Angestaubte Lockpfeifen

Personell wie stimmenfängertaktisch möchten sich die Sozialdemokraten 2009 dem Publikum als aufgehübschte Truppe darbieten. Doch die scheinbar locker vorgeführte Unternehmungslust, gequält garniert mit einer Prise Barack Obama, kann den tiefen Zwiespalt nicht verdecken: hier, in ungewohnt angestrengter Pose, der „neu“ zurechtgeputzte Kanzleramtsbewerber Frank-Walter Steinmeier – dort, um nicht zu sagen: ihm gegenüber, das SPD-Wahl-„Programm“ mit den angestaubten Lockwerkzeugen aus der offenbar ewig jungen alt-sozialistischen Mottenkiste.

Heftig wird wieder einmal die vermeintliche Allzweckfahne „Soziale Gerechtigkeit“ geschwungen. Doch wer weiß schon noch, daß dieses Schlagwort dereinst in fernen Klassenkampfzeiten erfunden wurde? Im übrigen: „soziale“ Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist doch schon als solche sozial – was denn sonst? Wenig tröstlich, daß längst auch die bürgerliche Konkurrenz zeitgeistmunter damit hausieren geht.

In seinem Innern, kein Zweifel, ist Frank-Walter Steinmeier ein „Schröderianer“ geblieben. Wladimir Putins Freund und Gasmann Gerhard Schröder hat sich anerboten, seinem Ex-Kanzleramtsminister Wahlkampf-Schützenhilfe zu geben: Ironie und Pikanterie nicht nur der SPD-Geschichte.

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