Joachim Kuhs

 

Täuschungsmanöver III

Mit der Übergabe der Empfehlungen des Rechtschreibrates zur Ausbesserung der verkorksten Rechtschreibreform erfährt ein großangelegtes Täuschungsmanöver seinen vorläufig letzten Höhepunkt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) gaukelt der Öffentlichkeit vor, daß sich Experten, besorgt um die deutsche Sprache, gewissenhaft und demokratisch für die Einheit der deutschen Rechtschreibung einsetzen. Nichts von diesem Bild ist wahr. Es handelten keine Fachleute, sondern hauptsächlich Vertreter eigenen Interesses, Nutznießer und Urheber der mißglückten Reform, die sich als Flickschuster versuchten. Sie waren nicht um die deutsche Sprache besorgt, sondern um Macht und Geld. Sie haben nicht gewissenhaft gearbeitet, sondern ein paar läppische Kleinigkeiten der Reform zurückgenommen. Sie wollen der deutschen Sprachgemeinschaft weiterhin Schreibweisen zumuten, die das Verstehen von Texten erschweren. Sie werden demokratischen Ansprüchen nicht gerecht, weil sie die KMK mit dem Ziel auswählte, möglichst viel von der Rechtschreibreform zu retten. Der Rechtschreibrat versucht, einer weiterhin mangelhaften Schreibweise Legitimität zu verschaffen. Der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair hat die Möglichkeit vertan, seinen Fehler, den er als Kultusminister mit seiner Zustimmung zur Reform begangen hatte, wieder gutzumachen. Er hat ihn statt dessen verschlimmert. Thomas Paulwitz ist Schriftleiter der „Deutschen Sprachwelt“ in Erlangen.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles