Seine Majestät dankt nicht ab

Früheste historische Spuren reichen bis ins späte 16. Jahrhundert zurück, als die Jesuiten im westfälischen Münster theologische Vorlesungen anboten. 1771 wird eine Universität gegründet, doch der Status hält nicht dauerhaft. Erst mit der Errichtung der Rechts- und Staatswirtschaftlichen Fakultät erhebt Kaiser Wilhelm II. am 1. Juli 1902 die Akademie wieder in den Stand einer Universität. Zu Ehren S. M. wird fünf Jahre später dieser die Bezeichnung „Westfälische Wilhelms-Universität“ (WWU) verliehen, die mit kurzer Unterbrechung nach 1945 bis heute gilt. Wenn es nach dem mittlerweile emeritierten Soziologieprofessor Christian Sigrist geht, wäre das schon seit 1995 anders. Damals hatte der Spezialist für afrikanische Befreiungsbewegungen und „agrarsoziologische Berater des kapverdischen Ministers für ländliche Entwicklung“ nämlich ein Dossier John Röhls in der Zeit gelesen, wo der britische Historiker „hinreichende Beweise für den Juden- und Rassenhaß des letzten deutschen Kaisers“ offenbarte. Sigrist schlug sofort Alarm, eine Kommission wurde einberufen, um den schändlichen Namen zu tilgen. Doch im Ergebnis verlief die Sache im Sande, die Tradition der Uni-Stiftung wog schwerer. Einzig der ASta hat im eigenen Namen die Abkürzung WWU ganz im Sinne Sigrists gestrichen. Johannes Schäfer, Referent „für Politische Bildung & Demokratische Rechte“ im Studentenausschuß, fordert allerdings eine erneute Auseinandersetzung mit dem Namenspatron. Obwohl sich die Universität ein neues Logo gegeben habe, beschwert sich Schäfer jetzt in der Münsterschen Zeitung, habe man einen Identitätswandel durch eine Umbenennung verpaßt.

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