fahrer konnte dank aufmerksamer Zeugen schnell ermittelt werden. „Ich habe mich provozieren lassen“, gestand der reuige Hartz-IV-Empfänger, der sich das Auto seiner Ehefrau geliehen hatte: „Ich weiß, das ist nicht gut.“ Trotzdem verurteilte ihn die Richterin jetzt zu 1.400 Euro Strafe und Führerscheinentzug. Auch beruflich könnte sein Verhalten zu einem Karriereknick führen, denn fraglich ist, ob Mohamed K. weiterhin das Zeug zum „Deeskalations“-Fachmann hat. Als solcher war der „Streitschlichter“ für 1,50 Euro pro Stunde offiziell im Auftrag der Arbeitsagentur als „Kiezstreife“ unterwegs.

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